AVGS beantragen 2026: Die vollständige Schritt-für-Schritt-Anleitung
AVGS beantragen leicht gemacht: Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Musterantrag, konkreten Formulierungen für den Sachbearbeiter und Tipps für 2026.
Du möchtest einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein beantragen, weißt aber nicht genau, wie das funktioniert? Diese Anleitung führt dich durch jeden Schritt — von der Voraussetzungsprüfung bis zum ausgefüllten Musterantrag, den du direkt mitnehmst.
Was ist ein AVGS — und warum lohnt er sich?
Der AVGS ist ein offizielles Förderinstrument der Bundesagentur für Arbeit. Mit ihm kannst du dir eine private Arbeitsvermittlung, ein Coaching oder eine berufliche Qualifizierungsmaßnahme bezahlen lassen — ohne selbst einen Cent auszugeben.
Mögliche Maßnahmen, die der Gutschein abdeckt:
- Vermittlung in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung durch private Agenturen
- Bewerbungscoaching und professionelle Karriereberatung
- Eignungsanalysen und Potenzialchecks
- Berufliche Weiterqualifizierung und Umschulungen
- Unterstützung bei der Existenzgründung (Gründungsberatung)
Das Beste daran: Für dich als Leistungsempfänger entstehen keine Kosten. Die Abrechnung läuft direkt zwischen dem zertifizierten Anbieter und der Behörde. Auch wenn der Anbieter dich am Ende nicht vermittelt — du zahlst nichts.
Wer hat 2026 Anspruch auf einen AVGS?
Der Kreis der Anspruchsberechtigten ist 2026 weiterhin breit aufgestellt:
- ALG-I-Empfänger — nach 6 Wochen Arbeitslosigkeit besteht ein gesetzlicher Rechtsanspruch
- Bürgergeld-Empfänger — Ermessensleistung (Jobcenter entscheidet, kann aber nicht willkürlich ablehnen)
- Neue Grundsicherung ab Juli 2026 — der AVGS bleibt zentrales Förderinstrument, stärker an Kooperationspläne geknüpft
- Von Arbeitslosigkeit bedrohte Arbeitnehmer — auch bei drohender Kündigung möglich
- Rehabilitanden und Menschen mit Behinderung — besondere Förderungsmöglichkeiten
- Selbstständige nach Aufgabe der Tätigkeit — wenn ALG-I-Anspruch entstanden ist
Rechtsanspruch vs. Ermessensleistung — der wichtigste Unterschied
Dieser Unterschied entscheidet darüber, wie du deinen Antrag formulieren musst:
Rechtsanspruch (§ 45 Abs. 7 SGB III): Du beziehst ALG I und bist seit 6 Wochen arbeitslos — dann MUSS die Agentur für Arbeit dir den AVGS ausstellen. Die Behörde hat keinen Ermessensspielraum.
Ermessensleistung (Bürgergeld etc.): Das Jobcenter KANN den AVGS ausstellen — muss aber nicht. Hier brauchst du starke Argumente, einen konkreten Anbieter und eine klare Begründung, warum der AVGS in deinem Fall sinnvoll ist.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: So beantragst du den AVGS
Folge diesen 7 Schritten für einen reibungslosen Antragsprozess:
Grundlage klären
Seit wann bist du arbeitslos gemeldet? Welche Behörde ist zuständig (Agentur oder Jobcenter)? Welche Maßnahme möchtest du nutzen?
Anbieter recherchieren
Suche einen AZAV-zertifizierten Anbieter über die KURSNET-Datenbank der BA. Die AZAV-Zulassung ist Pflicht — ohne sie kein AVGS.
Termin buchen
Beantrage einen Beratungstermin. Erwähne bereits bei der Terminvereinbarung § 45 SGB III — das signalisiert, dass du vorbereitet bist.
Unterlagen mitbringen
Personalausweis, Leistungsbescheid, Lebenslauf, Bewerbungsnachweise und die Informationsmappe des gewünschten Anbieters.
Das Gespräch führen
Nutze die konkreten Formulierungen weiter unten in diesem Artikel. Bleibe sachlich, bestimmt und freundlich.
Gutschein einlösen
Achte auf die Gültigkeitsdauer (meist 3 Monate). Reiche den Gutschein sofort beim Anbieter ein und starte die Maßnahme.
Maßnahme aktiv nutzen
Sei zuverlässig, absolviere alle vereinbarten Termine und nutze das Coaching intensiv — nur dann zahlt es sich wirklich aus.
Formulierungen, die beim Sachbearbeiter funktionieren
Die richtigen Worte können den Unterschied zwischen Zusage und Ablehnung machen. Hier sind drei bewährte Formulierungen:
Bei Rechtsanspruch (ALG I + 6 Wochen)
„Ich bin seit [Datum] arbeitslos gemeldet und beziehe ALG I. Damit erfülle ich nach § 45 Abs. 7 SGB III die Voraussetzungen für einen Rechtsanspruch auf den AVGS. Ich beantrage diesen heute formell.“
Bei Ermessensleistung (Bürgergeld)
„Mein bisheriges Jobcenter-Coaching hat nicht zu einer Vermittlung geführt. Ich habe einen konkreten AZAV-zertifizierten Anbieter recherchiert, der auf meine Situation spezialisiert ist. Ich bitte um einen AVGS nach § 45 SGB III.“
Wenn der Sachbearbeiter zögert
„Können Sie mir schriftlich erläutern, aus welchen konkreten Gründen ein AVGS in meinem Fall nicht geeignet wäre? Ich benötige das für meine Unterlagen und um eventuelle Rechtsmittel prüfen zu können.“
Profi-Tipp: Das Wort „schriftlich“ wirkt Wunder. Viele Sachbearbeiter sind dann plötzlich gesprächsbereiter, weil sie wissen, dass eine schriftliche Ablehnung anfechtbar ist.
Was tun bei Ablehnung?
Eine Ablehnung ist kein Endurteil. Du hast klare Rechtsmittel:
- Schriftliche Begründung anfordern — die Behörde ist dazu verpflichtet
- Widerspruch einlegen — Frist beachten: 1 Monat ab Bekanntgabe des Bescheids
- Sozialberatung einschalten — kostenlos über Sozialverbände wie VdK oder AWO
- Klage beim Sozialgericht einreichen — im Sozialrecht gibt es keine Gerichtskosten für die Klage selbst
Musterantrag: Zum Mitnehmen und Ausfüllen
Drucke diesen Musterantrag aus, fülle die markierten Felder aus und übergib ihn bei deinem Termin — oder schicke ihn vorab per Post oder E-Mail an deine Behörde.
An:
[Name der Behörde]
[Adresse]
[PLZ, Stadt]
Von:
[Ihr vollständiger Name]
[Adresse]
Kundennummer: [Ihre Kundennummer]
Datum: [Datum]
Betreff: Antrag auf Ausstellung eines Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheins (AVGS) gemäß § 45 SGB III
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit beantrage ich formell die Ausstellung eines Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheins (AVGS) gemäß § 45 SGB III.
Meine Situation:
Ich bin seit dem [Datum der Arbeitslosmeldung] arbeitslos gemeldet und befinde mich im Leistungsbezug [ALG I / Bürgergeld]. Trotz aktiver Eigenbemühungen — ich habe bislang [Anzahl] Bewerbungen eingereicht — ist eine Vermittlung in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bisher nicht gelungen.
Mein Ziel:
Ich möchte [private Arbeitsvermittlung / Bewerbungscoaching / Qualifizierungsmaßnahme] in Anspruch nehmen. Der Anbieter [Name des Anbieters] verfügt über eine gültige AZAV-Zulassung (Zulassungsnummer: [Nummer, falls bekannt]) und ist auf meine Berufsgruppe spezialisiert.
Rechtliche Grundlage:
[Option A: Da ich ALG I beziehe und seit mehr als 6 Wochen arbeitslos bin, habe ich gemäß § 45 Abs. 7 SGB III einen Rechtsanspruch auf den AVGS.]
[Option B: Ich bitte um wohlwollende Prüfung meines Antrags nach pflichtgemäßem Ermessen gemäß § 45 SGB III.]
Ich bitte um eine schriftliche Entscheidung über meinen Antrag sowie um Ausstellung des AVGS bei positiver Bescheidung.
Mit freundlichen Grüßen,
[Unterschrift]
[Name in Druckbuchstaben]
Häufige Fragen zum AVGS 2026
Wie lange ist der AVGS gültig?
Kann ich mir den Anbieter selbst aussuchen?
Was passiert, wenn der Anbieter mich nicht vermittelt?
Kann ich einen AVGS ablehnen?
Ändert die neue Grundsicherung ab Juli 2026 etwas am AVGS?
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