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  • AVGS oder Bildungsgutschein? Die wichtigsten Unterschiede 2026 | by Maik Marx

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    AVGS oder Bildungsgutschein? Die wichtigsten Unterschiede — und wann du welchen beantragst

    Du hast Anspruch auf staatliche Förderung — aber das Jobcenter oder die Arbeitsagentur nennt dir zwei verschiedene Gutscheine und du weißt nicht, welcher für dich passt? AVGS (Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein) und Bildungsgutschein klingen ähnlich, verfolgen aber grundverschiedene Ziele. Dieser Artikel erklärt dir die Unterschiede konkret, zeigt dir, wann du kombinieren kannst — und welche Fehler du vermeiden solltest.

    1. Die Grundlagen: Was ist was?

    Beide Instrumente stammen aus dem Sozialgesetzbuch III und sollen Arbeitslosen helfen — setzen aber an komplett unterschiedlichen Stellen an.

    AVGS

    Aktivierungs- & Vermittlungsgutschein

    Hilft dir dabei, schneller einen Job zu finden. Er finanziert Maßnahmen wie Bewerbungscoaching, Karriereberatung oder die Beauftragung eines privaten Arbeitsvermittlers.

    § 45 SGB III
    Bildungsgutschein (BGS)

    Bildungsgutschein

    Finanziert eine konkrete Weiterbildung oder Umschulung. Er deckt Lehrgangskosten, ggf. Fahrkosten und bei stationären Maßnahmen auch Unterkunft ab.

    § 81 SGB III

    Kurz gesagt: Der AVGS bringt dich auf dem direkten Weg in den Job. Der Bildungsgutschein bringt dir erst die Qualifikation — der Job kommt danach.

    2. Neuerung ab 2025: BGS auch über die Agentur für Jobcenter-Kunden

    Neuerung 2025

    Bisher galt: Wer im Jobcenter (SGB II / Bürgergeld) geführt wurde, konnte den Bildungsgutschein nur über das Jobcenter beantragen — mit teils anderen Bewilligungsquoten und Bearbeitungszeiten.

    Seit 2025 gilt: Die Agentur für Arbeit kann Bildungsgutscheine nun auch an Jobcenter-Kunden ausgeben, wenn die Qualifizierung der Beschäftigungsfähigkeit dient. Das wurde durch die verstärkte Kooperation zwischen Agenturen und gemeinsamen Einrichtungen (gE) ermöglicht.

    In der Praxis bedeutet das: Wenn du im SGB II bist und eine Weiterbildung anstrebst, lohnt es sich, gezielt nachzufragen — welche Stelle für dich schneller und unkomplizierter ist.

    3. Die 5 wichtigsten Unterschiede im direkten Vergleich

    • 1
      AVGS — Zweck
      Vermittlung & Aktivierung

      Unterstützt aktiv die Jobsuche: Bewerbungscoaching, Karriereberatung, Bewerbermanagement durch private Vermittler

      BGS — Zweck
      Qualifizierung & Weiterbildung

      Finanziert Kurse, Umschulungen, Zertifikatslehrgänge — baut Qualifikationen auf oder schließt Lücken

    • 2
      AVGS — Dauer
      Bis zu 8 Wochen

      Maßnahmen sind kurz und intensiv angelegt — schnelle Wirkung auf die Jobsuche

      BGS — Dauer
      Bis zu 2 Jahre

      Vollständige Umschulungen können bis zu 24 Monate dauern, kürzere Zertifikatslehrgänge wenige Wochen

    • 3
      AVGS — Voraussetzungen
      Arbeitslos oder -suchend

      Bereits nach 6 Wochen Arbeitslosigkeit; kein Nachweis über Notwendigkeit einer Qualifizierung nötig

      BGS — Voraussetzungen
      Qualifikationsbedarf nachweisen

      Berater muss bestätigen, dass Weiterbildung notwendig und Eingliederung in den Arbeitsmarkt das Ziel ist

    • 4
      AVGS — Inhalt
      Coaching & Vermittlung

      Bewerbungstraining, Interviewvorbereitung, Karrierecoaching, private Arbeitsvermittlung mit Vermittlungsprämie

      BGS — Inhalt
      Bildung & Abschlüsse

      Fachkurse, Umschulungen, Anpassungsqualifizierungen, ggf. mit IHK- oder HWK-Abschluss

    • 5
      AVGS — Trägerwahl
      Freie Auswahl AZAV-Träger

      Du kannst dir deinen Maßnahmeträger selbst aussuchen — Vergleichen lohnt sich

      BGS — Trägerwahl
      Bildungsträger mit Zulassung

      Nur AZAV-zertifizierte Bildungsanbieter für den spezifischen Kurs dürfen den BGS einlösen

    4. Zuständigkeit nach der Reform Juli 2026

    Die Bundesregierung hat mit dem Bürgergeld-Reformpaket und der Kooperationsplanung grundlegende Änderungen eingeführt. Hier die wichtigsten Fakten zur Zuständigkeit:

    Bis Juni 2026
    Getrennte Bearbeitung

    Agentur für Arbeit (SGB III) und Jobcenter (SGB II) bearbeiten AVGS und BGS größtenteils unabhängig voneinander. Parallele Beratungen sind möglich, aber nicht verpflichtend abgestimmt.

    Ab Juli 2026
    Kooperationsplan verpflichtend

    Jobcenter müssen für Langzeitarbeitslose einen Kooperationsplan erstellen. Darin ist festgelegt, ob AVGS, BGS oder eine Kombination für den individuellen Eingliederungsweg vorgesehen ist. Beides muss aufeinander abgestimmt sein.

    Neu ab 2026
    Grundsicherung für Selbstständige

    Wer sich mit AVGS-Unterstützung selbstständig macht, kann bei gescheiterter Gründung unter erleichterten Bedingungen Bürgergeld beziehen — ohne erneute Wartezeit. Details regelt die neue Übergangsregelung im SGB II § 12a.

    5. Drei Szenarien: Wann du AVGS und BGS kombinieren kannst

    In bestimmten Situationen macht es Sinn, beide Instrumente hintereinander — oder sogar gleichzeitig — zu nutzen. Hier sind drei praxisnahe Beispiele:

    1
    Jobsuche + Qualifikationslücke schließen
    Kurzfristig bewerben, langfristig qualifizieren

    Du bist arbeitslos und bewirbst dich aktiv. Gleichzeitig fehlt dir ein Zertifikat, das Arbeitgeber verlangen. Lösung: AVGS für sofortiges Bewerbungscoaching, parallel BGS-Antrag für einen abendlichen Zertifikatskurs (z. B. Project Management, Excel-Spezialist). Beide Maßnahmen schließen sich nicht aus, solange der Zeitplan stimmt.

    AVGS aktiv BGS parallel Zertifikatskurs
    2
    Gründung + Zusatzzertifizierung
    AVGS für Gründungscoaching, BGS für fachliche Qualifizierung

    Du willst dich selbstständig machen. Der AVGS (Abschnitt Existenzgründung) finanziert ein Gründungscoaching, Businessplan-Erstellung und Mentoring. Der BGS finanziert gleichzeitig oder im Anschluss eine branchenspezifische Qualifizierung, die dein Angebot professionalisiert — z. B. einen Marketing-Kurs oder eine Fachweiterbildung in deinem Kernbereich.

    Gründungscoaching BGS Fachkurs Selbstständigkeit
    3
    Wiedereinstieg nach langer Pause
    BGS zuerst, AVGS für den finalen Schritt

    Nach Elternzeit oder längerer Krankheit fehlen aktuelle Kenntnisse und Marktzugang. Strategie: Zuerst BGS für eine Auffrischungsqualifizierung (z. B. digitale Tools, neue Software), danach AVGS für intensives Bewerbungscoaching mit einem spezialisierten Karriereberater, der Kontakte in die Zielbranche hat.

    BGS zuerst AVGS danach Wiedereinstieg

    6. Die 4 häufigsten Fehler — und wie du sie vermeidest

    • ✗
      Den falschen Gutschein beantragen

      Wer einen Job sucht, aber einen BGS für eine lange Umschulung beantragt, verliert Monate. Wer qualifizieren will, aber nur einen AVGS bekommt, finanziert keine echte Weiterbildung. Kläre vor dem Gespräch: Brauche ich primär einen Job jetzt — oder fehlt mir eine Qualifikation?

    • ✗
      Keinen Träger vor der Bewilligung kontaktieren

      Viele fragen erst nach dem Gutschein nach Trägern — und stellen dann fest, dass der gewünschte Kurs bereits voll oder der Anbieter gar nicht zugelassen ist. Besser: Vorher beim Wunschträger anfragen, ob Plätze frei sind und der Kurs AZAV-zertifiziert für deinen Gutscheintyp gilt.

    • ✗
      Ablaufdatum verpassen

      Beide Gutscheine haben eine Gültigkeitsdauer (AVGS in der Regel 3 Monate, BGS oft 3–6 Monate je nach Bescheid). Wer zu lange wartet, muss neu beantragen. Im Zweifelsfall: Verlängerung proaktiv vor Ablauf beantragen — das ist möglich und oft unbürokratisch.

    • ✗
      Keinen schriftlichen Bescheid abwarten

      Eine mündliche Zusage im Beratungsgespräch ist kein Gutschein. Erst wenn du den schriftlichen Bewilligungsbescheid hast, darfst du die Maßnahme buchen. Früher anfangen kann dazu führen, dass die Kosten nicht übernommen werden.

    7. Neue Grundsicherung und der Kooperationsplan

    Was ändert sich mit dem neuen Kooperationsplan?

    Im Rahmen der Bürgergeld-Reform müssen Jobcenter für Langzeitarbeitslose ab 2026 einen verbindlichen Kooperationsplan erstellen. Dieser Plan ersetzt die bisherigen Eingliederungsvereinbarungen und ist rechtlich bindend für beide Seiten.

    Was das konkret für AVGS und BGS bedeutet:

    • Der Kooperationsplan legt fest, ob AVGS oder BGS (oder beide) eingesetzt werden
    • Zeitplan und Maßnahmenziel werden schriftlich vereinbart
    • Du hast ein stärkeres Recht auf Förderung, wenn die Maßnahme im Plan steht
    • Jobcenter muss begründen, wenn es die Förderung ablehnt

    Für dich bedeutet das: Bestehe auf Aufnahme von AVGS oder BGS in deinen Kooperationsplan — dann bist du rechtlich besser abgesichert, wenn ein Antrag abgelehnt wird.

    Neue Grundsicherung ab 2026

    Die überarbeiteten Regeln zur Grundsicherung (SGB II) sehen vor, dass Personen, die über AVGS gefördert werden und sich in einer Qualifizierungsmaßnahme befinden, keine Sanktionen mehr wegen mangelnder Eigenbemühungen erhalten, sofern sie aktiv an der Maßnahme teilnehmen.

    Das nimmt den Druck, parallel zur Maßnahme täglich Bewerbungen schreiben zu müssen — und ermöglicht eine konzentriertere Teilnahme am Coaching.

    8. Häufige Fragen (FAQ)

    • Kann ich AVGS und Bildungsgutschein gleichzeitig haben?

      Grundsätzlich ja — aber die Maßnahmen dürfen sich zeitlich nicht überschneiden. Das heißt: Wenn du gerade an einer AVGS-Maßnahme (z. B. 4-wöchiges Bewerbungscoaching) teilnimmst, kann der BGS-Kurs erst danach starten. In Ausnahmefällen (z. B. Abendkurs + Tagescoaching) ist eine Überschneidung möglich, muss aber vorher mit dem Berater abgestimmt werden.

    • Was passiert, wenn ich nach dem AVGS einen Job finde und dann wieder arbeitslos werde?

      Du kannst erneut einen AVGS beantragen. Es gibt keine Sperrfrist nach einem abgeschlossenen AVGS. Wenn du dann eine Qualifikationslücke erkennst, die zur erneuten Arbeitslosigkeit beigetragen hat, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, auch den Bildungsgutschein zu beantragen.

    • Kann ich mir den Träger für den Bildungsgutschein selbst aussuchen?

      Ja. Der Bildungsgutschein ist trägerunabhängig — du kannst jeden AZAV-zertifizierten Bildungsanbieter wählen, der den gewünschten Kurs anbietet. Du bist nicht an Empfehlungen des Jobcenters oder der Agentur gebunden. Vergleiche Bewertungen, Abschlüsse und Praxisrelevanz der Kurse, bevor du dich entscheidest.

    • Gilt der AVGS auch für Online-Coaching?

      Ja, ausdrücklich. Seit 2020 werden Online-Maßnahmen gleichgestellt. Viele AZAV-zertifizierte Träger bieten vollständig digitale Bewerbungscoachings und Karriereberatungen an. Das ist besonders für Menschen ohne Auto oder in ländlichen Gebieten praktisch. Achte darauf, dass der Anbieter eine gültige AZAV-Zertifizierung für Online-Maßnahmen hat.

    • Was ist, wenn mein Antrag abgelehnt wird?

      Du hast ein Widerspruchsrecht innerhalb von einem Monat nach Bescheiddatum. Formuliere den Widerspruch schriftlich und begründe, warum die Maßnahme für deine Eingliederung notwendig ist. Häufige Ablehnungsgründe sind fehlende Nachweise über die Notwendigkeit — das lässt sich oft durch ein ergänzendes Attest oder eine schriftliche Stellungnahme des Trägers beheben.

      • Widerspruchsfrist: 1 Monat
      • Einreichung: Schriftlich per Einschreiben
      • Kostenlose Beratung: Verbraucherzentrale oder Sozialverbände
    • Bekomme ich während einer BGS-Maßnahme weiter Arbeitslosengeld?

      Ja. Die Teilnahme an einer mit dem Bildungsgutschein geförderten Maßnahme unterbricht weder den ALG-I- noch den Bürgergeld-Bezug. Im Gegenteil: Wenn du während einer Vollzeit-BGS-Maßnahme Fahrt- oder Kinderbetreuungskosten hast, kann die Agentur zusätzliche Begleitmaßnahmen finanzieren. Kläre das vorab mit deinem Berater.

    9. Fazit

    Die Kurzversion für alle, die keine Zeit haben

    AVGS ist dein Instrument, wenn du jetzt einen Job brauchst: Er zahlt Coaching, Bewerbungsbegleitung und private Vermittler.

    Bildungsgutschein ist dein Instrument, wenn dir eine Qualifikation fehlt: Er finanziert Kurse, Umschulungen und Abschlüsse.

    Beide schließen sich nicht aus — im Gegenteil: Wer strategisch vorgeht, nutzt erst den BGS für eine gezielt ausgewählte Qualifizierung und dann den AVGS, um danach zügig in den Markt einzusteigen. Oder umgekehrt: AVGS sofort für schnelle Vermittlungsunterstützung, BGS parallel für eine langfristige Weiterbildung.

    Ab Juli 2026 gilt: Bestehe darauf, dass dein Kooperationsplan konkret festhält, welcher Gutschein wann zum Einsatz kommt — das gibt dir rechtliche Sicherheit und erhöht die Chance auf Bewilligung.

    Noch Fragen? Wir helfen kostenlos weiter.

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  • Jobsuche mit 50+: Wie ein AVGS-Coaching den Wiedereinstieg verändert | by Maik Marx

    🔑 AVGS Coaching

    Jobsuche mit 50+: Wie ein AVGS-Coaching den Wiedereinstieg verändert

    Über 50 und auf Jobsuche? Erfahre, warum Erfahrung allein nicht reicht — und welche konkreten Schritte ein gefördertes Coaching ermöglicht.

    ca. 12 Min. Lesezeit 14. Februar 2026 by Maik Marx

    Wer mit Mitte oder Ende 50 eine neue Stelle sucht, kämpft auf einem Spielfeld, das sich in den letzten Jahren grundlegend verändert hat. LinkedIn statt Zeitungsanzeige. Videointerviews statt Handschlag. Algorithmen, die Lebensläufe aussortieren, bevor ein Mensch sie liest. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach erfahrenen Fachkräften in vielen Sektoren höher denn je — der Demographieknick macht sich bemerkbar.

    Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) des Jobcenters oder der Agentur für Arbeit ermöglicht es Jobsuchenden, kostenlos ein professionelles Coaching zu nutzen — ohne Eigenkosten, ohne bürokratischen Antragsstress. Für Menschen ab 50 kann dieser Gutschein ein echter Gamechanger sein. Dieser Artikel zeigt, warum — und was man konkret davon erwarten kann.

    1. Die typischen Hürden ab 50

    Ältere Bewerberinnen und Bewerber stehen vor einer Kombination aus strukturellen und psychologischen Hindernissen. Diese lassen sich in vier Hauptkategorien einteilen:

    💸

    Gehaltserwartungen vs. Marktrealität

    Viele 50+-Bewerber waren zuletzt in gut bezahlten Positionen. Arbeitgeber befürchten hohe Gehaltsvorstellungen — selbst wenn der Bewerber flexibel ist. Dieses Missverständnis blockiert viele Bewerbungen von Anfang an.

    💻

    Digitale Lücken im Lebenslauf

    Tools wie Notion, Slack, Trello, moderne CRM-Systeme oder KI-gestützte Workflows wurden in vielen Unternehmen erst in den letzten 5 Jahren Standard. Wer da fehlende Kenntnisse hat, wirkt schnell „nicht up to date“.

    📄

    Veraltetes Selbstmarketing

    Ein 4-seitiger Lebenslauf mit Lichtbild im klassischen Format kommt heute schlecht an. Moderne Employer nutzen ATS-Systeme (Bewerber-Software), die nach Keywords scannen — ältere CV-Formate werden herausgefiltert.

    🌐

    Fehlendes Netzwerk im digitalen Raum

    Während jüngere Bewerber LinkedIn seit Jahren aktiv nutzen, haben viele 50+ dort wenig bis gar keine Präsenz. Dabei werden laut Studien bis zu 80 % der Stellen über informelle Netzwerke besetzt.

    Wichtig: Altersdiskriminierung bei der Bewerbung ist in Deutschland verboten (AGG § 7). Dennoch passiert sie subtil — etwa durch automatisierte Absagen oder bewusst gewählte Formulierungen wie „junges, dynamisches Team“. Ein gutes Coaching hilft, solche Muster zu erkennen und gezielt dagegen vorzugehen.

    Hinzu kommt ein psychologischer Faktor: Nach einer langen Berufskarriere kann es sich seltsam anfühlen, wieder als Suchender aufzutreten — besonders wenn man jahrelang derjenige war, der andere eingestellt hat. Coaching adressiert auch diese emotionale Dimension.

    2. Was ein AVGS-Coaching konkret tut

    Ein hochwertiges AVGS-Coaching für Jobsuchende ab 50 umfasst deutlich mehr als das Polieren eines Lebenslaufs. Die folgenden Bausteine zeigen, was ein zertifizierter AZAV-Anbieter leisten sollte:

    1

    Stärkenanalyse & Positionierung

    Was sind die echten Kompetenzen — und wie kommuniziert man sie zeitgemäß? Ein guter Coach hilft dabei, die eigene Erfahrung als Asset zu framen, nicht als Ballast. Werkzeuge: Stärken-Tests, SWOT-Analyse, Value-Proposition-Canvas.

    2

    LinkedIn-Profil aufbauen & aktivieren

    Von Null zum vollständigen, keywordoptimierten Profil: Profilfoto, Headline, About-Section, Skills-Endorsements. Plus: Strategie für organisches Netzwerkwachstum ohne zu spammen.

    3

    Moderner Lebenslauf & Anschreiben

    ATS-freundliches Format, klare Struktur, richtige Keywords für die Zielbranche. Kein Lichtbild mehr bei Bewerbungen ins Ausland. Anschreiben: kurz, präzise, nutzenorientiert — kein „Ich bin Teamplayer“-Bingo mehr.

    4

    Interview-Training & Gehaltsverhandlung

    Typische Fragen für ältere Bewerber üben: „Warum wechseln Sie jetzt?“, „Wie bleiben Sie auf dem Laufenden?“, „Wie gehen Sie mit einem jüngeren Vorgesetzten um?“ — inklusive Videofeedback und realistischen Rollenspielen.

    5

    Netzwerkstrategie & Hidden-Job-Market

    Systematisches Reaktivieren alter Kontakte, gezielter Aufbau neuer Verbindungen in der Zielbranche. Der sogenannte „verdeckte Stellenmarkt“ — Positionen, die nie ausgeschrieben werden — ist für erfahrene Bewerber besonders relevant.

    6

    Digitale Grundkompetenzen auffrischen

    Je nach Bedarf: Kurzeinführung in relevante Tools, Online-Collaboration-Plattformen, KI-gestützte Arbeitsweisen. Ziel ist nicht Perfektion, sondern Gesprächsfähigkeit im Vorstellungsgespräch.

    Tipp: Frag beim Anbieter gezielt nach, ob Einzel- oder Gruppenformat angeboten wird. Für Menschen ab 50 empfiehlt sich oft das Einzelcoaching — es ist individueller, geht auf persönliche Branchenerfahrung ein und ist beim AVGS in der Regel vollständig abgedeckt.

    3. Drei anonymisierte Erfahrungsberichte

    Die folgenden Berichte basieren auf typischen Verläufen aus der Praxis. Namen und Details sind anonymisiert.

    „Ich war 23 Jahre lang Leiterin eines Vertriebsteams in der Pharmaindustrie. Nach einer Umstrukturierung standen wir alle auf der Straße. Mit 54 hatte ich ehrlich gesagt keine Ahnung, wie man sich heute bewirbt. Mein LinkedIn-Profil hatte ich 2018 angelegt und nie angefasst. Mein Coach hat das von Grund auf neu gemacht — neues Foto, neuer Text, klare Nische. Drei Monate später hatte ich zwei Jobangebote. Das hätte ich allein nie geschafft.“

    „Ich bin gelernter Schreiner, habe dann 20 Jahre als Bauleiter gearbeitet. Mit 57 wollte ich nicht mehr auf der Baustelle stehen — körperlich nicht mehr möglich. Der Coach hat mir geholfen, mein Know-how als Projektmanager zu formulieren. Ich kannte mich mit Bauplänen, Terminen, Subunternehmern aus — das war alles Projektmanagement, nur hatte ich das nie so genannt. Mit meinem neuen Lebenslauf hatte ich plötzlich ganz andere Möglichkeiten.“

    „Nach 18 Jahren im öffentlichen Dienst wollte ich in die Privatwirtschaft wechseln. Alle sagten, das gehe nicht mehr in meinem Alter. Mein Coach hat mich nicht besänftigt, sondern ehrlich mit mir gearbeitet: Was kann ich wirklich? Was will ich realistisch erreichen? Das war manchmal unbequem — aber genau das hat geholfen. Heute arbeite ich in der Compliance-Abteilung eines mittelständischen Unternehmens. Gehalt deutlich besser, Stress weniger.“

    4. Branchen, die 50+ in 2026 aktiv suchen

    Der Fachkräftemangel trifft nicht alle Sektoren gleich. Diese Branchen suchen 2026 besonders aktiv nach erfahrenen Mitarbeitenden — und haben dabei weniger Berührungsängste mit dem Alter:

    BrancheTypische RollenNachfrage
    Pflege & SozialesPflegefachkraft, Sozialarbeiter, Betreuung, LeitungSehr hoch
    HandwerkTechniker, Meister, Bauleitung, AusbildungsbeauftragterSehr hoch
    Öffentlicher DienstSachbearbeitung, Verwaltungsleitung, IT, SchulenHoch
    Logistik & TransportDisponent, Lagerleitung, Fahrer, FuhrparkmanagerHoch
    Bildung & AusbildungLehrkraft, Ausbilder, Kursleiter, TrainerSehr hoch
    Gesundheit (nichtärztlich)MFA, Physiotherapie, Ergotherapie, PraxismanagementSehr hoch
    Produktion & IndustrieSchichtleitung, Qualitätssicherung, Wartung, MeisterHoch

    Besonders die Pflege, das Bildungswesen und das Handwerk leiden unter einem akuten Generationenwechsel. Wer in diesen Bereichen bereits Erfahrung hat — oder über ein AVGS-Coaching gezielt auf sie hin qualifiziert wird — hat gute Karten. Hinzu kommt, dass Arbeitgeber in diesen Sektoren Zuverlässigkeit und Lebenserfahrung oft höher bewerten als Jugend und Dynamik.

    5. AVGS + Qualifizierungschancengesetz kombinieren

    Das Qualifizierungschancengesetz (QCG) ermöglicht es Arbeitslosen und teilweise auch Beschäftigten, finanzierte Weiterbildungen zu nutzen — unabhängig vom AVGS. Die Kombination beider Instrumente ist nicht nur erlaubt, sondern in vielen Fällen strategisch klug.

    📋 Was sich kombinieren lässt

    • AVGS für Coaching + QCG für Weiterbildung (zeitlich versetzt)
    • AVGS zur Vorbereitung auf Qualifizierungsmaßnahme
    • QCG-Kurs für digitale Skills, AVGS für Bewerbungsstrategie
    • Weiterbildungsbonus über Bundesagentur zusätzlich beantragen
    • Beide Maßnahmen mit Eingliederungsvereinbarung verknüpfen
    • Für Beschäftigte: QCG + Weiterbildungsprämie parallel

    Wichtig: AVGS und QCG haben unterschiedliche Rechtsgrundlagen und werden teilweise von unterschiedlichen Stellen bewilligt. Ein erfahrener Coach kennt diese Systematik und hilft dabei, die richtige Reihenfolge zu planen. Wer erst die Weiterbildung macht und dann ein AVGS-Coaching beantragt, hat oft bessere Karten als umgekehrt.

    Für Menschen ab 45 gelten beim QCG teilweise erleichterte Zugangsbedingungen — unabhängig von Betriebsgröße oder Qualifikationsniveau. Das bedeutet: Mehr Optionen, mehr Fördervolumen, mehr Möglichkeiten für einen echten Neustart.

    6. Neue Grundsicherung und der Faktor 50+

    Mit den Änderungen im Bürgergeld-System (Stand 2026) haben sich auch die Rahmenbedingungen für ältere Jobsuchende verändert. Was ist neu — und was bedeutet das konkret für Menschen ab 50?

    Schonvermögen

    Beim Bürgergeld gelten höhere Freibeträge. Für ältere Haushalte bedeutet das: Ersparnisse bis zur festgelegten Grenze müssen nicht angetastet werden, bevor Leistungen greifen.

    Vertrauensschutz

    Besonders relevant ab 60: Es gelten erweiterte Schutzregelungen, die einen erzwungenen Verkauf von Altersvorsorgevermögen verhindern können.

    Eingliederungsvereinbarung

    Das neue Kooperationsplan-Modell ermöglicht individuelle Absprachen mit dem Jobcenter. Ältere Bewerber können hier explizit auf ihre spezifischen Rahmenbedingungen hinweisen.

    AVGS-Berechtigung

    Bürgergeld-Bezug berechtigt automatisch zur AVGS-Beantragung. Auch Personen kurz vor oder nach ALG-1-Bezug können den Gutschein oft noch beantragen — Sachbearbeiterin fragen.

    Hinweis für 58+: Das sogenannte „58er-Regelung“ (nach altem SGB-Recht) existiert offiziell nicht mehr. Allerdings gibt es nach wie vor Sonderregelungen für Personen kurz vor der Regelaltersgrenze. Ein Beratungsgespräch beim Jobcenter oder der Beratungsstelle klärt, was individuell gilt.

    7. Häufige Fragen zum AVGS-Coaching ab 50

    Kann ich als 55-Jähriger wirklich noch einen AVGS bekommen?

    Ja. Der AVGS hat keine Altersgrenze nach oben. Voraussetzung ist, dass du beim Jobcenter oder der Agentur für Arbeit als arbeitssuchend oder arbeitslos gemeldet bist. In einigen Fällen reicht auch die drohende Arbeitslosigkeit (z. B. bei bereits ausgehändigter Kündigung). Der Gutschein wird auf Antrag ausgestellt — du musst ihn aktiv einfordern, er wird selten von selbst angeboten.

    Was kostet mich das Coaching als Bewerber?

    Bei vollständiger AVGS-Förderung: nichts. Der Gutschein deckt die Coaching-Kosten bis zur genehmigten Höhe vollständig ab. Es gibt keine Eigenanteile, keine versteckten Gebühren. Voraussetzung ist, dass du einen AZAV-zertifizierten Anbieter wählst — nicht jeder Anbieter ist berechtigt, AVGS-Leistungen abzurechnen.

    Macht Coaching überhaupt Sinn, wenn ich eigentlich eine Weiterbildung brauche?

    Sehr oft: Ja. Coaching und Weiterbildung schließen sich nicht aus — sie ergänzen sich. Ein guter Coach hilft zunächst zu klären, welche Weiterbildung strategisch sinnvoll ist, bevor man Zeit und Ressourcen investiert. Außerdem verbessert ein Coaching die Chancen, nach einer Weiterbildung auch wirklich eine Stelle zu finden. Die Kombination AVGS (Coaching) + QCG (Weiterbildung) ist deshalb ein bewährtes Modell.

    Wie erkenne ich einen guten Anbieter für 50+-Coaching?

    Achte auf folgende Kriterien: AZAV-Zertifizierung (Pflicht für AVGS-Abrechnung), nachweisbare Erfahrung mit älteren Bewerberinnen und Bewerbern, klares Konzept für LinkedIn/Digital-Themen, persönliche Erstberatung vor Vertragsschluss. Frag konkret: „Wie viele Klienten ab 50 haben Sie in den letzten 12 Monaten betreut? Wie viele haben innerhalb von 3 Monaten eine Stelle gefunden?“ Wer diese Fragen nicht beantworten kann, ist wahrscheinlich nicht spezialisiert.

    Was, wenn das Jobcenter meinen AVGS-Antrag ablehnt?

    Eine Ablehnung ist kein endgültiges Nein. Du kannst Widerspruch einlegen — schriftlich, innerhalb eines Monats. In vielen Fällen reicht es, den Antrag besser zu begründen (z. B. durch Vorlage eines konkreten Coaching-Angebots). Außerdem gilt: Was das Jobcenter ablehnt, kann die Agentur für Arbeit genehmigen — und umgekehrt. Wer ALG 1 bezieht, wendet sich an die Agentur; wer Bürgergeld bezieht, ans Jobcenter.

    8. Fazit: Kein Nachteil — nur ein anderer Start

    „Mit 50 ist man zu alt für den Arbeitsmarkt“ — das stimmt nicht, war aber jahrelang eine Überzeugung, die sich tief eingebrannt hat. Die Realität 2026 sieht anders aus: Fachkräftemangel, Demographiewandel und ein verändertes Arbeitgeber-Denken eröffnen neue Chancen für erfahrene Bewerberinnen und Bewerber.

    Was fehlt, ist oft nicht die Qualifikation, sondern das Werkzeug: ein modernes LinkedIn-Profil, ein ATS-tauglicher Lebenslauf, eine klare Positionierung, ein trainiertes Auftreten im Videointerview. Genau das leistet ein gutes AVGS-Coaching — kostenlos, individuell, praxisnah.

    Wer den ersten Schritt macht und den Gutschein beantragt, investiert nicht in Hoffnung, sondern in eine konkrete Strategie. Und die zahlt sich aus.

    Bereit für deinen Neustart ab 50?

    Finde heraus, ob du Anspruch auf einen AVGS hast — und welche Anbieter in deiner Region für 50+-Coaching zertifiziert sind.

  • AVGS fürs Gründercoaching 2026: Dein Sprungbrett zum Gründungszuschuss | by Maik Marx

    Gründercoaching AVGS MAT Gründungszuschuss 2026

    AVGS fürs Gründercoaching 2026: Dein Sprungbrett zum Gründungszuschuss

    📅 04. 7. Februar 2026 ✍️ Maik Marx ⏱️ ca. 10 Min. Lesezeit

    Wer arbeitslos ist und sich selbstständig machen will, denkt zuerst an Hürden — nicht an Chancen. Dabei gibt es einen kaum genutzten Förderweg, der Arbeitslosengeld-Beziehende und Bürgergeld-Empfänger direkt in die Selbstständigkeit führen kann: der AVGS für Gründercoaching, kombiniert mit dem anschließenden Gründungszuschuss. Die Förderbrücke ist real. Du musst sie nur kennen.

    Warum Selbstständigkeit mehr Aufmerksamkeit verdient

    Jedes Jahr verlassen tausende Menschen die reguläre Beschäftigung — durch Kündigung, Aufhebungsvertrag oder das Ende einer Befristung. Die meisten suchen sofort nach dem nächsten Arbeitgeber. Verständlich. Aber viele tragen schon lange den Wunsch nach Selbstständigkeit in sich, haben eine Idee, einen Plan, Kontakte — und nutzen die Phase der Arbeitslosigkeit nie als Startschuss.

    Der Grund ist oft derselbe: Es fehlt das strukturierte Wissen, wie Förderung für Gründer wirklich funktioniert. Der Gründungszuschuss ist bekannt, aber der Weg dorthin bleibt unklar. Genau hier setzt der AVGS an.

    • Deutschland hat jährlich über 600.000 Gründungen — viele davon hätten Förderanspruch
    • Der Gründungszuschuss wird zu wenig beantragt, weil die Vorbereitung fehlt
    • AVGS-gefördertes Gründercoaching erhöht die Bewilligungsquote messbar
    • Die Kombination AVGS + Gründungszuschuss ist ein unterschätztes Förderinstrument

    Was ist AVGS MAT — „Heranführung an selbstständige Tätigkeit“?

    Der AVGS (Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein) existiert in verschiedenen Ausprägungen. Für angehende Gründer ist besonders die Maßnahme-Art MAT (Maßnahme zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung) relevant — konkret: die Variante „Heranführung an selbstständige Tätigkeit“ nach § 45 SGB III.

    Mit diesem Gutschein kannst du ein zugelassenes Gründercoaching vollständig kostenfrei absolvieren. Die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter übernimmt die Kosten für AZAV-zertifizierte Träger — ohne Eigenanteil, ohne Rückzahlungspflicht.

    💡 Was MAT konkret beinhaltet

    Das Coaching umfasst typischerweise: Geschäftsidee analysieren & validieren, Businessplan erstellen, Marktrecherche, Finanzplanung (Rentabilitätsvorschau), Vorbereitung der fachkundigen Stellungnahme und Antragstellung beim Gründungszuschuss.

    Dauer: meist 4–12 Wochen, abhängig vom Anbieter. Viele Coaches arbeiten heute hybrid oder vollständig online.

    Die 3-Stufen-Förderbrücke

    Wer den AVGS für Gründercoaching strategisch nutzt, kann auf eine dreistufige Förderbrücke zurückgreifen — von der Orientierung bis hin zu 6.300 € sicherer Grundförderung im ersten Jahr der Selbstständigkeit.

    Die 3-Stufen-Förderbrücke für Gründer
    Von Arbeitslos bis Selbstständig — staatlich gefördert
    1
    🎓
    Stufe 1
    AVGS Gründercoaching
    § 45 SGB III — kostenfreies AZAV-Coaching, Businessplan, Finanzplanung, Vorbereitung Stellungnahme
    0 € Eigenanteil
    2
    📋
    Stufe 2
    Fachkundige Stellungnahme
    IHK, HWK oder AZAV-Träger — Tragfähigkeitsbewertung deines Businessplans. Coach bereitet dich vor.
    Pflicht für Zuschuss
    3
    💰
    Stufe 3
    Gründungszuschuss
    § 93 SGB III — ALG I + 300 € / 6 Monate, dann 300 € / 9 Monate möglich
    Bis zu 6.300 €

    Phase 1 & Phase 2 im Detail

    Der Gründungszuschuss teilt sich in zwei aufeinander folgende Phasen auf, die jeweils gesondert beantragt werden können:

    Phase 1 — Pflicht

    ALG I + monatlicher Zuschuss

    Du erhältst weiterhin dein volles Arbeitslosengeld I plus einen monatlichen Zuschlag zur sozialen Absicherung.

    ALG I + 300 €

    Dauer: 6 Monate

    Phase 2 — Ermessen

    Nur Pauschale zur Absicherung

    Nach Phase 1 kann auf Antrag eine zweite Phase bewilligt werden — nur die soziale Pauschale, kein ALG I mehr.

    300 €

    Dauer: bis 9 Monate

    ⚠️ Wichtig: Restanspruch ALG I

    Für den Gründungszuschuss benötigst du noch mindestens 150 Tage Restanspruch auf Arbeitslosengeld I zum Zeitpunkt der Antragstellung. Dieser Anspruch erlischt mit Bewilligung — plane den Antragszeitpunkt strategisch und sprich das mit deinem Coach ab.

    Formulierungen für das Gespräch mit dem Sachbearbeiter

    Viele Berechtigte scheitern schon daran, den AVGS für Gründercoaching überhaupt zu beantragen. Denn die Leistung muss aktiv eingefordert werden — sie wird nicht automatisch angeboten. Diese Formulierungen helfen dir, das Gespräch souverän zu führen:

    Szenario 1 — Erstgespräch bei der Agentur für Arbeit
    Ich möchte mich selbstständig machen und bitte um einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein für eine Maßnahme zur Heranführung an eine selbstständige Tätigkeit nach § 45 SGB III. Ich habe bereits erste Kontakte zu möglichen Gründercoaches geknüpft und möchte den Businessplan professionell begleiten lassen.
    Tipp: Nenne immer den Gesetzesparagrafen — das signalisiert, dass du dich auskennst, und reduziert Rückfragen.
    Szenario 2 — Sachbearbeiter zweifelt an Eignung
    Ich verstehe die Einschätzung, möchte aber auf meinen Ermessensanspruch hinweisen. Eine berufliche Wiedereingliederung über Selbstständigkeit ist gemäß § 45 SGB III ausdrücklich als Förderziel vorgesehen. Ich bitte Sie, meinen Antrag förmlich zu bescheiden, damit ich ggf. den Rechtsweg prüfen kann.
    Tipp: Die Formulierung „förmlich bescheiden“ signalisiert, dass du über Widerspruchsmöglichkeiten informiert bist. Viele ablehnende Entscheidungen werden daraufhin nochmals überprüft.
    Szenario 3 — Nachfassen zum Gründungszuschuss
    Mein AVGS-Coaching ist abgeschlossen, die fachkundige Stellungnahme liegt vor und bestätigt die Tragfähigkeit meines Konzepts. Ich möchte jetzt den Gründungszuschuss nach § 93 SGB III beantragen und bitte um die entsprechenden Formulare sowie einen Termin zur Antragstellung.
    Tipp: Bringe zur Antragstellung immer Businessplan, Stellungnahme, Gewerbeanmeldung (oder Voranmeldung) und eine kurze Selbstauskunft zur Liquiditätsplanung mit.

    Einen AZAV-zertifizierten Gründercoach finden

    Nicht jeder Coach ist automatisch AVGS-berechtigt. Für die Förderung durch den AVGS benötigst du einen AZAV-zertifizierten Träger — das ist die Zulassung nach dem Akkreditierungs- und Zulassungsverfahren Arbeitsförderung. Nur mit dieser Zertifizierung kann der Coach direkt mit der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter abrechnen.

    • KURSNET (kursnet.arbeitsagentur.de) — die offizielle Datenbank der Bundesagentur für Arbeit, filterbar nach AZAV und Region
    • avgs.info Anbieterverzeichnis — speziell auf AVGS-Gründercoaching spezialisierte Anbieter
    • Zertifizierungsstellen wie TÜV, DQS oder CERTQUA vergeben das AZAV-Siegel — Coaches müssen es nachweisen können
    • Frage aktiv nach: „Sind Sie nach AZAV für die Maßnahmeart ‚Heranführung an selbstständige Tätigkeit‘ zugelassen?“
    • Viele AZAV-Coaches bieten kostenlose Erstgespräche an — nutze das zur Vergleichbarkeit
    🔍 So erkennst du seriöse Coaches

    Seriöse AZAV-Coaches zeigen ihr Zertifikat transparent auf ihrer Website. Außerdem sollten sie konkrete Referenzen zu bewilligten Gründungszuschüssen nachweisen können. Frag nach der Erfolgsquote bei der fachkundigen Stellungnahme — das ist ein gutes Qualitätsindiz.

    Vorsicht bei Coaches, die vorab Geld verlangen oder das AVGS-Verfahren als „optional“ darstellen. Die Kosten trägt die Agentur für Arbeit vollständig.

    Neue Grundsicherung und ihr Einfluss auf die Gründung

    Mit der Reform des Bürgergeldes (vormals Hartz IV) haben sich auch die Rahmenbedingungen für gründungswillige Leistungsempfänger verändert. Das Bürgergeld legt stärker auf Eingliederung in Arbeit — und schließt Selbstständigkeit als Weg explizit ein.

    Für Bürgergeld-Beziehende gilt: Der AVGS kann auch über das Jobcenter beantragt werden (§ 16 Abs. 1 SGB II i.V.m. § 45 SGB III). Der Gründungszuschuss nach § 93 SGB III steht dagegen nur ALG-I-Beziehenden zu. Wer Bürgergeld erhält, kann jedoch auf die Einstiegsgeld-Regelung nach § 16b SGB II zurückgreifen — ein ähnliches Instrument mit Ermessensspielraum.

    • Bürgergeld-Empfänger können AVGS-Coaching beim Jobcenter beantragen (§ 16 SGB II)
    • Gründungszuschuss (§ 93 SGB III) ist nur für ALG-I-Empfänger — rechtzeitig prüfen!
    • Einstiegsgeld (§ 16b SGB II) als Alternative für Bürgergeld-Beziehende
    • Persönliche Arbeitsvermittler (PAP) beim Jobcenter haben oft mehr Spielraum als erwartet

    3 typische Hindernisse — und wie du sie überwindest

    🚧

    Hindernis 1: „Ich bin noch nicht sicher, ob meine Idee tragfähig ist“

    Viele warten auf die perfekte Idee, bevor sie den AVGS beantragen — und verlieren dabei wertvolle ALG-I-Tage.

    Das Coaching selbst ist die Überprüfung. Du musst vorher keine fertigen Zahlen haben — genau dafür ist der Coach da. Beantrage den AVGS mit dem ersten Impuls, nicht mit dem fertigen Plan.
    🚧

    Hindernis 2: „Der Sachbearbeiter hat mich abgewimmelt“

    Ablehnende Haltungen bei der Agentur für Arbeit sind kein rechtsgültiger Bescheid. Mündliche Absagen haben keine Bindungswirkung.

    Bestehe auf einem schriftlichen Bescheid. Dann hast du die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen. Viele Ablehnungen werden nach Widerspruch oder Einschaltung eines Ombudsmanns zurückgenommen.
    🚧

    Hindernis 3: „Ich habe keinen geeigneten Coach in meiner Nähe gefunden“

    Online-Coaching ist mittlerweile vollständig AVGS-tauglich. Der physische Standort des Coachs spielt keine Rolle mehr.

    Nutze bundesweite Online-Coaches, die AZAV-zertifiziert sind. Das öffnet dir deutlich mehr Auswahl und oft auch höhere Spezialisierung auf bestimmte Branchen oder Geschäftsmodelle.

    Häufige Fragen (FAQ)

    Kann ich den AVGS für Gründercoaching auch beantragen, wenn ich erst seit Kurzem arbeitslos bin? ▼

    Ja. Es gibt keine Mindest-Wartezeit für den AVGS. Du kannst ihn sofort ab dem ersten Tag der Arbeitslosigkeit beantragen. Sinnvoll ist es, früh zu starten — denn für den Gründungszuschuss benötigst du später noch mindestens 150 Tage Restanspruch ALG I.

    Je früher du das Coaching abschließt und die fachkundige Stellungnahme einholst, desto mehr Spielraum hast du beim Timing der Gründung.

    Wie lange dauert ein typisches AVGS-Gründercoaching? ▼

    Die Dauer variiert je nach Anbieter und Komplexität des Vorhabens. Übliche Zeitrahmen sind 4 bis 12 Wochen. Einige Coaches bieten intensivere Formate über 6 Wochen an, andere begleiten über 3 Monate hinweg wöchentliche Sessions.

    Der AVGS hat eine Gültigkeitsdauer — üblicherweise 3 bis 6 Monate ab Ausstellungsdatum. Achte darauf, das Coaching innerhalb dieser Frist abzuschließen.

    Was ist eine „fachkundige Stellungnahme“ und wer stellt sie aus? ▼

    Die fachkundige Stellungnahme ist ein Gutachten, das die wirtschaftliche Tragfähigkeit deines Gründungsvorhabens bewertet. Sie ist Pflichtbestandteil des Gründungszuschuss-Antrags.

    Ausgestellt wird sie von: Industrie- und Handelskammern (IHK), Handwerkskammern (HWK), Berufsverbänden, Steuerberatern oder AZAV-zertifizierten Gründungsberatern. Dein AVGS-Coach bereitet dich in der Regel genau auf diesen Schritt vor und kennt die Anforderungen der zuständigen Stelle.

    Kann ich den Gründungszuschuss auch beantragen, wenn ich bereits gegründet habe? ▼

    Nein. Der Gründungszuschuss muss vor der Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit beantragt werden. Wer bereits gegründet hat, verliert diesen Anspruch in der Regel. Der Antrag muss spätestens am letzten Tag des ALG-I-Anspruchs gestellt werden.

    Plane also sorgfältig: Erst Coaching, dann Stellungnahme, dann Antrag, dann Gründung — in dieser Reihenfolge.

    Was passiert, wenn mein Gründungsvorhaben beim Coaching als nicht tragfähig bewertet wird? ▼

    Das ist kein Scheitern — es ist wertvolle Information, die dir teure Fehler erspart. Ein gutes AVGS-Coaching identifiziert Schwachstellen früh und hilft dir, das Konzept anzupassen oder weiterzuentwickeln.

    Falls das Vorhaben grundsätzlich nicht realisierbar ist, bleibt dein AVGS-Anspruch dennoch bestehen — du kannst eine andere Maßnahme beantragen oder das Coaching auf eine angepasste Idee ausrichten. Die Förderung war nicht umsonst.

    Fazit: Die Förderbrücke nutzen, bevor sie endet

    Der AVGS für Gründercoaching ist eine der effektivsten und am wenigsten genutzten Förderleistungen für angehende Selbstständige in Deutschland. Wer ihn konsequent mit dem Gründungszuschuss kombiniert, erhält nicht nur professionelle Begleitung für seinen Businessplan — sondern auch die finanzielle Basis für die ersten Monate nach der Gründung.

    Das Beste daran: Der Einstieg kostet nichts. Kein Eigenanteil, keine Rückzahlungspflicht. Du brauchst nur drei Dinge — den Mut zur Anfrage, die richtigen Formulierungen und einen AZAV-zertifizierten Coach, der dich durch den Prozess führt.

    • Jetzt AVGS bei der Agentur für Arbeit beantragen (§ 45 SGB III, MAT)
    • AZAV-Coach auswählen — online oder regional, kein Eigenanteil
    • Businessplan und fachkundige Stellungnahme gemeinsam erarbeiten
    • Gründungszuschuss beantragen — vor der tatsächlichen Gründung!
    • Mit 300 € Zuschlag/Monat (Phase 1) sicher in die Selbstständigkeit starten
    Tipp von avgs.info

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  • Neue Grundsicherung ab 1. Juli 2026: Welche Sanktionen gelten — und warum AVGS-Coaching schützt | by Maik Marx

    Grundsicherung 2026 Sanktionen 4. 31. Januar 2026  ·  12 Min. Lesezeit

    Neue Grundsicherung ab 1. Juli 2026: Welche Sanktionen gelten — und warum AVGS-Coaching schützt

    Ab Juli 2026 gilt die neue Grundsicherung mit schärferen Sanktionen. Erfahre, welche Stufen drohen und warum AVGS-Coaching dich als Kooperationsnachweis schützt.

    MM
    Maik Marx
    AVGS & Förderberatung · avgs.info

    Zum 1. Juli 2026 tritt die größte Reform der Grundsicherung seit Einführung des Bürgergelds in Kraft. Der Gesetzgeber macht Ernst mit dem Prinzip „Fördern und Fordern“: Wer Mitwirkungspflichten verletzt, riskiert spürbare Kürzungen — und das schneller als bisher. Gleichzeitig gibt es neue Schutzinstrumente. In diesem Artikel erfährst du genau, was sich ändert, welche Sanktionsstufen ab wann greifen und warum ein AVGS-gefördertes Coaching zu einem der wirksamsten Kooperationsnachweise überhaupt werden kann.

    ℹ️
    Worum geht es in diesem Artikel? Dieser Beitrag fasst die wesentlichen Neuerungen des Grundsicherungsrechts ab Juli 2026 zusammen, erklärt die neuen Sanktionsmechanismen und zeigt, wie ein AVGS-Coaching-Programm gezielt als Nachweis aktiver Kooperation eingesetzt werden kann — mit rechtlich belastbarer Dokumentation.

    Was sich ab Juli 2026 wirklich ändert

    Die neue Grundsicherung baut auf dem Bürgergeld-Modell auf, verschärft jedoch die Konsequenzen bei mangelnder Mitwirkung deutlich. Das Bundesarbeitsministerium spricht von einem „aktivierenden Wohlfahrtsstaat“: Leistungen gibt es weiterhin bedürftigkeitsunabhängig, aber das Fordern bekommt mehr Gewicht.

    Konkret bedeutet das: Der bisherige „Vertrauenszeitraum“ von sechs Monaten zu Beginn des Leistungsbezugs entfällt ersatzlos. Stattdessen wird bereits ab dem ersten Monat ein verbindlicher Kooperationsplan abgeschlossen, dessen Einhaltung regelmäßig geprüft wird.

    ⚠️
    Wichtig: Übergangsregelung beachten! Bestehende Eingliederungsvereinbarungen und Kooperationspläne, die vor dem 1. Juli 2026 abgeschlossen wurden, behalten ihre Gültigkeit bis maximal 31. Dezember 2026. Danach gelten ausnahmslos die neuen Regelungen.

    Die wichtigsten Neuerungen auf einen Blick

    • Abschaffung des Vertrauenszeitraums — Kooperationsplan gilt ab Tag 1
    • Schärfere und schneller greifende Sanktionsstufen bei Pflichtverletzungen
    • Neue Dokumentationspflichten für Bewerbungsaktivitäten
    • Erweiterte Härteklauseln für besondere Lebenssituationen
    • AVGS-Maßnahmen als anerkannte Kooperationsnachweise (neu: explizit im Gesetzestext)
    • Verpflichtende Erreichbarkeitszeiten (werktags 8–17 Uhr)

    Neue Mitwirkungspflichten im Detail

    Das Herzstück der Reform sind vier konkrete Mitwirkungspflichten, die ab Juli 2026 verbindlich gelten. Wer eine oder mehrere davon verletzt, riskiert eine Sanktion — unabhängig davon, wie lange der Leistungsbezug bereits besteht.

    1. Kooperationsplan einhalten

    Jeder Leistungsbeziehende schließt mit dem Jobcenter einen individuellen Kooperationsplan ab. Dieser legt fest: Welche Aktivitäten sind in welchem Zeitraum nachzuweisen? AVGS-Maßnahmen können ausdrücklich als vereinbarte Aktivität eingetragen werden.

    2. Bewerbungsdokumentation führen

    Mindestens zwei nachweisbare Bewerbungsaktivitäten pro Monat müssen dokumentiert werden — mit Datum, Unternehmen, Stellenbezeichnung und Reaktion. Fehlt diese Dokumentation beim Prüfungstermin, gilt dies als Pflichtverletzung, auch wenn tatsächlich Bewerbungen stattgefunden haben.

    3. Maßnahmenteilnahme

    Zugewiesene Maßnahmen — darunter ausdrücklich auch AVGS-geförderte Coachings — müssen regelmäßig und aktiv besucht werden. Eine Teilnahmequote unter 80 % ohne triftigen Grund gilt als Pflichtverletzung.

    4. Erreichbarkeit sicherstellen

    Leistungsbeziehende müssen werktags zwischen 8 und 17 Uhr telefonisch erreichbar sein und innerhalb von 48 Stunden auf offizielle Schreiben reagieren. Wiederholte Nicht-Erreichbarkeit kann als Pflichtverletzung gewertet werden.

    Die drei Sanktionsstufen — visuell erklärt

    Das neue System kennt drei aufeinander aufbauende Sanktionsstufen. Jede Stufe greift bei einer erneuten Pflichtverletzung innerhalb von zwölf Monaten nach der letzten Sanktion. Die Laufzeiten sind klar definiert und können nicht mehr so leicht durch einfache Erklärungen unterbrochen werden.

    Stufe 1
    −20 %

    Erste Pflichtverletzung

    Kürzung des Regelbedarfs für 1 Monat

    • Einmalige oder erste Pflichtverletzung
    • Kooperationsplan nicht erfüllt
    • Bewerbungsdoku fehlt
    • Nach Abmahnung sofort wirksam
    Stufe 2
    −30 %

    Wiederholung innerhalb 12 Mon.

    Kürzung des Regelbedarfs für 2 Monate

    • Zweite Pflichtverletzung im Jahreszeitraum
    • Maßnahmenabbruch ohne Grund
    • Wiederholte Nicht-Erreichbarkeit
    • Kumulierbar mit Stufe 1
    Stufe 3
    Existenzminimum

    Schwerwiegende Verletzung

    Kürzung bis auf Existenzminimum für bis zu 3 Monate

    • Zumutbare Arbeit wiederholt abgelehnt
    • Dritte Pflichtverletzung im Jahreszeitraum
    • Vorsätzliche Falschangaben
    • Härteklausel prüfen!
    🚨
    Achtung: Neues Prüfintervall ab Juli 2026 Das Jobcenter prüft Mitwirkungspflichten nun monatlich statt quartalsweise. Ein einziger fehlender Bewerbungsnachweis kann damit bereits im darauffolgenden Monat zu einer Stufe-1-Sanktion führen — ohne vorherige Verwarnung, wenn bereits eine Abmahnung in den letzten 12 Monaten vorliegt.

    Ausnahmen und Härteklauseln

    Das neue Gesetz enthält explizite Schutzregelungen, die Sanktionen verhindern oder begrenzen. Diese Härteklauseln sind nicht automatisch aktiv — sie müssen aktiv und rechtzeitig beantragt werden.

    • Kindererziehung: Alleinerziehende mit Kindern unter 3 Jahren sind von Stufe-2- und Stufe-3-Sanktionen ausgenommen
    • Pflegesituationen: Wer nachweislich einen Angehörigen pflegt, kann den Kooperationsplan zeitweise aussetzen
    • Gesundheitliche Einschränkungen: Ärztliche Atteste schützen vor Sanktionen bei krankheitsbedingter Nicht-Mitwirkung
    • Schwangerschaft: Generelle Sanktionsfreiheit im Mutterschutzzeitraum
    • Schulausbildung/Studium: Personen in anerkannten Ausbildungen können Mitwirkungspflichten reduziert erfüllen
    • Unverschuldete Schlechterstellung: Nachweisbare externe Hinderungsgründe (z. B. Jobcenter-Termin ohne ausreichend Vorlauf) können Sanktionen ausschließen

    AVGS als Kooperationsnachweis — das ändert sich ab Juli 2026

    Hier liegt die größte Neuerung für alle, die einen AVGS-Gutschein nutzen oder nutzen möchten: Ab Juli 2026 ist die aktive Teilnahme an AVGS-Maßnahmen explizit als Kooperationsnachweis anerkannt. Das heißt: Wer ein AVGS-Coaching besucht, erfüllt damit gleichzeitig seine Mitwirkungspflicht aus dem Kooperationsplan — sofern die Maßnahme im Plan eingetragen ist.

    Warum AVGS-Coaching vor Stufe-1-Sanktionen schützt

    Ein laufendes, dokumentiertes AVGS-Coaching schützt auf drei Ebenen:

    1. Nachweis aktiver Kooperation: Jede besuchte Coaching-Einheit wird vom Anbieter protokolliert und kann dem Jobcenter vorgelegt werden
    2. Erfüllung der Maßnahmenteilnahmepflicht: Die Teilnahme gilt als „aktive Eingliederungsmaßnahme“ im Sinne des neuen § 31a SGB II
    3. Dokumentation von Bewerbungsaktivitäten: Seriöse AVGS-Coaching-Anbieter helfen beim Aufbau eines lückenlosen Bewerbungslogbuchs — das schützt auch bei Prüfungen
    💡
    Praxis-Tipp: AVGS im Kooperationsplan verankern Bitte dein Jobcenter ausdrücklich, das AVGS-Coaching als Pflichtmaßnahme in deinen Kooperationsplan einzutragen. Damit wird die Teilnahme zur erfüllten Mitwirkungspflicht — und schützt dich automatisch vor Stufe-1-Sanktionen für die Dauer der Maßnahme.

    AVGS stärkt die Verhandlungsposition gegenüber dem Jobcenter

    Wer mit einem aktiven AVGS-Nachweis zum Prüfungstermin erscheint, signalisiert: Ich tue aktiv etwas für meine Eingliederung. Das hat in der Praxis einen erheblichen Einfluss auf das Ermessen des zuständigen Fallmanagers — auch bei anderen Sanktionsrisiken. Jobcenter-Mitarbeitende sind angewiesen, bei nachgewiesener Eigeninitiative Sanktionen mit besonderer Sorgfalt zu prüfen.

    Bessere Vermittlungschancen = schneller raus aus dem Bezug

    Langfristig ist das Wichtigste: Ein hochwertiges AVGS-Coaching verbessert deine tatsächlichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt erheblich. Je kürzer der Leistungsbezug, desto geringer das Sanktionsrisiko — denn das größte Risiko entsteht durch langjährigen Verbleib im System, der zu wiederholten Prüfzyklen führt.

    Jetzt AVGS-Gutschein beantragen und Coaching starten

    Über unseren Partner plangenial.de findest du AZAV-zertifizierte AVGS-Coaching-Anbieter, die deinen Kooperationsplan von Anfang an professionell mitgestalten — inklusive lückenloser Dokumentation für das Jobcenter.

    Kostenlos informieren →

    Die Übergangsphase Juli–Dezember 2026

    Die Reform tritt zwar zum 1. Juli 2026 in Kraft, aber nicht alle Regelungen greifen sofort für alle Betroffenen. Die Übergangsphase bis Ende 2026 bietet ein wichtiges Zeitfenster zur Vorbereitung.

    Jul

    1. Juli 2026 — Inkrafttreten

    Neue Sanktionsregeln gelten für alle ab diesem Datum neu beantragten Leistungen. Laufende Bescheide bleiben zunächst bestehen. Erste Kooperationspläne nach neuem Recht werden ausgestellt.

    Aug

    August–September 2026 — Umstellungsphase

    Jobcenter laden bestehende Leistungsbeziehende zu Umstellungsgesprächen ein. Wer bereits einen AVGS nutzt oder beantragt, wird bevorzugt behandelt — als Nachweis aktiver Mitwirkungsbereitschaft.

    Okt

    Oktober 2026 — Vollständige Umstellung

    Bis Oktober sollen alle bestehenden Fälle auf die neuen Kooperationspläne umgestellt sein. Wer bis dahin noch keine aktive Maßnahme nachweisen kann, riskiert bereits im November die erste Sanktionsprüfung.

    Jan

    1. Januar 2027 — Kein Bestandsschutz mehr

    Ab dem 1. Januar 2027 gelten die neuen Sanktionsregeln ausnahmslos für alle Leistungsbeziehenden. Alte Vereinbarungen verlieren endgültig ihre Schutzwirkung.

    Sozialverbände-Kritik: Was VdK und Paritätischer sagen

    Die Reform ist politisch umstritten. Wichtige Sozialverbände haben klare Kritik geäußert, die für Betroffene relevant ist — auch wenn sie die Rechtslage nicht ändert.

    VdK Deutschland

    Der Sozialverband VdK kritisiert, dass die neuen Sanktionsstufen strukturelle Benachteiligungen nicht ausreichend berücksichtigen. Wer durch Behinderung, chronische Erkrankung oder diskriminierende Einstellungspraktiken keine Arbeit findet, werde doppelt bestraft. VdK hat angekündigt, Musterverfahren gegen Stufe-3-Sanktionen einzuleiten.

    Paritätischer Gesamtverband

    Der Paritätische hält die Abschaffung des Vertrauenszeitraums für verfassungsrechtlich bedenklich. In einem Gutachten vom März 2026 wird argumentiert, dass das Bundesverfassungsgericht in früheren Urteilen (insbesondere dem Hartz-IV-Urteil 2019) Sanktionen unter das Existenzminimum für unvereinbar mit Art. 1 GG erklärt hat — was bei Stufe-3-Anwendungen wieder relevant werden könnte.

    Was das für Betroffene bedeutet

    Gerichtliche Verfahren können Jahre dauern. Bis zu einer möglichen Korrektur durch das BVerfG gilt die neue Regelung. Wer Sanktionen anfechten möchte, sollte sofort Widerspruch einlegen und rechtliche Beratung (z. B. beim VdK oder bei einer Sozialberatung) suchen. Ein aktives AVGS-Coaching kann dabei helfen, Sanktionen von vornherein zu vermeiden.

    5 Handlungsempfehlungen ab sofort

    1. Kooperationsplan aktiv mitgestalten: Nimm deinen nächsten Jobcenter-Termin zum Anlass, den neuen Plan gemeinsam zu erarbeiten. Bitte ausdrücklich um Aufnahme einer AVGS-Maßnahme als Pflichtbestandteil.
    2. Bewerbungslogbuch anlegen: Starte noch heute mit einem einfachen Bewerbungslogbuch (Excel oder Notizbuch) — mit Datum, Unternehmen, Stelle, Reaktion. Das schützt dich bei jeder Prüfung.
    3. AVGS jetzt beantragen: Die Beantragung dauert oft nur ein Gespräch. Wer den Gutschein in der Hand hat, kann sofort eine Maßnahme starten und damit die Übergangsphase konstruktiv nutzen.
    4. Härteklausel prüfen lassen: Falls besondere Lebensumstände vorliegen (Pflege, Gesundheit, Kinderbetreuung), lass rechtlich prüfen, ob eine Härteklausel greift. Das kann Sanktionen von vornherein ausschließen.
    5. Erreichbarkeit dokumentieren: Speichere alle Jobcenter-Anrufe, SMS und E-Mails. Falls die Erreichbarkeit einmal nicht gegeben war, solltest du die Gründe belegen können.

    Häufige Fragen zur neuen Grundsicherung

    Gilt die neue Sanktionsregelung auch, wenn ich erst seit einem Monat Leistungen beziehe?

    Ja — das ist die wesentlichste Änderung gegenüber dem bisherigen Bürgergeld-Modell. Der frühere Vertrauenszeitraum von sechs Monaten entfällt ersatzlos. Wer ab dem 1. Juli 2026 neu Leistungen beantragt, schließt direkt beim ersten Gespräch einen verbindlichen Kooperationsplan ab. Eine Verletzung dieses Plans kann bereits im zweiten Monat zur Stufe-1-Sanktion führen.

    Wie genau schützt ein AVGS-Coaching vor Sanktionen?

    Ein AVGS-Coaching schützt auf mehreren Wegen: Erstens kann die Maßnahme als Pflichtaktivität im Kooperationsplan eingetragen werden — ihre Erfüllung gilt dann als Nachweis aktiver Mitwirkung. Zweitens erstellt der Coaching-Anbieter Teilnahmenachweise, die du dem Jobcenter vorlegen kannst. Drittens unterstützen gute Anbieter beim Bewerbungslogbuch, was die zweite Hauptprüfungsgrundlage absichert.

    Was passiert, wenn ich mit einer Sanktionsentscheidung nicht einverstanden bin?

    Du hast das Recht, innerhalb von einem Monat nach Bekanntgabe des Sanktionsbescheids schriftlich Widerspruch einzulegen. Der Widerspruch hat keine aufschiebende Wirkung — das heißt, die Kürzung wird trotzdem durchgeführt, bis über den Widerspruch entschieden ist. Im Widerspruch solltest du alle Belege für deine Mitwirkungsaktivitäten einreichen. Bei Bedarf helfen Sozialberatungsstellen oder der VdK kostenlos weiter.

    Mein aktueller Kooperationsplan läuft noch bis Dezember 2026. Ändert sich trotzdem etwas für mich?

    Bestehende Pläne behalten ihre Gültigkeit bis 31. Dezember 2026. Ab Januar 2027 werden sie automatisch durch neue Pläne nach dem reformierten Recht ersetzt. Du wirst vorher vom Jobcenter zu einem Umstellungsgespräch eingeladen — nutze diesen Termin, um aktiv eine AVGS-Maßnahme als Bestandteil des neuen Plans zu verankern.

    Kann eine Stufe-3-Sanktion wirklich dazu führen, dass ich unter das Existenzminimum rutsche?

    Das ist rechtlich umstritten. Der Gesetzgeber hat die Stufe-3-Sanktion bewusst an das Existenzminimum geknüpft, ohne dieses unterschreiten zu wollen. In der Praxis bedeutet „bis auf Existenzminimum“ eine Kürzung auf den Betrag, der für Unterkunft und grundlegende Ernährungssicherung als notwendig angesehen wird — Regelbedarfserhöhungen und Zusatzleistungen entfallen komplett. Der Paritätische hält dies für verfassungsrechtlich problematisch und hat Musterverfahren angekündigt. Für Betroffene gilt: Fristen im Blick behalten (Widerspruch ist in der Regel binnen eines Monats möglich) und frühzeitig rechtliche Beratung suchen (VdK, SoVD, Anwalt).

    Fazit: Vorbereitung ist der beste Schutz

    Die neue Grundsicherung ab Juli 2026 ist eine echte Zäsur. Der Vertrauenszeitraum fällt weg, die Sanktionen greifen schneller und tiefer als je zuvor, und das monatliche Prüfungsintervall lässt wenig Spielraum für Fehler. Gleichzeitig bietet die Reform Betroffenen klare Instrumente zur Absicherung — allen voran die explizite Anerkennung von AVGS-Maßnahmen als Kooperationsnachweis.

    Wer jetzt handelt — einen AVGS-Gutschein beantragt, ein Bewerbungslogbuch anlegt und seinen Kooperationsplan aktiv mitgestaltet — schützt sich nicht nur vor Sanktionen, sondern verbessert auch nachhaltig seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die Zeit bis Juli 2026 ist noch vorhanden. Nutze sie.

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    Dein nächster Schritt Informiere dich jetzt über AVGS-Gutscheine und finde einen zertifizierten Coaching-Anbieter in deiner Nähe. Unser kostenloser Leitfaden erklärt Schritt für Schritt, wie du den Gutschein beantragst und sofort nutzen kannst.

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  • AVGS abgelehnt: So legst du erfolgreich Widerspruch ein — inkl. Vorlage 2026 | by Maik Marx

    Rechtsdokumente und Widerspruchsschreiben — AVGS abgelehnt
    Ratgeber & Recht

    AVGS abgelehnt: So legst du erfolgreich Widerspruch ein — inkl. Vorlage 2026

    04. 24. Januar 2026 ca. 8 Min. Lesezeit by Maik Marx
    Dein AVGS-Antrag wurde abgelehnt? Das ist ärgerlich — aber längst nicht das Ende. Viele Anträge werden zunächst zurückgewiesen, nur um dann nach einem Widerspruch doch genehmigt zu werden. Dieser Ratgeber zeigt dir, wie du vorgehst, was du beachten musst und gibt dir eine fertige Vorlage an die Hand.

    Du bist nicht allein

    Eine Ablehnung des AVGS fühlt sich zunächst wie eine endgültige Entscheidung an — ist sie aber nicht. Statistisch gesehen wird eine erhebliche Zahl von Widersprüchen zugunsten der Antragstellenden entschieden:

    • Widerspruchsquote bei AVGS-Ablehnungen: 20–40 % aller Bescheide werden angefochten
    • Ein großer Teil der Widersprüche geht zugunsten der Betroffenen aus
    • Das Verfahren ist kostenlos und ohne Anwalt möglich
    • Auch ein erneuter Antrag ist parallel zum Widerspruch möglich
    Gut zu wissen

    Das Widerspruchsrecht ist in § 83 SGG und § 78 SGG verankert. Es ist ein Grundrecht im Sozialrecht — niemand kann dir verwehren, Widerspruch einzulegen.

    Die 5 häufigsten Ablehnungsgründe

    Verstehe zuerst, warum dein Antrag abgelehnt wurde — das ist die Basis für deinen Widerspruch. Die Gründe lauten häufig:

    1
    „Keine ausreichende Eigenbemühung“
    Lösung: Bewerbungsbelege, Absagen und Nachweise über Bewerbungsaktivitäten dem Widerspruch beifügen.
    2
    „Kein Anspruch bei aktueller Leistungsart“
    Lösung: § 45 SGB III prüfen — oft besteht dennoch ein Rechtsanspruch. Beratungsstellen können helfen.
    3
    „Maßnahme entspricht nicht dem Förderziel“
    Lösung: Den konkreten Zusammenhang zwischen Maßnahme und Eingliederungsziel schriftlich darlegen.
    4
    „Fehlende Unterlagen“
    Lösung: Alle fehlenden Unterlagen schnellstmöglich nachreichen — idealerweise gleich mit dem Widerspruch.
    5
    „Ermessensentscheidung gegen Förderung“
    Lösung: Ermessensfehler aufzeigen — das Jobcenter muss alle relevanten Umstände berücksichtigt haben.

    Deine Rechte & die Frist — 1 Monat!

    Der Widerspruch ist kostenlos und gebührenfrei — kein Rechtsanwalt erforderlich, keine Gerichtskosten. Die gesetzliche Grundlage: § 83 SGG und § 78 SGG.

    Achtung: Monatsfrist beachten!

    Du hast 1 Monat ab Zugang des Bescheids Zeit, Widerspruch einzulegen. Dabei gilt die Drei-Tages-Fiktion: Als Zugang gilt das auf dem Brief aufgedruckte Datum plus 3 Tage. Fristbeginn = Bescheiddatum + 3 Tage, Fristende = + 1 Monat.

    Schritt-für-Schritt zum Widerspruch

    Diese fünf Schritte führen dich sicher durch das Widerspruchsverfahren:

    1
    Bescheid genau lesen
    Lies den Ablehnungsbescheid sorgfältig durch. Markiere den genauen Ablehnungsgrund und das angegebene Bescheiddatum.
    2
    Frist berechnen und eintragen
    Bescheiddatum + 3 Tage = Zugang. Ab da läuft die Monatsfrist. Trag dir das Datum sofort in den Kalender ein!
    3
    Widerspruch formulieren
    Nutze die Vorlage weiter unten. Du kannst zunächst nur Widerspruch einlegen und die Begründung später nachreichen.
    4
    Einreichen — und Nachweis sichern
    Per Einschreiben, persönlich (Stempel lassen!), Fax mit Sendebericht, oder per E-Mail mit Empfangsbestätigung. Kopie für dich aufbewahren!
    5
    Rückmeldung abwarten (max. 3 Monate)
    Das Jobcenter hat 3 Monate Zeit. Danach kannst du eine Untätigkeitsklage einreichen. In der Regel kommt aber eine Rückmeldung früher.

    Muster-Widerspruchsschreiben 2026 — Fertige Vorlage

    Fülle einfach die gelb markierten Felder mit deinen Daten aus. Die Begründung kannst du bei Bedarf anpassen oder zunächst nur ankündigen und nachreichen. Wichtig: Das Muster ist eine allgemeine Orientierungshilfe und keine Rechtsberatung — passe es an deinen Einzelfall an und lass dich bei Unsicherheit beraten (VdK, SoVD oder Anwalt; Beratungshilfe ist möglich).

    Muster-Widerspruchsschreiben zur Orientierung
    Gültig für AVGS-Ablehnungen durch Jobcenter und Arbeitsagenturen | Stand 2026

    [Dein Vorname Nachname]

    [Deine Straße und Hausnummer]

    [PLZ Ort]

    [Telefonnummer]

    [E-Mail-Adresse]


    An:

    [Jobcenter / Agentur für Arbeit]
    [Straße und Hausnummer]
    [PLZ Ort]

    [Ort], den [Datum]
    Widerspruch gegen den Ablehnungsbescheid vom [Datum des Bescheids]
    Kundennummer / Aktenzeichen: [Deine Kundennummer]

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    hiermit lege ich fristgerecht Widerspruch gegen Ihren Bescheid vom [Datum des Bescheids], zugegangen am [Datum des Zugangs, = Bescheiddatum + 3 Tage], ein.

    Begründung:

    Der von Ihnen genannte Ablehnungsgrund „[genauen Ablehnungsgrund aus dem Bescheid einfügen]„ ist aus meiner Sicht nicht zutreffend.

    Ich weise darauf hin, dass ich [Beschreibung deiner persönlichen Situation, Bemühungen, Qualifikationen].

    Nach § 45 SGB III liegen die Voraussetzungen für die Ausstellung eines Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheins (AVGS) in meinem Fall vor, da [konkreter Grund, z. B. „ich seit X Monaten arbeitslos gemeldet bin und mich intensiv beworben habe“].

    Ich bitte Sie daher, den Bescheid zu überprüfen und mir den AVGS auszustellen.

    Sollten Sie weitere Unterlagen benötigen, stehe ich gerne zur Verfügung.

    [Deine handschriftliche Unterschrift]

    [Dein Vorname Nachname]

    Anlagen:
    • Kopie des Ablehnungsbescheids
    • Bewerbungsübersicht / Eigenbemühungsnachweise
    • Kopien von Absagen (sofern vorhanden)
    • Beratungsnachweis vom Anbieter (sofern vorhanden)
    • [Weitere relevante Unterlagen]

    Was passiert nach dem Widerspruch?

    Drei mögliche Ergebnisse nach deinem Widerspruch:

    ✅
    Abhilfe
    Das Jobcenter gibt dir recht — der AVGS wird ausgestellt. Das häufigste Ergebnis!
    📋
    Widerspruchsbescheid
    Ablehnung bleibt bestehen. Du hast dann 1 Monat Zeit für eine Klage beim Sozialgericht.
    ⏱️
    Keine Antwort
    Nach 3 Monaten ohne Reaktion kannst du eine Untätigkeitsklage einreichen.

    Sozialgericht als letzter Ausweg

    Falls der Widerspruchsbescheid negativ ausfällt, hast du das Recht auf eine Klage vor dem Sozialgericht — und das lohnt sich oft:

    • Für Privatpersonen komplett kostenlos (keine Gerichtsgebühren)
    • Kein Anwalt erforderlich, aber empfehlenswert bei komplexen Fällen
    • Bei Gewinn: Das Jobcenter zahlt deine Anwaltskosten
    • Kostenlose Beratung durch VdK, SoVD, Caritas oder Verbraucherzentrale möglich

    Neue Grundsicherung ab Juli 2026

    Ab Juli 2026 tritt eine Reform der Grundsicherung in Kraft — jedoch bleibt dein Widerspruchsrecht vollständig erhalten. Die Verfahrensregeln nach SGG und dem Verwaltungsverfahrensgesetz bleiben unverändert. Lediglich einzelne Leistungshöhen und Zugangsvoraussetzungen können sich ändern. Der AVGS selbst bleibt ein wesentliches Förderinstrument.

    Praxis-Tipp für 2026

    Falls dein Antrag nach dem 1. Juli 2026 beschieden wird, prüfe im Ablehnungsbescheid, ob neue Regelungen als Begründung genannt werden. Bei Unklarheiten sofort eine Beratungsstelle aufsuchen.

    Häufige Fragen zum AVGS-Widerspruch

    Muss ich den Widerspruch sofort begründen?
    Nein! Du kannst zunächst nur Widerspruch einlegen, um die Frist zu wahren, und die Begründung schriftlich ankündigen. Schreibe dann: „Die Begründung reiche ich nach.“ Du hast dann üblicherweise noch einige Wochen Zeit, deine Argumente auszuführen.
    Kostet der Widerspruch etwas?
    Nein, der Widerspruch ist vollständig kostenlos und gebührenfrei. Du brauchst keinen Anwalt und es entstehen keine Verwaltungsgebühren. Nur wenn du einen Rechtsanwalt mandatierst, fallen dessen Honorare an — diese werden aber im Erfolgsfall vom Jobcenter erstattet.
    Darf ich mir Hilfe beim Widerspruch holen?
    Ja, unbedingt! Der VdK (Sozialverband), SoVD (Sozialverband Deutschland), die Caritas, das Diakonische Werk und viele Beratungsstellen helfen kostenlos oder gegen einen kleinen Beitrag. Auch Verbraucherzentralen können bei der Formulierung unterstützen.
    Das Jobcenter antwortet nicht — was tun?
    Wenn nach 3 Monaten keine Reaktion kommt, kannst du eine Untätigkeitsklage beim zuständigen Sozialgericht einreichen. Diese zwingt das Jobcenter, den Widerspruch zu bearbeiten. Die Untätigkeitsklage ist ebenfalls kostenlos für Privatpersonen.
    Kann ich gleichzeitig Widerspruch einlegen und einen neuen Antrag stellen?
    Ja! Beide Wege schließen sich nicht aus. Ein neuer Antrag kann sinnvoll sein, wenn sich deine Situation geändert hat oder neue Unterlagen vorliegen. Der laufende Widerspruch beeinflusst den neuen Antrag nicht negativ.
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  • AVGS MAT, MPAV oder MAG? Die 3 Gutschein-Arten einfach erklärt | by Maik Marx

    AVGS erklärt 4. 17. Januar 2026 7 Min. Lesezeit

    AVGS MAT, MPAV oder MAG?
    Die 3 Gutschein-Arten einfach erklärt

    AVGS ist nicht gleich AVGS: MAT, MPAV und MAG sind drei verschiedene Gutschein-Arten. Erfahre die Unterschiede — und welcher für deine Situation der richtige ist.

    Du hast von deiner Arbeitsvermittlerin gehört, dass du einen AVGS beantragen kannst — und jetzt bist du verwirrt? Hinter dem Kürzel Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein verstecken sich gleich drei verschiedene Gutschein-Varianten, die jeweils für unterschiedliche Situationen gedacht sind. Dieser Artikel erklärt, was MAT, MPAV und MAG bedeuten und wann du welchen Gutschein einsetzen solltest.

    Was ist der AVGS — und warum gibt es drei Varianten?

    Der AVGS ist ein kostenloser Gutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters. Er gibt dir die Möglichkeit, externe Unterstützung bei der Jobsuche in Anspruch zu nehmen — ohne selbst einen Cent zu zahlen. Die drei Varianten decken unterschiedliche Stufen der Unterstützung ab:

    • MAT — Maßnahme beim Träger: Coaching, Bewerbungstraining und Qualifizierung
    • MPAV — Maßnahme beim privaten Arbeitsvermittler: Aktive Stellenvermittlung auf Erfolgsbasis
    • MAG — Maßnahme beim Arbeitgeber: Bezahltes Praktikum direkt im Unternehmen

    Die 3 Gutschein-Arten auf einen Blick

    MAT

    Coaching beim Träger

    Maßnahme beim Träger

    • Bis zu 8 Wochen, Teil- oder Vollzeit
    • Bewerbungstraining & Orientierung
    • Eignungstests & EDV-Grundlagen
    • Persönliche Stabilisierung
    • Träger muss AZAV-zertifiziert sein
    • Freie Anbieterwahl für dich
    MPAV

    Privater Vermittler

    Maßnahme beim priv. Arbeitsvermittler

    • Bis zu 2.000 € Prämie (erfolgsbasiert)
    • 1.000 € bei Stellenantritt
    • 1.000 € nach 6 Monaten im Job
    • Vermittler kontaktiert Arbeitgeber aktiv
    • Keine Kosten bei keiner Vermittlung
    • Gültig 6 Wochen, verlängerbar
    MAG

    Praktikum beim AG

    Maßnahme beim Arbeitgeber

    • 4–6 Wochen direkt im Unternehmen
    • Arbeitgeber erhält bis zu 500 €/Monat
    • Fahrkostenpauschale bis 60 €/Woche
    • Kein Arbeitsverhältnis, kein Lohn
    • Kann in Einstellung münden
    • Arbeitgeber beantragt Zuschuss

    AVGS MAT: Coaching beim Träger im Detail

    Der MAT-Gutschein ist der Einstieg. Du bekommst professionelle Unterstützung von einem zertifizierten Träger — das kann eine Weiterbildungseinrichtung, ein Berufsberatungszentrum oder ein Coaching-Anbieter sein. Entscheidend: Der Anbieter muss AZAV-zertifiziert sein, damit er den Gutschein einlösen darf.

    • Maximale Laufzeit: 8 Wochen (Teil- oder Vollzeit möglich)
    • Bewerbungstraining: Anschreiben, Lebenslauf, Vorstellungsgespräch
    • Berufliche Orientierung und Eignungsanalyse
    • EDV-Grundlagen und digitale Kompetenzen
    • Persönliche Stabilisierung bei komplexeren Situationen

    AVGS MPAV: Privater Arbeitsvermittler im Detail

    Beim MPAV-Gutschein engagierst du einen privaten Arbeitsvermittler, der aktiv für dich nach Stellen sucht. Der große Vorteil: Das Modell funktioniert komplett auf Erfolgsbasis — der Vermittler erhält nur dann Geld, wenn er dich tatsächlich in einen sozialversicherungspflichtigen Job vermittelt.

    • 1.000 € Prämie bei Aufnahme des Beschäftigungsverhältnisses
    • Weitere 1.000 € nach sechs Monaten im Job
    • Vermittler übernimmt die aktive Suche und den Erstkontakt
    • Gut geeignet, wenn du ein klares Berufsziel, aber wenig Netzwerk hast
    • Findet der Vermittler nichts: kein Honorar, keine Kosten für dich

    AVGS MAG: Praktikum beim Arbeitgeber im Detail

    Das MAG ist das konkreteste der drei Instrumente: Du absolvierst ein bezahltes Praktikum direkt bei einem Unternehmen, das dich im besten Fall anschließend einstellt. Der Arbeitgeber erhält einen Zuschuss als Anreiz, du bekommst eine Fahrkostenpauschale.

    • Dauer: 4 bis 6 Wochen im Betrieb
    • Arbeitgeber erhält bis zu 500 € pro Monat als Eingliederungszuschuss
    • Du erhältst eine Fahrkostenpauschale von bis zu 60 € pro Woche
    • Es entsteht kein reguläres Arbeitsverhältnis — kein Lohn vom Arbeitgeber
    • Ziel: gegenseitiges Kennenlernen — und im besten Fall die direkte Einstellung

    Entscheidungshilfe: Welcher Gutschein passt zu dir?

    Finde deinen Gutschein in 30 Sekunden

    Du bist noch unsicher, welcher Job passt

    → MAT — Orientierung & Coaching

    Du weißt was du willst, brauchst aber Türöffner

    → MPAV — Privater Vermittler

    Du hast ein konkretes Unternehmen im Blick

    → MAG — Praktikum direkt dort

    Du bist schon länger arbeitslos

    → MAT → dann MPAV oder MAG

    Können MAT, MPAV und MAG kombiniert werden?

    Ja! In der Praxis folgen viele Bewerberinnen einem kombinierten Ablauf. Besonders bewährt hat sich diese Reihenfolge:

    1

    MAT — Coaching & Vorbereitung (4–6 Wochen)

    Bewerbungsunterlagen professionalisieren, Stärken analysieren, Bewerbungsgespräche üben.

    2

    MPAV — Aktive Vermittlung

    Privater Vermittler nutzt sein Netzwerk und bringt dich mit passenden Arbeitgebern zusammen.

    3

    MAG — Praktikum & Einstellung

    Vier bis sechs Wochen im Unternehmen schnuppern — und in vielen Fällen direkt übernommen werden.

    Was ändert sich mit der Grundsicherung ab Juli 2026?

    Mit der geplanten Reform der Grundsicherung zum Juli 2026 können sich Details zu Anspruchsvoraussetzungen und Förderhöhen ändern. Der AVGS als Instrument bleibt jedoch bestehen — er ist ein Kernbaustein der aktiven Arbeitsvermittlung und soll nach aktuellem Stand ausgebaut, nicht abgeschafft werden.

    Wichtiger Hinweis

    Alle Angaben basieren auf dem Stand April 2026. Prüfe die aktuellen Konditionen mit deiner Arbeitsvermittlerin — insbesondere, wenn du nach August 2026 einen Antrag stellst.

    Häufige Fragen zu MAT, MPAV und MAG

    Muss ich den AVGS selbst beantragen?

    Ja. Die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter stellt den AVGS nicht automatisch aus — du musst ihn aktiv einfordern. Viele Bewerberinnen wissen gar nicht, dass ihnen dieser Gutschein zusteht. Frage gezielt: „Habe ich Anspruch auf einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein?“ Wenn du die Voraussetzungen erfüllst (mindestens 6 Wochen arbeitslos gemeldet), muss er dir ausgestellt werden.

    Habe ich freie Anbieterwahl?

    Ja! Du kannst dir deinen Träger (bei MAT) und deinen privaten Vermittler (bei MPAV) frei aussuchen — solange der Anbieter AZAV-zertifiziert ist. Du bist nicht an Vorschläge deiner Arbeitsvermittlerin gebunden. Beim MAG wählst du das Unternehmen, das dich aufnimmt, ebenfalls selbst aus.

    Verliere ich mein ALG I oder ALG II, wenn ich einen AVGS nutze?

    Nein. Die Nutzung des AVGS hat keinen negativen Einfluss auf deine Leistungen. Das Arbeitslosengeld I oder die Grundsicherung läuft während einer MAT-Maßnahme oder eines MAG-Praktikums weiter. Nur wenn du tatsächlich einen Job aufnimmst, endet der Bezug — aber dann brauchst du ihn auch nicht mehr.

    Was passiert, wenn ein MPAV-Vermittler mich nicht vermittelt?

    Gar nichts — für dich. Das MPAV-Modell funktioniert rein auf Erfolgsbasis. Wenn der Vermittler dich nicht in eine Stelle bringt, erhält er kein Honorar. Du hast keine Kosten, keine Verpflichtungen und keine Nachteile. Du kannst danach einfach einen anderen Gutschein beantragen oder den MPAV-Gutschein bei einem anderen Vermittler einlösen.

    Gilt der AVGS auch für Minijobs oder geringfügige Beschäftigung?

    Nein. Der AVGS — insbesondere der MPAV — gilt nur für sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse. Minijobs und 450-Euro-Jobs erfüllen diese Voraussetzung in der Regel nicht. Das MAG-Praktikum zielt ebenfalls auf eine spätere sozialversicherungspflichtige Einstellung ab.

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  • AVGS beantragen 2026: Die vollständige Schritt-für-Schritt-Anleitung | by Maik Marx

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    AVGS Beantragen 04. 10. Januar 2026

    AVGS beantragen 2026: Die vollständige Schritt-für-Schritt-Anleitung

    AVGS beantragen leicht gemacht: Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Musterantrag, konkreten Formulierungen für den Sachbearbeiter und Tipps für 2026.

    AVGS beantragen – Dokumente und Antrag auf Schreibtisch

    Du möchtest einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein beantragen, weißt aber nicht genau, wie das funktioniert? Diese Anleitung führt dich durch jeden Schritt — von der Voraussetzungsprüfung bis zum ausgefüllten Musterantrag, den du direkt mitnehmst.

    Was ist ein AVGS — und warum lohnt er sich?

    Der AVGS ist ein offizielles Förderinstrument der Bundesagentur für Arbeit. Mit ihm kannst du dir eine private Arbeitsvermittlung, ein Coaching oder eine berufliche Qualifizierungsmaßnahme bezahlen lassen — ohne selbst einen Cent auszugeben.

    Mögliche Maßnahmen, die der Gutschein abdeckt:

    • Vermittlung in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung durch private Agenturen
    • Bewerbungscoaching und professionelle Karriereberatung
    • Eignungsanalysen und Potenzialchecks
    • Berufliche Weiterqualifizierung und Umschulungen
    • Unterstützung bei der Existenzgründung (Gründungsberatung)

    Das Beste daran: Für dich als Leistungsempfänger entstehen keine Kosten. Die Abrechnung läuft direkt zwischen dem zertifizierten Anbieter und der Behörde. Auch wenn der Anbieter dich am Ende nicht vermittelt — du zahlst nichts.

    Wer hat 2026 Anspruch auf einen AVGS?

    Der Kreis der Anspruchsberechtigten ist 2026 weiterhin breit aufgestellt:

    • ALG-I-Empfänger — nach 6 Wochen Arbeitslosigkeit besteht ein gesetzlicher Rechtsanspruch
    • Bürgergeld-Empfänger — Ermessensleistung (Jobcenter entscheidet, kann aber nicht willkürlich ablehnen)
    • Neue Grundsicherung ab Juli 2026 — der AVGS bleibt zentrales Förderinstrument, stärker an Kooperationspläne geknüpft
    • Von Arbeitslosigkeit bedrohte Arbeitnehmer — auch bei drohender Kündigung möglich
    • Rehabilitanden und Menschen mit Behinderung — besondere Förderungsmöglichkeiten
    • Selbstständige nach Aufgabe der Tätigkeit — wenn ALG-I-Anspruch entstanden ist

    Rechtsanspruch vs. Ermessensleistung — der wichtigste Unterschied

    Dieser Unterschied entscheidet darüber, wie du deinen Antrag formulieren musst:

    Rechtsanspruch (§ 45 Abs. 7 SGB III): Du beziehst ALG I und bist seit 6 Wochen arbeitslos — dann MUSS die Agentur für Arbeit dir den AVGS ausstellen. Die Behörde hat keinen Ermessensspielraum.

    Ermessensleistung (Bürgergeld etc.): Das Jobcenter KANN den AVGS ausstellen — muss aber nicht. Hier brauchst du starke Argumente, einen konkreten Anbieter und eine klare Begründung, warum der AVGS in deinem Fall sinnvoll ist.

    Schritt-für-Schritt-Anleitung: So beantragst du den AVGS

    Folge diesen 7 Schritten für einen reibungslosen Antragsprozess:

    1

    Grundlage klären

    Seit wann bist du arbeitslos gemeldet? Welche Behörde ist zuständig (Agentur oder Jobcenter)? Welche Maßnahme möchtest du nutzen?

    2

    Anbieter recherchieren

    Suche einen AZAV-zertifizierten Anbieter über die KURSNET-Datenbank der BA. Die AZAV-Zulassung ist Pflicht — ohne sie kein AVGS.

    3

    Termin buchen

    Beantrage einen Beratungstermin. Erwähne bereits bei der Terminvereinbarung § 45 SGB III — das signalisiert, dass du vorbereitet bist.

    4

    Unterlagen mitbringen

    Personalausweis, Leistungsbescheid, Lebenslauf, Bewerbungsnachweise und die Informationsmappe des gewünschten Anbieters.

    5

    Das Gespräch führen

    Nutze die konkreten Formulierungen weiter unten in diesem Artikel. Bleibe sachlich, bestimmt und freundlich.

    6

    Gutschein einlösen

    Achte auf die Gültigkeitsdauer (meist 3 Monate). Reiche den Gutschein sofort beim Anbieter ein und starte die Maßnahme.

    7

    Maßnahme aktiv nutzen

    Sei zuverlässig, absolviere alle vereinbarten Termine und nutze das Coaching intensiv — nur dann zahlt es sich wirklich aus.

    Formulierungen, die beim Sachbearbeiter funktionieren

    Die richtigen Worte können den Unterschied zwischen Zusage und Ablehnung machen. Hier sind drei bewährte Formulierungen:

    Bei Rechtsanspruch (ALG I + 6 Wochen)

    Wortlaut für den Termin

    „Ich bin seit [Datum] arbeitslos gemeldet und beziehe ALG I. Damit erfülle ich nach § 45 Abs. 7 SGB III die Voraussetzungen für einen Rechtsanspruch auf den AVGS. Ich beantrage diesen heute formell.“

    Bei Ermessensleistung (Bürgergeld)

    Wortlaut für den Termin

    „Mein bisheriges Jobcenter-Coaching hat nicht zu einer Vermittlung geführt. Ich habe einen konkreten AZAV-zertifizierten Anbieter recherchiert, der auf meine Situation spezialisiert ist. Ich bitte um einen AVGS nach § 45 SGB III.“

    Wenn der Sachbearbeiter zögert

    Wortlaut wenn Ablehnung droht

    „Können Sie mir schriftlich erläutern, aus welchen konkreten Gründen ein AVGS in meinem Fall nicht geeignet wäre? Ich benötige das für meine Unterlagen und um eventuelle Rechtsmittel prüfen zu können.“

    Profi-Tipp: Das Wort „schriftlich“ wirkt Wunder. Viele Sachbearbeiter sind dann plötzlich gesprächsbereiter, weil sie wissen, dass eine schriftliche Ablehnung anfechtbar ist.

    Was tun bei Ablehnung?

    Eine Ablehnung ist kein Endurteil. Du hast klare Rechtsmittel:

    • Schriftliche Begründung anfordern — die Behörde ist dazu verpflichtet
    • Widerspruch einlegen — Frist beachten: 1 Monat ab Bekanntgabe des Bescheids
    • Sozialberatung einschalten — kostenlos über Sozialverbände wie VdK oder AWO
    • Klage beim Sozialgericht einreichen — im Sozialrecht gibt es keine Gerichtskosten für die Klage selbst

    Musterantrag: Zum Mitnehmen und Ausfüllen

    Drucke diesen Musterantrag aus, fülle die markierten Felder aus und übergib ihn bei deinem Termin — oder schicke ihn vorab per Post oder E-Mail an deine Behörde.

    Offizieller Musterantrag
    Antrag auf Ausstellung eines AVGS gemäß § 45 SGB III
    Kostenlos verwendbar

    An:
    [Name der Behörde]
    [Adresse]
    [PLZ, Stadt]

    Von:
    [Ihr vollständiger Name]
    [Adresse]
    Kundennummer: [Ihre Kundennummer]

    Datum: [Datum]

    Betreff: Antrag auf Ausstellung eines Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheins (AVGS) gemäß § 45 SGB III

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    hiermit beantrage ich formell die Ausstellung eines Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheins (AVGS) gemäß § 45 SGB III.

    Meine Situation:
    Ich bin seit dem [Datum der Arbeitslosmeldung] arbeitslos gemeldet und befinde mich im Leistungsbezug [ALG I / Bürgergeld]. Trotz aktiver Eigenbemühungen — ich habe bislang [Anzahl] Bewerbungen eingereicht — ist eine Vermittlung in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bisher nicht gelungen.

    Mein Ziel:
    Ich möchte [private Arbeitsvermittlung / Bewerbungscoaching / Qualifizierungsmaßnahme] in Anspruch nehmen. Der Anbieter [Name des Anbieters] verfügt über eine gültige AZAV-Zulassung (Zulassungsnummer: [Nummer, falls bekannt]) und ist auf meine Berufsgruppe spezialisiert.

    Rechtliche Grundlage:
    [Option A: Da ich ALG I beziehe und seit mehr als 6 Wochen arbeitslos bin, habe ich gemäß § 45 Abs. 7 SGB III einen Rechtsanspruch auf den AVGS.]
    [Option B: Ich bitte um wohlwollende Prüfung meines Antrags nach pflichtgemäßem Ermessen gemäß § 45 SGB III.]

    Ich bitte um eine schriftliche Entscheidung über meinen Antrag sowie um Ausstellung des AVGS bei positiver Bescheidung.

    Mit freundlichen Grüßen,
    [Unterschrift]
    [Name in Druckbuchstaben]

    Häufige Fragen zum AVGS 2026

    Wie lange ist der AVGS gültig?
    In der Regel 3 Monate ab dem Ausstellungsdatum. Eine Verlängerung ist auf Antrag möglich, wenn triftige Gründe vorliegen — etwa wenn die Maßnahme noch nicht begonnen werden konnte. Frage proaktiv danach, bevor der Gutschein abläuft.
    Kann ich mir den Anbieter selbst aussuchen?
    Ja! Das ist einer der großen Vorteile des AVGS. Du bist frei in der Wahl deines Anbieters, solange dieser eine gültige AZAV-Zulassung für die entsprechende Maßnahme hat. Du musst den Anbieter der Behörde nicht vorab genehmigen lassen.
    Was passiert, wenn der Anbieter mich nicht vermittelt?
    Dir entstehen keinerlei Kosten. Bei Arbeitsvermittlungs-Gutscheinen wird die volle Prämie nur bei erfolgreicher Vermittlung ausgezahlt — das Risiko trägt der Anbieter. Du bist in keiner Weise haftbar, wenn die Vermittlung nicht klappt.
    Kann ich einen AVGS ablehnen?
    Ja, du kannst einen ausgestellten AVGS ablehnen, ohne dass dir dadurch Nachteile bei deinen Leistungen entstehen. Es gibt keine Obliegenheit, einen AVGS anzunehmen. Allerdings macht es wenig Sinn, ihn abzulehnen — er kostet dich nichts und bietet nur Chancen.
    Ändert die neue Grundsicherung ab Juli 2026 etwas am AVGS?
    Der AVGS bleibt als Förderinstrument erhalten. Mit der neuen Grundsicherung ab Juli 2026 wird er stärker an individuelle Kooperationspläne geknüpft sein — das bedeutet, dass der Gutschein gezielter eingesetzt werden soll. Grundsätzlich ändert sich aber am Beantragungsprozess wenig.
    Empfohlen von Maik Marx

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  • Bürgergeld wird abgeschafft: Was die neue Grundsicherung ab Juli 2026 für deinen AVGS bedeutet | by Maik Marx

    Zurück zum Blog

    Bürgergeld wird abgeschafft: Was die neue Grundsicherung ab Juli 2026 für deinen AVGS bedeutet

    Bürgergeld Reform 2026 - Reichstag Bundesgesetz
    Artikel anhören — gesprochen von Maik Marx
    ca. 10 Min.

    Der 5. März 2026 war ein historischer Tag für die deutsche Sozialgesetzgebung. Der Bundestag hat mit deutlicher Mehrheit die Abschaffung des Bürgergelds beschlossen — und damit eine der größten Sozialreformen der letzten Jahrzehnte auf den Weg gebracht. Ab dem 1. Juli 2026 tritt die neue Grundsicherung in Kraft.

    Kurze Antwort vorweg

    Der AVGS bleibt. Er bleibt sogar wichtiger denn je. Aber der Weg dorthin und die Rahmenbedingungen rund um seine Einlösung verändern sich spürbar.

    Was der Bundestag am 5. März 2026 beschlossen hat

    Nach monatelangen politischen Debatten hat der Bundestag das „Gesetz zur Reform der Grundsicherung für Arbeitssuchende“ verabschiedet. Es ist das formelle Ende des Bürgergelds.

    Die Kernpunkte der Reform:

    • Das Bürgergeld wird umbenannt und inhaltlich umgebaut zur neuen Grundsicherung
    • Fordern steht wieder gleichrangig neben Fördern
    • Sanktionen werden deutlich verschärft — bis hin zur vollständigen Leistungskürzung (100 %)
    • Mitwirkungspflichten werden erweitert und konkreter gefasst
    • Die Karenzzeiten bei Wohnkosten und Vermögen werden verkürzt
    • Digitale Meldepflichten werden eingeführt
    • Die Eingliederungsvereinbarung wird durch einen verbindlicheren Kooperationsplan mit Rechtswirkung ersetzt
    Was bleibt

    Die Leistungshöhe bleibt zunächst konstant. Der AVGS bleibt als Instrument der aktiven Arbeitsmarktpolitik vollständig erhalten.

    Was sich konkret ab dem 1. Juli 2026 ändert

    Sanktionen bis zu 100 Prozent

    Wer wiederholt gegen Mitwirkungspflichten verstößt — Termine nicht wahrnimmt, zumutbare Arbeit ablehnt oder Maßnahmenbesuche ohne Entschuldigung verpasst — dem können die Leistungen für bis zu drei Monate um bis zu 100 Prozent gekürzt werden. Bei einem erstmaligen Verstoß bleibt es bei 30 Prozent.

    Verschärfte Mitwirkungspflichten

    • Eigeninitiative dokumentieren: Bewerbungsbelege, Absagen, Kontaktaufnahmen
    • Kooperationsplan unterzeichnen mit klaren Zielen, Zeitrahmen und Verpflichtungen
    • Maßnahmenteilnahme ist Pflicht — Fehlzeiten ohne Grund werden gemeldet

    Verkürzung der Karenzzeiten

    Karenzzeiten für Wohnkosten und Vermögen werden von einem Jahr auf sechs Monate halbiert. Wer nach einem halben Jahr noch im Bezug ist, muss sein Vermögen früher einsetzen und höhere Wohnkosten selbst tragen.

    Neue digitale Meldepflichten

    Termine per Videoschalte oder App sind ab Juli verpflichtend möglich. Verpasste digitale Termine gelten wie verpasste Präsenztermine — die Sanktionsregeln greifen gleichermaßen.

    Wichtiger Hinweis

    Die neuen Regeln gelten auch für laufende Leistungsbezüge. Wer bereits Grundsicherung bezieht, ist ab 1. Juli automatisch unter den neuen Bedingungen — ohne neue Antragstellung.

    Der AVGS bleibt — keine Panik

    Der AVGS ist im SGB III verankert — nicht im SGB II. Die Reform des Bürgergelds berührt die rechtliche Grundlage des AVGS nicht direkt. Das ist der entscheidende Punkt, den viele missverstehen.

    Was sich nicht ändert:

    • Du kannst weiterhin einen AVGS beantragen
    • Anerkannte Träger können weiterhin Gutscheine einlösen
    • Die Förderbereiche bleiben unverändert
    • Die maximale Förderdauer bleibt bestehen
    Rechtliche Grundlage

    Der AVGS basiert auf § 45 SGB III (Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung). Das SGB III wird durch die Bürgergeld-Reform nicht geändert.

    Warum AVGS-Coaching jetzt sogar wichtiger wird

    Nachweis der Kooperationsbereitschaft

    Wenn du regelmäßig an einem zertifizierten Coaching teilnimmst, dokumentiert der Träger deine Anwesenheit und Fortschritte. Diese Dokumentation dient dir als konkreter Beleg aktiver Kooperation gegenüber dem Jobcenter.

    Qualifikation als Schutz vor dem Niedriglohnsektor

    Wer sich über ein AVGS-Coaching qualifiziert, hat eine stärkere Argumentation gegen Arbeit unterhalb der eigentlichen Qualifikation. Das Jobcenter kann zumutbare Arbeit nicht unbegrenzt erzwingen — wenn eine laufende Qualifizierungsmaßnahme nachgewiesen ist.

    Coaching erhöht die Vermittlungsquote

    Teilnehmende an Aktivierungsmaßnahmen werden nachweislich schneller und in besser passende Stellen vermittelt. In einer Zeit, in der Sanktionen realer werden, ist das kein Nice-to-have mehr — sondern eine Schutzstrategie.

    Zeitleiste: Was wann in Kraft tritt

    1
    5. März 2026

    Bundestag beschließt die Reform — Verabschiedung des „Gesetzes zur Reform der Grundsicherung für Arbeitssuchende“ mit deutlicher Mehrheit.

    2
    1. April 2026

    Übergangsphase beginnt — Jobcenter informieren Leistungsempfänger über die neuen Regeln, Kooperationspläne werden vorbereitet.

    3
    1. Juli 2026

    Neues Gesetz tritt vollständig in Kraft — Alle neuen Regeln gelten ab sofort, auch für laufende Bezüge. Die neue Grundsicherung ersetzt das Bürgergeld.

    4
    1. Oktober 2026

    Vollständige IT-Umstellung der Jobcenter — Digitale Meldepflichten werden technisch vollständig umgesetzt, neue Softwaresysteme gehen live.

    5
    1. Januar 2027

    Erste Evaluierung durch das BMAS — Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales veröffentlicht erste Zahlen zur Wirksamkeit der Reform.

    FAQ: Die 5 häufigsten Fragen zur Reform

    Verliere ich meinen AVGS, wenn das Bürgergeld abgeschafft wird?

    Nein. Der AVGS ist im SGB III verankert und bleibt vollständig erhalten. Die Bürgergeld-Reform betrifft das SGB II — der AVGS ist davon rechtlich unabhängig. Laufende und noch einzulösende Gutscheine behalten ihre Gültigkeit.

    Muss ich meinen laufenden AVGS jetzt schnell einlösen?

    Nicht wegen der Reform — aber grundsätzlich gilt: Ein AVGS hat eine begrenzte Gültigkeitsdauer (in der Regel sechs Wochen). Diese beginnt mit dem Ausstellungsdatum. Löse ihn zeitnah ein, nicht weil die Reform droht, sondern weil das immer schon so war.

    Kann mir das Jobcenter jetzt einfach Leistungen kürzen?

    Nein, willkürlich nicht. Ein klar geregeltes Sanktionsverfahren bleibt bestehen. Sanktionen müssen schriftlich mitgeteilt werden, du hast Widerspruchsrecht, und Sanktionen sind vor dem Sozialgericht anfechtbar. Neu ist lediglich: Die Sanktionshöhe kann jetzt bis zu 100 % betragen — aber nur bei wiederholten Verstößen.

    Was passiert bei unregelmäßigem AVGS-Coaching-Besuch?

    Unentschuldigte Fehlzeiten in einer AVGS-Maßnahme können als Mitwirkungspflichtverletzung gewertet werden. Der Träger ist verpflichtet, Fehlzeiten an das Jobcenter zu melden. Das war vor der Reform zwar theoretisch möglich, wird aber ab Juli konsequenter gehandhabt. Nimm Coaching-Termine zuverlässig wahr.

    Bekomme ich nach dem 1. Juli 2026 noch einen neuen AVGS?

    Ja, selbstverständlich. Der AVGS-Antrag läuft weiter über dein Jobcenter, genau wie bisher. Es gibt keine Übergangsregelung, die das einschränkt. Im Gegenteil: Da Coaching als Mitwirkungsbeweis gilt, haben Jobcenter sogar ein Interesse daran, AVGS-Maßnahmen zu fördern.

    Handlungsempfehlungen: Was du JETZT tun solltest

    1
    Informiere dich über deinen aktuellen Status Hast du einen laufenden Kooperationsplan? Wenn ja, lies ihn genau durch und kenne deine Pflichten.
    2
    Beantrage jetzt deinen AVGS — wenn du noch keinen hast Vor dem 1. Juli beantragen hat strategische Vorteile: Du kannst die aktuelle Ausgestaltung nutzen.
    3
    Dokumentiere deine Eigenbemühungen lückenlos Alle Bewerbungen, Absagen, Gespräche — am besten in einer Excel-Tabelle oder einem Ordner mit Kopien.
    4
    Informiere deinen Coach über die Änderungen Gute AVGS-Träger kennen die Reform. Frage aktiv nach, ob die Maßnahme deine Kooperationsnachweise dokumentiert.
    5
    Lies deinen Kooperationsplan sorgfältig Der neue Kooperationsplan hat Rechtswirkung. Jeder Punkt ist verbindlich. Bei Unklarheiten sofort ansprechen.
    6
    Hol dir Unterstützung bei Beratungsstellen Sozialverbände wie VdK, AWO oder der Paritätische Wohlfahrtsverband bieten kostenlose Beratung zu den neuen Regelungen.

    Fazit

    Die Reform ist ein spürbarer Einschnitt in das deutsche Grundsicherungssystem. Die Rückkehr zu schärferen Sanktionen, der verbindlichere Kooperationsplan und die erweiterten Mitwirkungspflichten machen eines deutlich: Passives Abwarten wird schwieriger.

    Aber das ist kein Grund zur Panik — es ist ein Grund zur Aktion. Der AVGS ist ein lebendiges, weiterhin verfügbares Instrument. Er ist sogar wertvoller geworden, weil er dir Struktur, Qualifikation und Nachweise gleichzeitig liefert. Nutze ihn.

    Empfehlung

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