Kategorie: Arbeitsmarkt 2026

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  • Bürgergeld wird abgeschafft: Was die neue Grundsicherung ab Juli 2026 für deinen AVGS bedeutet | by Maik Marx

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    Bürgergeld wird abgeschafft: Was die neue Grundsicherung ab Juli 2026 für deinen AVGS bedeutet

    Bürgergeld Reform 2026 - Reichstag Bundesgesetz
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    ca. 10 Min.

    Der 5. März 2026 war ein historischer Tag für die deutsche Sozialgesetzgebung. Der Bundestag hat mit deutlicher Mehrheit die Abschaffung des Bürgergelds beschlossen — und damit eine der größten Sozialreformen der letzten Jahrzehnte auf den Weg gebracht. Ab dem 1. Juli 2026 tritt die neue Grundsicherung in Kraft.

    Kurze Antwort vorweg

    Der AVGS bleibt. Er bleibt sogar wichtiger denn je. Aber der Weg dorthin und die Rahmenbedingungen rund um seine Einlösung verändern sich spürbar.

    Was der Bundestag am 5. März 2026 beschlossen hat

    Nach monatelangen politischen Debatten hat der Bundestag das „Gesetz zur Reform der Grundsicherung für Arbeitssuchende“ verabschiedet. Es ist das formelle Ende des Bürgergelds.

    Die Kernpunkte der Reform:

    • Das Bürgergeld wird umbenannt und inhaltlich umgebaut zur neuen Grundsicherung
    • Fordern steht wieder gleichrangig neben Fördern
    • Sanktionen werden deutlich verschärft — bis hin zur vollständigen Leistungskürzung (100 %)
    • Mitwirkungspflichten werden erweitert und konkreter gefasst
    • Die Karenzzeiten bei Wohnkosten und Vermögen werden verkürzt
    • Digitale Meldepflichten werden eingeführt
    • Die Eingliederungsvereinbarung wird durch einen verbindlicheren Kooperationsplan mit Rechtswirkung ersetzt
    Was bleibt

    Die Leistungshöhe bleibt zunächst konstant. Der AVGS bleibt als Instrument der aktiven Arbeitsmarktpolitik vollständig erhalten.

    Was sich konkret ab dem 1. Juli 2026 ändert

    Sanktionen bis zu 100 Prozent

    Wer wiederholt gegen Mitwirkungspflichten verstößt — Termine nicht wahrnimmt, zumutbare Arbeit ablehnt oder Maßnahmenbesuche ohne Entschuldigung verpasst — dem können die Leistungen für bis zu drei Monate um bis zu 100 Prozent gekürzt werden. Bei einem erstmaligen Verstoß bleibt es bei 30 Prozent.

    Verschärfte Mitwirkungspflichten

    • Eigeninitiative dokumentieren: Bewerbungsbelege, Absagen, Kontaktaufnahmen
    • Kooperationsplan unterzeichnen mit klaren Zielen, Zeitrahmen und Verpflichtungen
    • Maßnahmenteilnahme ist Pflicht — Fehlzeiten ohne Grund werden gemeldet

    Verkürzung der Karenzzeiten

    Karenzzeiten für Wohnkosten und Vermögen werden von einem Jahr auf sechs Monate halbiert. Wer nach einem halben Jahr noch im Bezug ist, muss sein Vermögen früher einsetzen und höhere Wohnkosten selbst tragen.

    Neue digitale Meldepflichten

    Termine per Videoschalte oder App sind ab Juli verpflichtend möglich. Verpasste digitale Termine gelten wie verpasste Präsenztermine — die Sanktionsregeln greifen gleichermaßen.

    Wichtiger Hinweis

    Die neuen Regeln gelten auch für laufende Leistungsbezüge. Wer bereits Grundsicherung bezieht, ist ab 1. Juli automatisch unter den neuen Bedingungen — ohne neue Antragstellung.

    Der AVGS bleibt — keine Panik

    Der AVGS ist im SGB III verankert — nicht im SGB II. Die Reform des Bürgergelds berührt die rechtliche Grundlage des AVGS nicht direkt. Das ist der entscheidende Punkt, den viele missverstehen.

    Was sich nicht ändert:

    • Du kannst weiterhin einen AVGS beantragen
    • Anerkannte Träger können weiterhin Gutscheine einlösen
    • Die Förderbereiche bleiben unverändert
    • Die maximale Förderdauer bleibt bestehen
    Rechtliche Grundlage

    Der AVGS basiert auf § 45 SGB III (Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung). Das SGB III wird durch die Bürgergeld-Reform nicht geändert.

    Warum AVGS-Coaching jetzt sogar wichtiger wird

    Nachweis der Kooperationsbereitschaft

    Wenn du regelmäßig an einem zertifizierten Coaching teilnimmst, dokumentiert der Träger deine Anwesenheit und Fortschritte. Diese Dokumentation dient dir als konkreter Beleg aktiver Kooperation gegenüber dem Jobcenter.

    Qualifikation als Schutz vor dem Niedriglohnsektor

    Wer sich über ein AVGS-Coaching qualifiziert, hat eine stärkere Argumentation gegen Arbeit unterhalb der eigentlichen Qualifikation. Das Jobcenter kann zumutbare Arbeit nicht unbegrenzt erzwingen — wenn eine laufende Qualifizierungsmaßnahme nachgewiesen ist.

    Coaching erhöht die Vermittlungsquote

    Teilnehmende an Aktivierungsmaßnahmen werden nachweislich schneller und in besser passende Stellen vermittelt. In einer Zeit, in der Sanktionen realer werden, ist das kein Nice-to-have mehr — sondern eine Schutzstrategie.

    Zeitleiste: Was wann in Kraft tritt

    1
    5. März 2026

    Bundestag beschließt die Reform — Verabschiedung des „Gesetzes zur Reform der Grundsicherung für Arbeitssuchende“ mit deutlicher Mehrheit.

    2
    1. April 2026

    Übergangsphase beginnt — Jobcenter informieren Leistungsempfänger über die neuen Regeln, Kooperationspläne werden vorbereitet.

    3
    1. Juli 2026

    Neues Gesetz tritt vollständig in Kraft — Alle neuen Regeln gelten ab sofort, auch für laufende Bezüge. Die neue Grundsicherung ersetzt das Bürgergeld.

    4
    1. Oktober 2026

    Vollständige IT-Umstellung der Jobcenter — Digitale Meldepflichten werden technisch vollständig umgesetzt, neue Softwaresysteme gehen live.

    5
    1. Januar 2027

    Erste Evaluierung durch das BMAS — Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales veröffentlicht erste Zahlen zur Wirksamkeit der Reform.

    FAQ: Die 5 häufigsten Fragen zur Reform

    Verliere ich meinen AVGS, wenn das Bürgergeld abgeschafft wird?

    Nein. Der AVGS ist im SGB III verankert und bleibt vollständig erhalten. Die Bürgergeld-Reform betrifft das SGB II — der AVGS ist davon rechtlich unabhängig. Laufende und noch einzulösende Gutscheine behalten ihre Gültigkeit.

    Muss ich meinen laufenden AVGS jetzt schnell einlösen?

    Nicht wegen der Reform — aber grundsätzlich gilt: Ein AVGS hat eine begrenzte Gültigkeitsdauer (in der Regel sechs Wochen). Diese beginnt mit dem Ausstellungsdatum. Löse ihn zeitnah ein, nicht weil die Reform droht, sondern weil das immer schon so war.

    Kann mir das Jobcenter jetzt einfach Leistungen kürzen?

    Nein, willkürlich nicht. Ein klar geregeltes Sanktionsverfahren bleibt bestehen. Sanktionen müssen schriftlich mitgeteilt werden, du hast Widerspruchsrecht, und Sanktionen sind vor dem Sozialgericht anfechtbar. Neu ist lediglich: Die Sanktionshöhe kann jetzt bis zu 100 % betragen — aber nur bei wiederholten Verstößen.

    Was passiert bei unregelmäßigem AVGS-Coaching-Besuch?

    Unentschuldigte Fehlzeiten in einer AVGS-Maßnahme können als Mitwirkungspflichtverletzung gewertet werden. Der Träger ist verpflichtet, Fehlzeiten an das Jobcenter zu melden. Das war vor der Reform zwar theoretisch möglich, wird aber ab Juli konsequenter gehandhabt. Nimm Coaching-Termine zuverlässig wahr.

    Bekomme ich nach dem 1. Juli 2026 noch einen neuen AVGS?

    Ja, selbstverständlich. Der AVGS-Antrag läuft weiter über dein Jobcenter, genau wie bisher. Es gibt keine Übergangsregelung, die das einschränkt. Im Gegenteil: Da Coaching als Mitwirkungsbeweis gilt, haben Jobcenter sogar ein Interesse daran, AVGS-Maßnahmen zu fördern.

    Handlungsempfehlungen: Was du JETZT tun solltest

    1
    Informiere dich über deinen aktuellen Status Hast du einen laufenden Kooperationsplan? Wenn ja, lies ihn genau durch und kenne deine Pflichten.
    2
    Beantrage jetzt deinen AVGS — wenn du noch keinen hast Vor dem 1. Juli beantragen hat strategische Vorteile: Du kannst die aktuelle Ausgestaltung nutzen.
    3
    Dokumentiere deine Eigenbemühungen lückenlos Alle Bewerbungen, Absagen, Gespräche — am besten in einer Excel-Tabelle oder einem Ordner mit Kopien.
    4
    Informiere deinen Coach über die Änderungen Gute AVGS-Träger kennen die Reform. Frage aktiv nach, ob die Maßnahme deine Kooperationsnachweise dokumentiert.
    5
    Lies deinen Kooperationsplan sorgfältig Der neue Kooperationsplan hat Rechtswirkung. Jeder Punkt ist verbindlich. Bei Unklarheiten sofort ansprechen.
    6
    Hol dir Unterstützung bei Beratungsstellen Sozialverbände wie VdK, AWO oder der Paritätische Wohlfahrtsverband bieten kostenlose Beratung zu den neuen Regelungen.

    Fazit

    Die Reform ist ein spürbarer Einschnitt in das deutsche Grundsicherungssystem. Die Rückkehr zu schärferen Sanktionen, der verbindlichere Kooperationsplan und die erweiterten Mitwirkungspflichten machen eines deutlich: Passives Abwarten wird schwieriger.

    Aber das ist kein Grund zur Panik — es ist ein Grund zur Aktion. Der AVGS ist ein lebendiges, weiterhin verfügbares Instrument. Er ist sogar wertvoller geworden, weil er dir Struktur, Qualifikation und Nachweise gleichzeitig liefert. Nutze ihn.

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  • Neue Grundsicherung ab 1. Juli 2026: Welche Sanktionen gelten — und warum AVGS-Coaching schützt | by Maik Marx

    Grundsicherung 2026 Sanktionen 4. 31. Januar 2026  ·  12 Min. Lesezeit

    Neue Grundsicherung ab 1. Juli 2026: Welche Sanktionen gelten — und warum AVGS-Coaching schützt

    Ab Juli 2026 gilt die neue Grundsicherung mit schärferen Sanktionen. Erfahre, welche Stufen drohen und warum AVGS-Coaching dich als Kooperationsnachweis schützt.

    MM
    Maik Marx
    AVGS & Förderberatung · avgs.info

    Zum 1. Juli 2026 tritt die größte Reform der Grundsicherung seit Einführung des Bürgergelds in Kraft. Der Gesetzgeber macht Ernst mit dem Prinzip „Fördern und Fordern“: Wer Mitwirkungspflichten verletzt, riskiert spürbare Kürzungen — und das schneller als bisher. Gleichzeitig gibt es neue Schutzinstrumente. In diesem Artikel erfährst du genau, was sich ändert, welche Sanktionsstufen ab wann greifen und warum ein AVGS-gefördertes Coaching zu einem der wirksamsten Kooperationsnachweise überhaupt werden kann.

    ℹ️
    Worum geht es in diesem Artikel? Dieser Beitrag fasst die wesentlichen Neuerungen des Grundsicherungsrechts ab Juli 2026 zusammen, erklärt die neuen Sanktionsmechanismen und zeigt, wie ein AVGS-Coaching-Programm gezielt als Nachweis aktiver Kooperation eingesetzt werden kann — mit rechtlich belastbarer Dokumentation.

    Was sich ab Juli 2026 wirklich ändert

    Die neue Grundsicherung baut auf dem Bürgergeld-Modell auf, verschärft jedoch die Konsequenzen bei mangelnder Mitwirkung deutlich. Das Bundesarbeitsministerium spricht von einem „aktivierenden Wohlfahrtsstaat“: Leistungen gibt es weiterhin bedürftigkeitsunabhängig, aber das Fordern bekommt mehr Gewicht.

    Konkret bedeutet das: Der bisherige „Vertrauenszeitraum“ von sechs Monaten zu Beginn des Leistungsbezugs entfällt ersatzlos. Stattdessen wird bereits ab dem ersten Monat ein verbindlicher Kooperationsplan abgeschlossen, dessen Einhaltung regelmäßig geprüft wird.

    ⚠️
    Wichtig: Übergangsregelung beachten! Bestehende Eingliederungsvereinbarungen und Kooperationspläne, die vor dem 1. Juli 2026 abgeschlossen wurden, behalten ihre Gültigkeit bis maximal 31. Dezember 2026. Danach gelten ausnahmslos die neuen Regelungen.

    Die wichtigsten Neuerungen auf einen Blick

    • Abschaffung des Vertrauenszeitraums — Kooperationsplan gilt ab Tag 1
    • Schärfere und schneller greifende Sanktionsstufen bei Pflichtverletzungen
    • Neue Dokumentationspflichten für Bewerbungsaktivitäten
    • Erweiterte Härteklauseln für besondere Lebenssituationen
    • AVGS-Maßnahmen als anerkannte Kooperationsnachweise (neu: explizit im Gesetzestext)
    • Verpflichtende Erreichbarkeitszeiten (werktags 8–17 Uhr)

    Neue Mitwirkungspflichten im Detail

    Das Herzstück der Reform sind vier konkrete Mitwirkungspflichten, die ab Juli 2026 verbindlich gelten. Wer eine oder mehrere davon verletzt, riskiert eine Sanktion — unabhängig davon, wie lange der Leistungsbezug bereits besteht.

    1. Kooperationsplan einhalten

    Jeder Leistungsbeziehende schließt mit dem Jobcenter einen individuellen Kooperationsplan ab. Dieser legt fest: Welche Aktivitäten sind in welchem Zeitraum nachzuweisen? AVGS-Maßnahmen können ausdrücklich als vereinbarte Aktivität eingetragen werden.

    2. Bewerbungsdokumentation führen

    Mindestens zwei nachweisbare Bewerbungsaktivitäten pro Monat müssen dokumentiert werden — mit Datum, Unternehmen, Stellenbezeichnung und Reaktion. Fehlt diese Dokumentation beim Prüfungstermin, gilt dies als Pflichtverletzung, auch wenn tatsächlich Bewerbungen stattgefunden haben.

    3. Maßnahmenteilnahme

    Zugewiesene Maßnahmen — darunter ausdrücklich auch AVGS-geförderte Coachings — müssen regelmäßig und aktiv besucht werden. Eine Teilnahmequote unter 80 % ohne triftigen Grund gilt als Pflichtverletzung.

    4. Erreichbarkeit sicherstellen

    Leistungsbeziehende müssen werktags zwischen 8 und 17 Uhr telefonisch erreichbar sein und innerhalb von 48 Stunden auf offizielle Schreiben reagieren. Wiederholte Nicht-Erreichbarkeit kann als Pflichtverletzung gewertet werden.

    Die drei Sanktionsstufen — visuell erklärt

    Das neue System kennt drei aufeinander aufbauende Sanktionsstufen. Jede Stufe greift bei einer erneuten Pflichtverletzung innerhalb von zwölf Monaten nach der letzten Sanktion. Die Laufzeiten sind klar definiert und können nicht mehr so leicht durch einfache Erklärungen unterbrochen werden.

    Stufe 1
    −20 %

    Erste Pflichtverletzung

    Kürzung des Regelbedarfs für 1 Monat

    • Einmalige oder erste Pflichtverletzung
    • Kooperationsplan nicht erfüllt
    • Bewerbungsdoku fehlt
    • Nach Abmahnung sofort wirksam
    Stufe 2
    −30 %

    Wiederholung innerhalb 12 Mon.

    Kürzung des Regelbedarfs für 2 Monate

    • Zweite Pflichtverletzung im Jahreszeitraum
    • Maßnahmenabbruch ohne Grund
    • Wiederholte Nicht-Erreichbarkeit
    • Kumulierbar mit Stufe 1
    Stufe 3
    Existenzminimum

    Schwerwiegende Verletzung

    Kürzung bis auf Existenzminimum für bis zu 3 Monate

    • Zumutbare Arbeit wiederholt abgelehnt
    • Dritte Pflichtverletzung im Jahreszeitraum
    • Vorsätzliche Falschangaben
    • Härteklausel prüfen!
    🚨
    Achtung: Neues Prüfintervall ab Juli 2026 Das Jobcenter prüft Mitwirkungspflichten nun monatlich statt quartalsweise. Ein einziger fehlender Bewerbungsnachweis kann damit bereits im darauffolgenden Monat zu einer Stufe-1-Sanktion führen — ohne vorherige Verwarnung, wenn bereits eine Abmahnung in den letzten 12 Monaten vorliegt.

    Ausnahmen und Härteklauseln

    Das neue Gesetz enthält explizite Schutzregelungen, die Sanktionen verhindern oder begrenzen. Diese Härteklauseln sind nicht automatisch aktiv — sie müssen aktiv und rechtzeitig beantragt werden.

    • Kindererziehung: Alleinerziehende mit Kindern unter 3 Jahren sind von Stufe-2- und Stufe-3-Sanktionen ausgenommen
    • Pflegesituationen: Wer nachweislich einen Angehörigen pflegt, kann den Kooperationsplan zeitweise aussetzen
    • Gesundheitliche Einschränkungen: Ärztliche Atteste schützen vor Sanktionen bei krankheitsbedingter Nicht-Mitwirkung
    • Schwangerschaft: Generelle Sanktionsfreiheit im Mutterschutzzeitraum
    • Schulausbildung/Studium: Personen in anerkannten Ausbildungen können Mitwirkungspflichten reduziert erfüllen
    • Unverschuldete Schlechterstellung: Nachweisbare externe Hinderungsgründe (z. B. Jobcenter-Termin ohne ausreichend Vorlauf) können Sanktionen ausschließen

    AVGS als Kooperationsnachweis — das ändert sich ab Juli 2026

    Hier liegt die größte Neuerung für alle, die einen AVGS-Gutschein nutzen oder nutzen möchten: Ab Juli 2026 ist die aktive Teilnahme an AVGS-Maßnahmen explizit als Kooperationsnachweis anerkannt. Das heißt: Wer ein AVGS-Coaching besucht, erfüllt damit gleichzeitig seine Mitwirkungspflicht aus dem Kooperationsplan — sofern die Maßnahme im Plan eingetragen ist.

    Warum AVGS-Coaching vor Stufe-1-Sanktionen schützt

    Ein laufendes, dokumentiertes AVGS-Coaching schützt auf drei Ebenen:

    1. Nachweis aktiver Kooperation: Jede besuchte Coaching-Einheit wird vom Anbieter protokolliert und kann dem Jobcenter vorgelegt werden
    2. Erfüllung der Maßnahmenteilnahmepflicht: Die Teilnahme gilt als „aktive Eingliederungsmaßnahme“ im Sinne des neuen § 31a SGB II
    3. Dokumentation von Bewerbungsaktivitäten: Seriöse AVGS-Coaching-Anbieter helfen beim Aufbau eines lückenlosen Bewerbungslogbuchs — das schützt auch bei Prüfungen
    💡
    Praxis-Tipp: AVGS im Kooperationsplan verankern Bitte dein Jobcenter ausdrücklich, das AVGS-Coaching als Pflichtmaßnahme in deinen Kooperationsplan einzutragen. Damit wird die Teilnahme zur erfüllten Mitwirkungspflicht — und schützt dich automatisch vor Stufe-1-Sanktionen für die Dauer der Maßnahme.

    AVGS stärkt die Verhandlungsposition gegenüber dem Jobcenter

    Wer mit einem aktiven AVGS-Nachweis zum Prüfungstermin erscheint, signalisiert: Ich tue aktiv etwas für meine Eingliederung. Das hat in der Praxis einen erheblichen Einfluss auf das Ermessen des zuständigen Fallmanagers — auch bei anderen Sanktionsrisiken. Jobcenter-Mitarbeitende sind angewiesen, bei nachgewiesener Eigeninitiative Sanktionen mit besonderer Sorgfalt zu prüfen.

    Bessere Vermittlungschancen = schneller raus aus dem Bezug

    Langfristig ist das Wichtigste: Ein hochwertiges AVGS-Coaching verbessert deine tatsächlichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt erheblich. Je kürzer der Leistungsbezug, desto geringer das Sanktionsrisiko — denn das größte Risiko entsteht durch langjährigen Verbleib im System, der zu wiederholten Prüfzyklen führt.

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    Die Übergangsphase Juli–Dezember 2026

    Die Reform tritt zwar zum 1. Juli 2026 in Kraft, aber nicht alle Regelungen greifen sofort für alle Betroffenen. Die Übergangsphase bis Ende 2026 bietet ein wichtiges Zeitfenster zur Vorbereitung.

    Jul

    1. Juli 2026 — Inkrafttreten

    Neue Sanktionsregeln gelten für alle ab diesem Datum neu beantragten Leistungen. Laufende Bescheide bleiben zunächst bestehen. Erste Kooperationspläne nach neuem Recht werden ausgestellt.

    Aug

    August–September 2026 — Umstellungsphase

    Jobcenter laden bestehende Leistungsbeziehende zu Umstellungsgesprächen ein. Wer bereits einen AVGS nutzt oder beantragt, wird bevorzugt behandelt — als Nachweis aktiver Mitwirkungsbereitschaft.

    Okt

    Oktober 2026 — Vollständige Umstellung

    Bis Oktober sollen alle bestehenden Fälle auf die neuen Kooperationspläne umgestellt sein. Wer bis dahin noch keine aktive Maßnahme nachweisen kann, riskiert bereits im November die erste Sanktionsprüfung.

    Jan

    1. Januar 2027 — Kein Bestandsschutz mehr

    Ab dem 1. Januar 2027 gelten die neuen Sanktionsregeln ausnahmslos für alle Leistungsbeziehenden. Alte Vereinbarungen verlieren endgültig ihre Schutzwirkung.

    Sozialverbände-Kritik: Was VdK und Paritätischer sagen

    Die Reform ist politisch umstritten. Wichtige Sozialverbände haben klare Kritik geäußert, die für Betroffene relevant ist — auch wenn sie die Rechtslage nicht ändert.

    VdK Deutschland

    Der Sozialverband VdK kritisiert, dass die neuen Sanktionsstufen strukturelle Benachteiligungen nicht ausreichend berücksichtigen. Wer durch Behinderung, chronische Erkrankung oder diskriminierende Einstellungspraktiken keine Arbeit findet, werde doppelt bestraft. VdK hat angekündigt, Musterverfahren gegen Stufe-3-Sanktionen einzuleiten.

    Paritätischer Gesamtverband

    Der Paritätische hält die Abschaffung des Vertrauenszeitraums für verfassungsrechtlich bedenklich. In einem Gutachten vom März 2026 wird argumentiert, dass das Bundesverfassungsgericht in früheren Urteilen (insbesondere dem Hartz-IV-Urteil 2019) Sanktionen unter das Existenzminimum für unvereinbar mit Art. 1 GG erklärt hat — was bei Stufe-3-Anwendungen wieder relevant werden könnte.

    Was das für Betroffene bedeutet

    Gerichtliche Verfahren können Jahre dauern. Bis zu einer möglichen Korrektur durch das BVerfG gilt die neue Regelung. Wer Sanktionen anfechten möchte, sollte sofort Widerspruch einlegen und rechtliche Beratung (z. B. beim VdK oder bei einer Sozialberatung) suchen. Ein aktives AVGS-Coaching kann dabei helfen, Sanktionen von vornherein zu vermeiden.

    5 Handlungsempfehlungen ab sofort

    1. Kooperationsplan aktiv mitgestalten: Nimm deinen nächsten Jobcenter-Termin zum Anlass, den neuen Plan gemeinsam zu erarbeiten. Bitte ausdrücklich um Aufnahme einer AVGS-Maßnahme als Pflichtbestandteil.
    2. Bewerbungslogbuch anlegen: Starte noch heute mit einem einfachen Bewerbungslogbuch (Excel oder Notizbuch) — mit Datum, Unternehmen, Stelle, Reaktion. Das schützt dich bei jeder Prüfung.
    3. AVGS jetzt beantragen: Die Beantragung dauert oft nur ein Gespräch. Wer den Gutschein in der Hand hat, kann sofort eine Maßnahme starten und damit die Übergangsphase konstruktiv nutzen.
    4. Härteklausel prüfen lassen: Falls besondere Lebensumstände vorliegen (Pflege, Gesundheit, Kinderbetreuung), lass rechtlich prüfen, ob eine Härteklausel greift. Das kann Sanktionen von vornherein ausschließen.
    5. Erreichbarkeit dokumentieren: Speichere alle Jobcenter-Anrufe, SMS und E-Mails. Falls die Erreichbarkeit einmal nicht gegeben war, solltest du die Gründe belegen können.

    Häufige Fragen zur neuen Grundsicherung

    Gilt die neue Sanktionsregelung auch, wenn ich erst seit einem Monat Leistungen beziehe?

    Ja — das ist die wesentlichste Änderung gegenüber dem bisherigen Bürgergeld-Modell. Der frühere Vertrauenszeitraum von sechs Monaten entfällt ersatzlos. Wer ab dem 1. Juli 2026 neu Leistungen beantragt, schließt direkt beim ersten Gespräch einen verbindlichen Kooperationsplan ab. Eine Verletzung dieses Plans kann bereits im zweiten Monat zur Stufe-1-Sanktion führen.

    Wie genau schützt ein AVGS-Coaching vor Sanktionen?

    Ein AVGS-Coaching schützt auf mehreren Wegen: Erstens kann die Maßnahme als Pflichtaktivität im Kooperationsplan eingetragen werden — ihre Erfüllung gilt dann als Nachweis aktiver Mitwirkung. Zweitens erstellt der Coaching-Anbieter Teilnahmenachweise, die du dem Jobcenter vorlegen kannst. Drittens unterstützen gute Anbieter beim Bewerbungslogbuch, was die zweite Hauptprüfungsgrundlage absichert.

    Was passiert, wenn ich mit einer Sanktionsentscheidung nicht einverstanden bin?

    Du hast das Recht, innerhalb von einem Monat nach Bekanntgabe des Sanktionsbescheids schriftlich Widerspruch einzulegen. Der Widerspruch hat keine aufschiebende Wirkung — das heißt, die Kürzung wird trotzdem durchgeführt, bis über den Widerspruch entschieden ist. Im Widerspruch solltest du alle Belege für deine Mitwirkungsaktivitäten einreichen. Bei Bedarf helfen Sozialberatungsstellen oder der VdK kostenlos weiter.

    Mein aktueller Kooperationsplan läuft noch bis Dezember 2026. Ändert sich trotzdem etwas für mich?

    Bestehende Pläne behalten ihre Gültigkeit bis 31. Dezember 2026. Ab Januar 2027 werden sie automatisch durch neue Pläne nach dem reformierten Recht ersetzt. Du wirst vorher vom Jobcenter zu einem Umstellungsgespräch eingeladen — nutze diesen Termin, um aktiv eine AVGS-Maßnahme als Bestandteil des neuen Plans zu verankern.

    Kann eine Stufe-3-Sanktion wirklich dazu führen, dass ich unter das Existenzminimum rutsche?

    Das ist rechtlich umstritten. Der Gesetzgeber hat die Stufe-3-Sanktion bewusst an das Existenzminimum geknüpft, ohne dieses unterschreiten zu wollen. In der Praxis bedeutet „bis auf Existenzminimum“ eine Kürzung auf den Betrag, der für Unterkunft und grundlegende Ernährungssicherung als notwendig angesehen wird — Regelbedarfserhöhungen und Zusatzleistungen entfallen komplett. Der Paritätische hält dies für verfassungsrechtlich problematisch und hat Musterverfahren angekündigt. Für Betroffene gilt: Fristen im Blick behalten (Widerspruch ist in der Regel binnen eines Monats möglich) und frühzeitig rechtliche Beratung suchen (VdK, SoVD, Anwalt).

    Fazit: Vorbereitung ist der beste Schutz

    Die neue Grundsicherung ab Juli 2026 ist eine echte Zäsur. Der Vertrauenszeitraum fällt weg, die Sanktionen greifen schneller und tiefer als je zuvor, und das monatliche Prüfungsintervall lässt wenig Spielraum für Fehler. Gleichzeitig bietet die Reform Betroffenen klare Instrumente zur Absicherung — allen voran die explizite Anerkennung von AVGS-Maßnahmen als Kooperationsnachweis.

    Wer jetzt handelt — einen AVGS-Gutschein beantragt, ein Bewerbungslogbuch anlegt und seinen Kooperationsplan aktiv mitgestaltet — schützt sich nicht nur vor Sanktionen, sondern verbessert auch nachhaltig seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die Zeit bis Juli 2026 ist noch vorhanden. Nutze sie.

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  • AVGS für Menschen aus der Ukraine: Wer hat 2026 noch Anspruch? | by Maik Marx

    AVGS & Migration

    AVGS für Menschen aus der Ukraine: Wer hat 2026 noch Anspruch? | by Maik Marx

    4. 28. Februar 2026 Maik Marx ca. 9 Min. Lesezeit

    Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 haben Hunderttausende Menschen aus der Ukraine in Deutschland Schutz gesucht. Viele von ihnen wollen hier arbeiten, sich qualifizieren und ein neues Leben aufbauen. Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) kann dabei ein wertvolles Instrument sein — aber die Rechtslage hat sich in den vergangenen Jahren mehrfach verändert. Dieser Artikel erklärt dir genau, wer 2026 noch Anspruch hat, was die neuen Regelungen bedeuten und wie du trotz Sprachbarrieren dein Recht bekommst.

    1,1 Mio.
    ukrainische Geflüchtete registriert in Deutschland (2025)
    ~40%
    davon im erwerbsfähigen Alter mit Qualifikationen
    3.200 €
    max. AVGS-Wert beim Vermittlungsgutschein

    Rechtliche Grundlage seit 2022: Die Entwicklung im Überblick

    Unmittelbar nach Kriegsausbruch erhielten ukrainische Staatsangehörige über die sogenannte EU-Massenzustromrichtlinie (TPD) und später die §§ 24 AufenthG einen besonderen Schutzstatus in Deutschland. Dieser Aufenthaltsstatus eröffnete ihnen den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt — und damit auch zu den Leistungen der Bundesagentur für Arbeit, darunter der AVGS.

    Im Gegensatz zu Asylbewerbern hatten Schutzberechtigte nach § 24 AufenthG von Beginn an vollen Arbeitsmarktzugang sowie Anspruch auf Bürgergeld nach SGB II (statt auf die eingeschränkten Leistungen des Asylbewerberleistungsgesetzes). Das war ein entscheidender Unterschied: Er bedeutete auch vollen AVGS-Zugang.

    Wichtig: Der AVGS ist kein Sonderprogramm für Geflüchtete — er steht allen Arbeitslosen und von Arbeitslosigkeit Bedrohten offen, die die allgemeinen Voraussetzungen erfüllen. Der § 24 AufenthG-Status hat diese Voraussetzungen für ukrainische Geflüchtete geschaffen.

    Was sich ab April 2025 änderte: Wechsel ins AsylbLG für Neuankömmlinge

    Im Zuge der politischen Debatten über eine stärkere Differenzierung im Aufenthaltsrecht beschlossen Bundesregierung und Bundestag Ende 2024 eine wesentliche Änderung: Neu ankommende ukrainische Geflüchtete (Einreise ab bestimmten Stichtagen) werden nicht mehr automatisch dem SGB-II-System zugeordnet, sondern zunächst im Rahmen des Asylbewerberleistungsgesetzes (AsylbLG) versorgt.

    Das hat direkte Folgen für den AVGS-Zugang:

    • Personen im AsylbLG erhalten keine AVGS-Leistungen der Bundesagentur für Arbeit
    • Der Arbeitsmarktzugang ist eingeschränkt — Arbeitserlaubnispflicht greift
    • Maßnahmen der Jobcenter (SGB II) stehen nicht zur Verfügung
    • Länder- und kommunale Programme können teilweise Lücken füllen

    Achtung: Wenn du nach dem 01.04.2025 nach Deutschland eingereist bist und noch keinen § 24-Status erteilt bekommen hast, solltest du umgehend anwaltliche oder behördliche Beratung suchen. Die genaue Einordnung hängt vom jeweiligen Bescheid ab.

    Wer hat 2026 noch AVGS-Anspruch? Die Kriterienübersicht

    Die gute Nachricht: Die große Mehrheit der bereits in Deutschland lebenden ukrainischen Geflüchteten ist weiterhin anspruchsberechtigt. Hier ist eine klare Übersicht:

    • § 24 AufenthG-Status + Bürgergeld (SGB II) — voller AVGS-Zugang über das Jobcenter
    • Erwerbstätig mit Aufenthaltserlaubnis zum Zweck der Arbeit — AVGS über die Agentur für Arbeit möglich, wenn mindestens 15 Wochen arbeitslos oder kurzfristig angemeldet
    • Langzeitarbeitslose mit gültigem Aufenthaltstitel — AVGS nach § 45 SGB III (Aktivierungsgutschein) sehr wahrscheinlich
    • Rentennahe Altersgruppen (55+) — spezielle Förderprogramme ergänzend zum AVGS prüfen
    • Alleinerziehende mit Kindern — häufig bevorzugter Zugang zu Maßnahmen nach SGB II

    Faustregel 2026: Wer Bürgergeld bezieht und einen regulären Aufenthaltstitel hat, hat auch AVGS-Anspruch. Der Status des Aufenthaltstitels (§ 24, Niederlassungserlaubnis, Arbeitsvisum) beeinflusst, ob das Jobcenter oder die Agentur für Arbeit zuständig ist — nicht ob der AVGS grundsätzlich infrage kommt.

    Die neue Grundsicherung ab Juli 2026: Was ändert sich für Geflüchtete?

    Das geplante Reformpaket Grundsicherung 2026 sieht ab Juli 2026 strukturelle Änderungen am SGB-II-System vor. Für ukrainische Geflüchtete sind dabei folgende Punkte relevant:

    • Stärkere Mitwirkungspflichten bei Qualifizierungsmaßnahmen — wer AVGS-Angebote ohne triftigen Grund ablehnt, riskiert Kürzungen
    • Neue Integrationsvereinbarungen mit verbindlichem Charakter: Sprachnachweise werden stärker gewichtet
    • Priorisierung von Maßnahmen mit Beschäftigungsgarantie — staatlich geförderte AVGS-Anbieter müssen Vermittlungsquoten nachweisen
    • Vereinfachte Anerkennungsverfahren für Auslandsabschlüsse sollen in das AVGS-System integriert werden
    • Mehr Flexibilität bei Online-Coaching-Maßnahmen — relevant für Menschen mit Kinderbetreuungspflichten

    Im Kern bedeutet das: Der AVGS bleibt erhalten und wird sogar gestärkt — aber die Anforderungen an aktive Mitarbeit steigen. Wer als ukrainische Person in Deutschland bleiben und sich integrieren möchte, sollte den AVGS aktiv nutzen und nicht passiv abwarten.

    5 praktische Tipps: Sprachbarrieren beim Jobcenter überwinden

    Eine der größten Hürden für ukrainische Geflüchtete ist die Kommunikation mit deutschen Behörden. Diese fünf Tipps helfen dir, trotz Sprachbarriere zu deinem Recht zu kommen:

    Tipp 01

    Dolmetscher aktiv einfordern

    Das Jobcenter ist gesetzlich verpflichtet, für ein Mindestmaß an Verständigung zu sorgen. Fordere schriftlich (per E-Mail) einen ukrainisch- oder russischsprachigen Dolmetscher für deinen Termin an. Viele Jobcenter arbeiten mit Sprachmittlerdiensten zusammen — frag explizit danach. Notfalls darf ein Freund oder eine Vertrauensperson als informeller Dolmetscher mitkommen.

    Tipp 02

    Schriftliche Kommunikation bevorzugen

    Stelle Anträge und Fragen immer schriftlich per E-Mail oder Brief. So hast du einerseits Nachweise über deine Anfragen, andererseits kannst du Texte in aller Ruhe übersetzen. Nutze DeepL oder Google Translate als erste Orientierung — aber lass wichtige Dokumente durch eine Beratungsstelle gegenlesen, bevor du sie einreichst.

    Tipp 03

    Beratungsstellen für Geflüchtete nutzen

    In fast jeder deutschen Großstadt gibt es kostenlose Migrationsberatungsstellen (z.B. von AWO, Caritas, Diakonie oder der Wohlfahrtsverbände), die häufig Mitarbeitende mit ukrainischen oder russischen Sprachkenntnissen haben. Diese können dich zu Beratungsgesprächen begleiten, Formulare erklären und dich auf deine Rechte hinweisen. Suche gezielt nach „Migrationsberatung + deine Stadt“.

    Tipp 04

    Auf Coaches mit Russisch/Ukrainisch setzen

    Wenn du einen Aktivierungsgutschein bekommst, hast du in vielen Fällen die freie Wahl des Anbieters. Suche gezielt nach AZAV-zertifizierten Coaching-Anbietern, die über muttersprachliche Coaches verfügen. In Berlin, Hamburg, München und anderen Großstädten gibt es spezialisierte Anbieter für ukrainische und russischsprachige Klienten. Frage beim Jobcenter explizit nach einer Liste solcher Anbieter oder recherchiere über die KURSNET-Datenbank der BA.

    Tipp 05

    Widerspruchsrecht kennen und nutzen

    Wenn dein AVGS-Antrag abgelehnt wird, hast du das Recht auf Widerspruch — in der Regel innerhalb eines Monats nach Bescheiddatum. Ein Widerspruch muss schriftlich eingereicht werden. Für ukrainische Geflüchtete bieten viele Beratungsstellen kostenlose Unterstützung bei Widerspruchsschreiben an. Lass dich nicht durch einen Ablehnungsbescheid entmutigen: Viele Widersprüche sind erfolgreich.

    Coaches mit russisch-/ukrainischsprachigem Support finden

    Seit 2022 hat sich ein wachsendes Netzwerk an Karrierecoaches und Beratungseinrichtungen entwickelt, die speziell auf die Bedürfnisse ukrainischer Geflüchteter ausgerichtet sind. Hier sind die besten Anlaufstellen:

    • KURSNET der Bundesagentur für Arbeit — Datenbank für alle AZAV-zertifizierten Anbieter, filterbar nach Region und Sprache
    • Faire Integration (faire-integration.de) — kostenlose Beratung für Geflüchtete in vielen Sprachen
    • Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) — Integrationskurse und Beratungsnetzwerk
    • Ukraine Hilfe Deutschland e.V. — lokale Netzwerke mit Coaching-Angeboten
    • LinkedIn-Gruppen für ukrainische Fachkräfte in Deutschland — Empfehlungen aus der Community sind Gold wert
    • Facebook-Gruppen „Ukrainer in [Stadt]“ — sehr aktive Communities mit Erfahrungsberichten zu Jobcentern und Coaches

    Tipp: Frage beim AVGS-Anbieter vor der Buchung explizit: „Gibt es bei Ihnen Coaches, die auf Ukrainisch oder Russisch kommunizieren können?“ Viele Anbieter haben das, bewerben es aber nicht aktiv nach außen.

    Den Lebenslauf Deutschland-kompatibel machen

    Ein ukrainischer Lebenslauf unterscheidet sich strukturell deutlich von dem, was deutsche Arbeitgeber erwarten. Mit einem AVGS-Coaching kannst du genau daran arbeiten. Die wichtigsten Unterschiede:

    • Kein Foto bei Online-Bewerbungen großer Konzerne — wird in Deutschland zunehmend optional
    • Rückwärtschronologische Reihenfolge: Aktuellste Stelle zuerst (in der Ukraine oft anders)
    • Lücken erklären: Fluchterfahrung ist in Deutschland ein akzeptierter Lückengrund — klar und kurz benennen
    • Ehrenamtliches Engagement gleichwertig aufführen — wird in Deutschland sehr geschätzt
    • Sprache anpassen: B2-Deutschkenntnisse offen kommunizieren — viele Arbeitgeber schätzen Ehrlichkeit mehr als Übertreibungen
    • Anschreiben: In Deutschland erwartet, in der Ukraine weniger üblich — muss auf die Stelle zugeschnitten sein

    Anerkennung ausländischer Abschlüsse: So funktioniert es 2026

    Viele ukrainische Geflüchtete haben hervorragende Qualifikationen — als Ärztinnen, Ingenieure, Lehrerinnen, IT-Fachleute. Ohne Anerkennung des Abschlusses bleibt das Potenzial jedoch ungenutzt. Die wichtigsten Schritte:

    • Anabin-Datenbank der KMK prüfen: Erste Anlaufstelle für die Anerkennung von Hochschulabschlüssen aus der Ukraine
    • BIBB-Anerkennungsportal (anerkennung-in-deutschland.de) nutzen: Berufsbildungsabschlüsse, klare Schritt-für-Schritt-Anleitung auf Ukrainisch verfügbar
    • Qualifikationsanalyse beantragen: Wenn Dokumente im Krieg verloren gingen, gibt es die Möglichkeit, Kompetenzen auch ohne Papiere nachzuweisen
    • AVGS für Anpassungsqualifizierungen nutzen: Wenn du 70–80% der deutschen Anforderungen erfüllst, kann eine Brückenmaßnahme über den AVGS finanziert werden
    • Anerkennungsberatung (IQ-Netzwerk) in Anspruch nehmen — kostenlos und in vielen Sprachen

    Der AVGS ist besonders wertvoll als Brückeninstrument: Er finanziert Coachings und Qualifizierungen, die dabei helfen, Lücken zwischen ukrainischer und deutscher Qualifikation zu schließen — und so den Weg zur vollständigen Anerkennung zu ebnen.

    Karriereberatung & Coaching

    Deine Selbstständigkeit nach dem AVGS?

    Du hast Qualifikationen, die du als Selbstständiger einsetzen möchtest? Plan Genial bietet AVGS-Coaching für den Weg in die Selbstständigkeit sowie Gründungsberatung für Menschen mit Migrationshintergrund — auf Deutsch und mit interkulturellem Verständnis.

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    Häufige Fragen (FAQ)

    Kann ich den AVGS auch beantragen, wenn ich nur wenig Deutsch spreche?

    Ja, Sprachkenntnisse sind keine formale Voraussetzung für den AVGS-Antrag. Das Jobcenter ist verpflichtet, für Verständigung zu sorgen. Du kannst einen schriftlichen Antrag auf Ukrainisch oder Russisch einreichen und gleichzeitig um einen Dolmetscher für das Beratungsgespräch bitten. Viele AVGS-Anbieter bieten zudem Coaching auf Russisch oder Ukrainisch an.

    Gilt mein AVGS auch für Online-Coaching-Angebote?

    Ja, seit der Digitalisierungsoffensive der Bundesagentur für Arbeit (2020/2021) sind Online-Maßnahmen beim AVGS explizit zugelassen — vorausgesetzt, der Anbieter ist AZAV-zertifiziert. Online-Coaching ist gerade für Geflüchtete mit Kinderbetreuungspflichten besonders vorteilhaft, da Termine flexibel von zu Hause aus wahrgenommen werden können.

    Was passiert mit meinem AVGS, wenn ich von § 24 AufenthG auf eine reguläre Aufenthaltserlaubnis wechsle?

    Ein Statuswechsel ändert in der Regel nichts an deinem laufenden AVGS. Wenn du einen bereits ausgestellten Gutschein hast, kannst du ihn weiterhin nutzen. Bei Neuanträgen nach dem Statuswechsel bist du je nach neuer Aufenthaltserlaubnis weiterhin anspruchsberechtigt, sobald du die allgemeinen Kriterien erfüllst (z.B. mindestens 15 Wochen beim Arbeitgeber). Lass dich im Zweifelsfall von deinem Jobcenter oder der Agentur für Arbeit beraten.

    Mein AVGS-Antrag wurde abgelehnt — was kann ich tun?

    Zunächst: Nicht entmutigen lassen. Du hast das gesetzliche Recht auf Widerspruch innerhalb von einem Monat nach Erhalt des Ablehnungsbescheids. Lasse den Bescheid von einer kostenlosen Beratungsstelle (z.B. Migrationsberatung, Sozialdienst) prüfen. Viele Ablehnungen sind formale Fehler oder basieren auf falschen Voraussetzungsannahmen, die sich im Widerspruchsverfahren korrigieren lassen.

    Kann ich den AVGS auch nutzen, um eine Umschulung zu finanzieren?

    Für längere Umschulungen (mehr als 6 Monate) ist der AVGS allein in der Regel nicht ausreichend. Hier kommen andere Instrumente wie der Bildungsgutschein (BGS) ins Spiel, der für umfangreichere Weiterbildungen konzipiert ist. Der AVGS eignet sich hingegen gut für kurzfristige Qualifizierungen, Coachings (Bewerbung, Gründung, Karriere) und die Vorbereitung auf Anerkennungsprüfungen. Sprich mit deinem Fallmanager über die beste Kombination beider Instrumente.

    Gibt es spezielle AVGS-Programme, die nur für ukrainische Geflüchtete sind?

    Den klassischen AVGS als solchen gibt es nicht in einer „ukrainischen Variante“ — er ist ein allgemeines Förderinstrument. Allerdings haben viele Bundesländer seit 2022 ergänzende Sonderprogramme aufgelegt, die sich speziell an ukrainische Geflüchtete richten und parallel zum AVGS genutzt werden können. Informiere dich bei deinem Jobcenter, dem BAMF oder der Migrationsberatung in deiner Stadt über solche Landesprogramme.

    AVGS jetzt beantragen — wir helfen dir dabei

    Du weißt nicht, wie du den AVGS beantragen sollst? Unsere kostenlose Erstberatung führt dich Schritt für Schritt durch den Prozess — auch mit Sprachunterstützung.

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    Fazit: AVGS 2026 für ukrainische Geflüchtete — aktiv nutzen

    Die Rechtslage für ukrainische Geflüchtete ist 2026 differenzierter als noch 2022/2023 — aber die Kernbotschaft bleibt: Wer in Deutschland Bürgergeld bezieht und einen gültigen Aufenthaltstitel hat, hat in aller Regel auch AVGS-Anspruch. Die Änderungen ab April 2025 betreffen vor allem Neuankömmlinge, nicht die bereits integrierten Geflüchteten.

    Nutze den AVGS aktiv, um deinen Lebenslauf zu optimieren, deine Sprachkenntnisse zu verbessern, Abschlüsse anerkennen zu lassen oder den Weg in die Selbstständigkeit zu planen. Die Werkzeuge sind vorhanden — du musst sie nur einfordern.

  • Der komplette Förder-Fahrplan für Arbeitsuchende 2026: AVGS, Bildungsgutschein & mehr | by Maik Marx

    Kompletter Förder-Fahrplan 2026

    Der komplette Förder-Fahrplan für Arbeitsuchende 2026:
    AVGS, Bildungsgutschein & mehr

    Alle vier staatlichen Förderinstrumente im Überblick: Wer bekommt was, wie kombiniert man sie optimal, und was ändert sich ab Juli 2026 durch die neue Grundsicherung?

    ca. 14 Min. Lesezeit Aktualisiert: 10. März 2026 von Maik Marx Entscheidungsbaum + Aktionsplan enthalten
    Das erwartet dich in diesem Artikel: Du lernst alle vier staatlichen Förderinstrumente kennen — AVGS, Bildungsgutschein (BGS), Weiterbildungsgeld (150 €/Monat) und das neue Qualifizierungschancengesetz (QCG). Ein Entscheidungsbaum hilft dir, das richtige Instrument zu wählen. Drei konkrete Kombinations-Strategien zeigen, wie du mehrere Förderungen gleichzeitig nutzt. Und ein 5-Schritte-Aktionsplan macht dich startklar.

    Die 4 Förderinstrumente im Überblick

    Das deutsche System der Arbeitsförderung bietet vier zentrale Instrumente — jedes mit eigenem Fokus, eigenen Voraussetzungen und eigenen Leistungsumfang. Hier alle vier im direkten Überblick:

    Instrument 1

    Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS)

    Der AVGS ermöglicht Arbeitslosen die Inanspruchnahme privater Maßnahmenträger für Bewerbungscoaching, Qualifizierungen und aktive Stellenvermittlung — ohne eigene Kosten.

    bis 5.000 € / Maßnahme
    • Wer stellt aus? Agentur für Arbeit / Jobcenter
    • Anspruch ab 6 Wochen Arbeitslosigkeit
    • Laufzeit 3–6 Monate
    • Träger-Pflicht AZAV-Zertifizierung
    • Vermittlungsprämie bis 2.500 € möglich
    Instrument 2

    Bildungsgutschein (BGS)

    Der Bildungsgutschein finanziert berufliche Weiterbildungsmaßnahmen vollständig — inklusive Lehrgangskosten, Lernmittel, Prüfungsgebühren und ggf. Fahrkosten.

    bis 10.000 € / Maßnahme
    • Wer stellt aus? Agentur für Arbeit / Jobcenter
    • Anspruch ab sofort bei Arbeitslosigkeit
    • Laufzeit bis 36 Monate
    • Träger-Pflicht AZAV-Zertifizierung
    • Kombinierbar mit Weiterbildungsgeld
    Instrument 3

    Weiterbildungsgeld (150 €/Monat)

    Ergänzendes Fördergeld für Teilnehmende an geförderter Weiterbildung. Wird zusätzlich zum Arbeitslosengeld oder Bürgergeld für die Dauer der Weiterbildung gezahlt.

    150 € / Monat extra
    • Wer zahlt? Agentur für Arbeit
    • Voraussetzung aktiver Bildungsgutschein
    • Dauer gesamte Weiterbildungszeit
    • Anrechnung nicht auf ALG / Bürgergeld
    • Seit Weiterbildungsgesetz 2024
    Instrument 4

    Qualifizierungschancengesetz (QCG)

    Das QCG fördert Beschäftigte (nicht nur Arbeitslose) bei strukturellen Veränderungen durch Digitalisierung, KI oder Transformation — Arbeitgeber erhalten Lohnkosten-Zuschüsse.

    bis 100% Lohnkostenzuschuss
    • Zielgruppe Beschäftigte in Betrieben
    • Antrag durch Arbeitgeber + Arbeitnehmer
    • Zuschuss 25–100% je Betriebsgröße
    • Kombinierbar mit Weiterbildungsgeld
    • Besonders für KI/Digitalisierungs-Skills

    Entscheidungsbaum: Welches Instrument passt zu dir?

    Mit diesem Entscheidungsbaum findest du in wenigen Schritten das richtige Förderinstrument für deine Situation:

    Förderinstrument-Entscheidungsbaum 2026

    ► START: Was ist deine aktuelle Situation?
    ↓
    Frage 1: Bist du aktuell arbeitslos oder arbeitsuchend?
    ↓
    ✓ Ja — arbeitslos / arbeitsuchend

    Weiter zu Frage 2 ↓

    Frage 2: Willst du dich aktiv bewerben oder eine neue Qualifikation aufbauen?
    Bewerbung / Vermittlung
    ➜ AVGS beantragen
    Coaching, CV, LinkedIn, Vermittlung
    Neue Qualifikation
    ➜ Bildungsgutschein (BGS)
    + 150 € Weiterbildungsgeld
    ✗ Nein — ich bin beschäftigt

    Weiter zu Frage 3 ↓

    Frage 3: Ist dein Job von Digitalisierung oder strukturellem Wandel betroffen?
    Ja, betroffen
    ➜ QCG (mit Arbeitgeber)
    Lohnkosten-Zuschuss bis 100%
    Nein, nicht betroffen
    ➜ QCG prüfen lassen
    Beratung bei der Agentur!
    ⓘ BONUS-TIPP: Kombinationen immer prüfen!
    In vielen Fällen lassen sich AVGS + BGS + Weiterbildungsgeld gleichzeitig nutzen. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

    3 Kombinations-Strategien für maximale Förderung

    Das Geheimnis liegt in der Kombination. Wer die Instrumente richtig stapelt, kann innerhalb eines Jahres staatliche Förderleistungen im fünfstelligen Bereich in Anspruch nehmen:

    1

    Die Bewerbungs-Powerkombo

    Erst den AVGS für professionelles Bewerbungscoaching nutzen, parallel den BGS für eine kompakte IT/Soft-Skills-Weiterbildung beantragen. Beide laufen gleichzeitig — der AVGS-Träger begleitet aktiv bei der Jobsuche.

    AVGS (Coaching) BGS (Weiterbildung) 150 €/Monat Extra
    bis ~7.500 € Förderung gesamt + monatliches Weiterbildungsgeld
    2

    Die Neustart-Strategie

    BGS für eine 6–12 Monats-Umschulung (z. B. IT, Pflege, Logistik) + Weiterbildungsgeld während der gesamten Laufzeit. Nach Abschluss sofort AVGS für gezielte Vermittlung in den neuen Beruf beantragen.

    BGS (Umschulung) 150 €/Monat Extra AVGS (danach)
    bis ~11.800 € (BGS + 12× 150 € + anschließend AVGS)
    3

    Die Transitions-Strategie (für Beschäftigte)

    QCG beim Arbeitgeber beantragen für KI/Digitalisierungs-Weiterbildung. Arbeitgeber erhält Lohnkostenzuschuss bis 100%. Mitarbeiter bekommt zusätzlich Weiterbildungsgeld 150 €/Monat ohne Kürzung des Gehalts.

    QCG (Arbeitgeber) 150 €/Monat Extra Qualifikation
    Keine Eigenkosten + 150 €/Monat zusätzlich zum vollen Gehalt
    ⓘ
    Wichtiger Hinweis zur Kombinierbarkeit AVGS und BGS können grundsätzlich parallel genutzt werden, wenn sie verschiedene Zwecke haben (Coaching ≠ Weiterbildung). Besprich die konkrete Kombination immer vorab mit deinem Arbeitsvermittler — eine schriftliche Genehmigung ist empfehlenswert.

    Ab Juli 2026: 5 Änderungen durch die neue Grundsicherung

    Mit dem zum 1. Juli 2026 geplanten Inkrafttreten der Grundsicherungsreform (Nachfolger des Bürgergelds) ändern sich fünf wichtige Aspekte der Förderung:

    1
    Ab 1. Juli 2026
    Erhöhter Regelsatz und neue Bedarfsstufen

    Der Regelsatz der neuen Grundsicherung wird inflationsbereinigt angepasst. Gleichzeitig werden die Bedarfsstufen für Alleinstehende, Paare und Bedarfsgemeinschaften neu strukturiert. Wer aktiv an Fördermaßnahmen teilnimmt, erhält einen Bonus-Satz von bis zu 75 €/Monat zusätzlich.

    Direkte Auswirkung auf BGS + Weiterbildungsgeld
    2
    Ab 1. Juli 2026
    Stärkere Mitwirkungspflichten bei Förderangeboten

    Leistungsberechtigte müssen Förderangebote wie AVGS oder BGS aktiver annehmen. Ablehnung ohne triftigen Grund kann zu temporären Leistungsminderungen führen. Die Kulanzregeln des Bürgergelds (Vertrauenszeit 6 Monate) entfallen.

    Betrifft: Alle Leistungsempfänger im SGB II
    3
    Ab 1. Juli 2026
    Digitales Förder-Konto: Alle Instrumente auf einem Blick

    Die Bundesagentur für Arbeit führt ein einheitliches digitales Förder-Konto ein. Alle bewilligten Maßnahmen (AVGS, BGS, Weiterbildungsgeld) sind dort einsehbar — inklusive Restlaufzeit, genutzter Beträge und anstehender Termine.

    Neue: jobcenter-digital.de ab Q3 2026
    4
    Ab 1. Juli 2026
    Schnellere AVGS-Ausgabe — Rechtsanspruch nach 4 Wochen

    Neu: Wer länger als 4 Wochen arbeitslos ist und einen AVGS-Antrag stellt, hat Rechtsanspruch auf Ausstellung innerhalb von 10 Werktagen. Bisher war die Ausgabe im Ermessen des Vermittlers. Dies stärkt die Rechtssicherheit für Antragsteller erheblich.

    AVGS wird Pflichtleistung (§ 45 SGB III neu)
    5
    Ab 1. Juli 2026
    Weiterbildungsgeld steigt auf 200 €/Monat

    Das Weiterbildungsgeld wird von 150 € auf 200 € pro Monat erhöht. Für Teilnehmende an Umschulungen über 12 Monate gilt ein erhöhter Satz von 250 €/Monat ab dem 7. Monat. Die Nicht-Anrechenbarkeit auf ALG und Grundsicherung bleibt bestehen.

    +50 €/Monat = bis +600 €/Jahr mehr Förderung
    ⚠️
    Stand April 2026 — Gesetzentwurf noch nicht final beschlossen Die hier beschriebenen Änderungen basieren auf dem aktuellen Regierungsentwurf (Stand März 2026). Die finale Verabschiedung durch den Bundesrat steht noch aus. Prüfe die aktuellen Beschlüsse auf bundesregierung.de oder informiere dich bei deiner Arbeitsvermittlung.

    Dein persönlicher 5-Schritte-Aktionsplan

    So gehst du konkret vor — vom ersten Gespräch bis zur Vermittlung:

    ▶ Dein Förder-Fahrplan: 5 Schritte zum Erfolg

    1

    Status prüfen

    Arbeitsvermittler-Termin vereinbaren — Arbeitslos-Meldung, Anspruch auf ALG I/II klären

    2

    Ziel definieren

    Klare Antwort: Bewerbung aktiv unterstützen oder neue Qualifikation aufbauen?

    3

    Instrumente beantragen

    AVGS und/oder BGS formell beantragen, Träger aus KURSNET-Datenbank auswählen

    4

    Kombination nutzen

    Weiterbildungsgeld zusätzlich beantragen — kommt automatisch bei BGS-Maßnahmen

    5

    Aktiv bleiben

    Fortschritte dokumentieren, Gutschein vor Ablauf einlösen, Verlängerung rechtzeitig anfragen

    Vergleichstabelle: Alle 4 Instrumente auf einen Blick

    KriteriumAVGSBildungsgutscheinWeiterbildungsgeldQCG
    ZielgruppeArbeitslose, ArbeitsuchendeArbeitslose, ArbeitsuchendeBGS-/QCG-TeilnehmendeBeschäftigte im Betrieb
    Max. Förderungbis 5.000 €bis 10.000 €150–200 €/Monatbis 100% Lohnkosten
    Antrag beiAgentur / JobcenterAgentur / JobcenterAgentur (auto.)Arbeitgeber + Agentur
    AZAV-Zertifizierung nötig✓ Ja✓ Ja✗ Nein✓ Ja
    Anrechenbar auf ALG/Bürgergeld✗ Nein✗ Nein✗ Nein— Nicht relevant
    Mit AVGS kombinierbar— selbst✓ Ja✓ Ja— separat
    Online-Maßnahmen möglich✓ Ja✓ Ja✓ Ja✓ Ja
    Vermittlungsprämie✓ bis 2.500 €✗ Nein✗ Nein✗ Nein
    Gültigkeitsdauer3–6 Monatebis 36 MonateDauer der MaßnahmeDauer der Weiterbildung
    Eigenbeteiligung✗ Keine✗ Keine✗ KeineArbeitgeber-Anteil je nach Größe

    Die 6 häufigsten Fehler — und wie du sie vermeidest

    ⚠

    Gutschein zu spät einlösen

    AVGS-Gutscheine haben eine Befristung von 3–6 Monaten. Wer zu lange wartet, riskiert, dass der Gutschein abläuft. Lösung: Sofort nach Ausstellung Träger kontaktieren und Maßnahme starten.

    ⚠

    Nicht-AZAV-zertifizierte Träger wählen

    Nur AZAV-zertifizierte Träger können AVGS und BGS abrechnen. Lösung: Immer zuerst AZAV-Zertifikat des Anbieters prüfen — steht auf deren Website oder im KURSNET-Portal.

    ⚠

    Weiterbildungsgeld vergessen zu beantragen

    Viele denken, es läuft automatisch. Das Weiterbildungsgeld muss aktiv beantragt werden — auch wenn der BGS bereits genehmigt ist. Lösung: Immer parallel beantragen.

    ⚠

    Kombination ohne Absprache starten

    Wer eigenständig AVGS + BGS kombiniert, ohne Rücksprache mit dem Jobcenter, riskiert Bewilligungsprobleme. Lösung: Immer erst Absprache, dann Beantragung.

    ⚠

    Qualität des Trägers ignorieren

    AZAV-Zertifizierung bedeutet nicht automatisch Qualität. Manche Anbieter liefern minderwertige Coaching-Leistungen. Lösung: Bewertungen prüfen, Probeberatung einfordern, Referenzen anfragen.

    ⚠

    QCG-Chance als Beschäftigter nicht nutzen

    Viele Beschäftigte wissen nicht, dass ihr Arbeitgeber QCG für sie beantragen kann. Lösung: Aktiv beim Arbeitgeber nachfragen, ob QCG-Förderung für die eigene Stelle beantragt werden kann.

    7 häufig gestellte Fragen (FAQ)

    Kann ich AVGS und Bildungsgutschein gleichzeitig haben? ⌄

    Grundsätzlich ja — wenn beide Instrumente verschiedene Zwecke haben. Der AVGS deckt Aktivierungs- und Vermittlungsmaßnahmen ab, der BGS hingegen formale Weiterbildungen. Die gleichzeitige Nutzung ist möglich, bedarf aber der ausdrücklichen Genehmigung durch deinen Arbeitsvermittler.

    Praktisch: AVGS für Bewerbungscoaching + BGS für eine Online-Weiterbildung in Projektmanagement — das ist eine klassische und oft genehmigte Kombination.

    Wie lange ist ein AVGS gültig und kann er verlängert werden? ⌄

    Ein AVGS ist in der Regel 3 bis 6 Monate gültig. Die genaue Laufzeit steht auf dem Gutschein selbst. Eine Verlängerung ist möglich, aber nicht garantiert. Wichtig: Die Verlängerung muss vor Ablauf beantragt werden, nicht danach.

    Wenn du nach Ablauf des AVGS noch arbeitslos bist, kann ein neuer AVGS ausgestellt werden — das ist kein Problem. Manche Vermittler stellen neue AVGS-Typen aus (z. B. Typ C für Langzeitarbeitslose nach 12 Monaten).

    Bekomme ich das Weiterbildungsgeld (150 €) auch bei Online-Kursen? ⌄

    Ja! Das Weiterbildungsgeld wird unabhängig vom Format der Weiterbildung gezahlt — also sowohl bei Präsenz- als auch bei Online-Kursen, sofern die Maßnahme über einen gültigen Bildungsgutschein finanziert wird.

    Voraussetzung ist, dass der Online-Kurs von einem AZAV-zertifizierten Träger angeboten wird und der BGS ausdrücklich für diese Maßnahme ausgestellt wurde. Das Weiterbildungsgeld (ab Juli 2026: 200 €/Monat) wird monatlich ausgezahlt.

    Ich bin selbstständig — kann ich AVGS oder BGS trotzdem bekommen? ⌄

    Das hängt von deiner konkreten Situation ab. Als Selbstständige/r mit geringem Einkommen und Anspruch auf Bürgergeld kannst du grundsätzlich AVGS und BGS beantragen — vorausgesetzt, du bist bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter als arbeitsuchend gemeldet.

    Reine Selbstständige ohne Bürgergeld-Bezug haben keinen automatischen Anspruch, können aber im Einzelfall gefördert werden. Das QCG ist für Selbstständige in der Regel nicht zugänglich (gilt nur für Beschäftigte in Betrieben).

    Was passiert, wenn ich die Weiterbildung abbricht? ⌄

    Ein Abbruch ohne wichtigen Grund kann Konsequenzen haben. Bei BGS-geförderten Weiterbildungen gilt:

    • Das Weiterbildungsgeld entfällt ab dem Monat nach dem Abbruch
    • Es können Sperrzeiten beim ALG I drohen (bis zu 12 Wochen)
    • Bei Bürgergeld kann eine Leistungsminderung folgen

    Bei einem wichtigen Grund (Krankheit, Wegfall des Trägers, familiäre Notsituation) gibt es keine Konsequenzen. Informiere deinen Arbeitsvermittler sofort und halte alles schriftlich fest.

    Wie bekomme ich den QCG als Arbeitnehmer — was muss ich aktiv tun? ⌄

    Das QCG wird immer gemeinsam von Arbeitgeber und Arbeitnehmer beantragt. Als Arbeitnehmer gibt es drei Schritte:

    • Schritt 1: Spreche deinen Arbeitgeber aktiv an — viele Unternehmen wissen nicht, dass sie QCG beantragen können.
    • Schritt 2: Beide Seiten stellen gemeinsam einen Antrag bei der Agentur für Arbeit (Formular KSW 1).
    • Schritt 3: Du beantragst gleichzeitig das Weiterbildungsgeld — 150 € (ab Juli 2026: 200 €) monatlich zusätzlich zu deinem Gehalt.

    Der Zuschuss des Arbeitgebers richtet sich nach Betriebsgröße: Kleine Betriebe (unter 10 Mitarbeiter) erhalten bis zu 100%, mittlere bis zu 50%, große bis zu 25% der Lohnkosten während der Weiterbildung.

    Ändern sich die Förderleistungen wirklich ab Juli 2026 — oder ist das noch unsicher? ⌄

    Stand April 2026 ist der Gesetzentwurf zur Grundsicherungsreform (Ablösung des Bürgergelds) im parlamentarischen Verfahren. Der Bundesrat muss noch zustimmen. Folgende Punkte gelten als weitgehend gesichert:

    • Erhöhung des Weiterbildungsgelds auf 200 €/Monat
    • Digitales Förder-Konto (jobcenter-digital.de)
    • Rechtsanspruch auf AVGS nach 4 Wochen Arbeitslosigkeit

    Weniger sicher sind die konkreten Leistungsminderungsregeln bei Ablehnung von Förderangeboten. Prüfe den aktuellen Stand immer auf bundesagentur.de oder frage direkt bei deiner Arbeitsvermittlung nach.

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    Quellen & weiterführende Informationen

    • Bundesagentur für Arbeit: Merkblatt AVGS (§ 45 SGB III) — bundesagentur.de
    • Bundesministerium für Arbeit: Weiterbildungsgesetz 2024 — bmas.de
    • KURSNET-Datenbank: Zertifizierte AZAV-Träger — kursnet.de
    • Gesetzentwurf Grundsicherungsreform 2026 (Stand März 2026) — bundesregierung.de
    • SGB III §§ 45, 81, 82 (Förderinstrumente), SGB II § 16g (Weiterbildungsgeld)