Kategorie: AVGS Antrag & Recht

Alles rund um Beantragung, Ablehnung, Widerspruch und Rechtsanspruch

  • Bürgergeld wird abgeschafft: Was die neue Grundsicherung ab Juli 2026 für deinen AVGS bedeutet | by Maik Marx

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    Bürgergeld wird abgeschafft: Was die neue Grundsicherung ab Juli 2026 für deinen AVGS bedeutet

    Bürgergeld Reform 2026 - Reichstag Bundesgesetz
    Artikel anhören — gesprochen von Maik Marx
    ca. 10 Min.

    Der 5. März 2026 war ein historischer Tag für die deutsche Sozialgesetzgebung. Der Bundestag hat mit deutlicher Mehrheit die Abschaffung des Bürgergelds beschlossen — und damit eine der größten Sozialreformen der letzten Jahrzehnte auf den Weg gebracht. Ab dem 1. Juli 2026 tritt die neue Grundsicherung in Kraft.

    Kurze Antwort vorweg

    Der AVGS bleibt. Er bleibt sogar wichtiger denn je. Aber der Weg dorthin und die Rahmenbedingungen rund um seine Einlösung verändern sich spürbar.

    Was der Bundestag am 5. März 2026 beschlossen hat

    Nach monatelangen politischen Debatten hat der Bundestag das „Gesetz zur Reform der Grundsicherung für Arbeitssuchende“ verabschiedet. Es ist das formelle Ende des Bürgergelds.

    Die Kernpunkte der Reform:

    • Das Bürgergeld wird umbenannt und inhaltlich umgebaut zur neuen Grundsicherung
    • Fordern steht wieder gleichrangig neben Fördern
    • Sanktionen werden deutlich verschärft — bis hin zur vollständigen Leistungskürzung (100 %)
    • Mitwirkungspflichten werden erweitert und konkreter gefasst
    • Die Karenzzeiten bei Wohnkosten und Vermögen werden verkürzt
    • Digitale Meldepflichten werden eingeführt
    • Die Eingliederungsvereinbarung wird durch einen verbindlicheren Kooperationsplan mit Rechtswirkung ersetzt
    Was bleibt

    Die Leistungshöhe bleibt zunächst konstant. Der AVGS bleibt als Instrument der aktiven Arbeitsmarktpolitik vollständig erhalten.

    Was sich konkret ab dem 1. Juli 2026 ändert

    Sanktionen bis zu 100 Prozent

    Wer wiederholt gegen Mitwirkungspflichten verstößt — Termine nicht wahrnimmt, zumutbare Arbeit ablehnt oder Maßnahmenbesuche ohne Entschuldigung verpasst — dem können die Leistungen für bis zu drei Monate um bis zu 100 Prozent gekürzt werden. Bei einem erstmaligen Verstoß bleibt es bei 30 Prozent.

    Verschärfte Mitwirkungspflichten

    • Eigeninitiative dokumentieren: Bewerbungsbelege, Absagen, Kontaktaufnahmen
    • Kooperationsplan unterzeichnen mit klaren Zielen, Zeitrahmen und Verpflichtungen
    • Maßnahmenteilnahme ist Pflicht — Fehlzeiten ohne Grund werden gemeldet

    Verkürzung der Karenzzeiten

    Karenzzeiten für Wohnkosten und Vermögen werden von einem Jahr auf sechs Monate halbiert. Wer nach einem halben Jahr noch im Bezug ist, muss sein Vermögen früher einsetzen und höhere Wohnkosten selbst tragen.

    Neue digitale Meldepflichten

    Termine per Videoschalte oder App sind ab Juli verpflichtend möglich. Verpasste digitale Termine gelten wie verpasste Präsenztermine — die Sanktionsregeln greifen gleichermaßen.

    Wichtiger Hinweis

    Die neuen Regeln gelten auch für laufende Leistungsbezüge. Wer bereits Grundsicherung bezieht, ist ab 1. Juli automatisch unter den neuen Bedingungen — ohne neue Antragstellung.

    Der AVGS bleibt — keine Panik

    Der AVGS ist im SGB III verankert — nicht im SGB II. Die Reform des Bürgergelds berührt die rechtliche Grundlage des AVGS nicht direkt. Das ist der entscheidende Punkt, den viele missverstehen.

    Was sich nicht ändert:

    • Du kannst weiterhin einen AVGS beantragen
    • Anerkannte Träger können weiterhin Gutscheine einlösen
    • Die Förderbereiche bleiben unverändert
    • Die maximale Förderdauer bleibt bestehen
    Rechtliche Grundlage

    Der AVGS basiert auf § 45 SGB III (Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung). Das SGB III wird durch die Bürgergeld-Reform nicht geändert.

    Warum AVGS-Coaching jetzt sogar wichtiger wird

    Nachweis der Kooperationsbereitschaft

    Wenn du regelmäßig an einem zertifizierten Coaching teilnimmst, dokumentiert der Träger deine Anwesenheit und Fortschritte. Diese Dokumentation dient dir als konkreter Beleg aktiver Kooperation gegenüber dem Jobcenter.

    Qualifikation als Schutz vor dem Niedriglohnsektor

    Wer sich über ein AVGS-Coaching qualifiziert, hat eine stärkere Argumentation gegen Arbeit unterhalb der eigentlichen Qualifikation. Das Jobcenter kann zumutbare Arbeit nicht unbegrenzt erzwingen — wenn eine laufende Qualifizierungsmaßnahme nachgewiesen ist.

    Coaching erhöht die Vermittlungsquote

    Teilnehmende an Aktivierungsmaßnahmen werden nachweislich schneller und in besser passende Stellen vermittelt. In einer Zeit, in der Sanktionen realer werden, ist das kein Nice-to-have mehr — sondern eine Schutzstrategie.

    Zeitleiste: Was wann in Kraft tritt

    1
    5. März 2026

    Bundestag beschließt die Reform — Verabschiedung des „Gesetzes zur Reform der Grundsicherung für Arbeitssuchende“ mit deutlicher Mehrheit.

    2
    1. April 2026

    Übergangsphase beginnt — Jobcenter informieren Leistungsempfänger über die neuen Regeln, Kooperationspläne werden vorbereitet.

    3
    1. Juli 2026

    Neues Gesetz tritt vollständig in Kraft — Alle neuen Regeln gelten ab sofort, auch für laufende Bezüge. Die neue Grundsicherung ersetzt das Bürgergeld.

    4
    1. Oktober 2026

    Vollständige IT-Umstellung der Jobcenter — Digitale Meldepflichten werden technisch vollständig umgesetzt, neue Softwaresysteme gehen live.

    5
    1. Januar 2027

    Erste Evaluierung durch das BMAS — Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales veröffentlicht erste Zahlen zur Wirksamkeit der Reform.

    FAQ: Die 5 häufigsten Fragen zur Reform

    Verliere ich meinen AVGS, wenn das Bürgergeld abgeschafft wird?

    Nein. Der AVGS ist im SGB III verankert und bleibt vollständig erhalten. Die Bürgergeld-Reform betrifft das SGB II — der AVGS ist davon rechtlich unabhängig. Laufende und noch einzulösende Gutscheine behalten ihre Gültigkeit.

    Muss ich meinen laufenden AVGS jetzt schnell einlösen?

    Nicht wegen der Reform — aber grundsätzlich gilt: Ein AVGS hat eine begrenzte Gültigkeitsdauer (in der Regel sechs Wochen). Diese beginnt mit dem Ausstellungsdatum. Löse ihn zeitnah ein, nicht weil die Reform droht, sondern weil das immer schon so war.

    Kann mir das Jobcenter jetzt einfach Leistungen kürzen?

    Nein, willkürlich nicht. Ein klar geregeltes Sanktionsverfahren bleibt bestehen. Sanktionen müssen schriftlich mitgeteilt werden, du hast Widerspruchsrecht, und Sanktionen sind vor dem Sozialgericht anfechtbar. Neu ist lediglich: Die Sanktionshöhe kann jetzt bis zu 100 % betragen — aber nur bei wiederholten Verstößen.

    Was passiert bei unregelmäßigem AVGS-Coaching-Besuch?

    Unentschuldigte Fehlzeiten in einer AVGS-Maßnahme können als Mitwirkungspflichtverletzung gewertet werden. Der Träger ist verpflichtet, Fehlzeiten an das Jobcenter zu melden. Das war vor der Reform zwar theoretisch möglich, wird aber ab Juli konsequenter gehandhabt. Nimm Coaching-Termine zuverlässig wahr.

    Bekomme ich nach dem 1. Juli 2026 noch einen neuen AVGS?

    Ja, selbstverständlich. Der AVGS-Antrag läuft weiter über dein Jobcenter, genau wie bisher. Es gibt keine Übergangsregelung, die das einschränkt. Im Gegenteil: Da Coaching als Mitwirkungsbeweis gilt, haben Jobcenter sogar ein Interesse daran, AVGS-Maßnahmen zu fördern.

    Handlungsempfehlungen: Was du JETZT tun solltest

    1
    Informiere dich über deinen aktuellen Status Hast du einen laufenden Kooperationsplan? Wenn ja, lies ihn genau durch und kenne deine Pflichten.
    2
    Beantrage jetzt deinen AVGS — wenn du noch keinen hast Vor dem 1. Juli beantragen hat strategische Vorteile: Du kannst die aktuelle Ausgestaltung nutzen.
    3
    Dokumentiere deine Eigenbemühungen lückenlos Alle Bewerbungen, Absagen, Gespräche — am besten in einer Excel-Tabelle oder einem Ordner mit Kopien.
    4
    Informiere deinen Coach über die Änderungen Gute AVGS-Träger kennen die Reform. Frage aktiv nach, ob die Maßnahme deine Kooperationsnachweise dokumentiert.
    5
    Lies deinen Kooperationsplan sorgfältig Der neue Kooperationsplan hat Rechtswirkung. Jeder Punkt ist verbindlich. Bei Unklarheiten sofort ansprechen.
    6
    Hol dir Unterstützung bei Beratungsstellen Sozialverbände wie VdK, AWO oder der Paritätische Wohlfahrtsverband bieten kostenlose Beratung zu den neuen Regelungen.

    Fazit

    Die Reform ist ein spürbarer Einschnitt in das deutsche Grundsicherungssystem. Die Rückkehr zu schärferen Sanktionen, der verbindlichere Kooperationsplan und die erweiterten Mitwirkungspflichten machen eines deutlich: Passives Abwarten wird schwieriger.

    Aber das ist kein Grund zur Panik — es ist ein Grund zur Aktion. Der AVGS ist ein lebendiges, weiterhin verfügbares Instrument. Er ist sogar wertvoller geworden, weil er dir Struktur, Qualifikation und Nachweise gleichzeitig liefert. Nutze ihn.

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  • AVGS beantragen 2026: Die vollständige Schritt-für-Schritt-Anleitung | by Maik Marx

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    AVGS Beantragen 04. 10. Januar 2026

    AVGS beantragen 2026: Die vollständige Schritt-für-Schritt-Anleitung

    AVGS beantragen leicht gemacht: Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Musterantrag, konkreten Formulierungen für den Sachbearbeiter und Tipps für 2026.

    AVGS beantragen – Dokumente und Antrag auf Schreibtisch

    Du möchtest einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein beantragen, weißt aber nicht genau, wie das funktioniert? Diese Anleitung führt dich durch jeden Schritt — von der Voraussetzungsprüfung bis zum ausgefüllten Musterantrag, den du direkt mitnehmst.

    Was ist ein AVGS — und warum lohnt er sich?

    Der AVGS ist ein offizielles Förderinstrument der Bundesagentur für Arbeit. Mit ihm kannst du dir eine private Arbeitsvermittlung, ein Coaching oder eine berufliche Qualifizierungsmaßnahme bezahlen lassen — ohne selbst einen Cent auszugeben.

    Mögliche Maßnahmen, die der Gutschein abdeckt:

    • Vermittlung in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung durch private Agenturen
    • Bewerbungscoaching und professionelle Karriereberatung
    • Eignungsanalysen und Potenzialchecks
    • Berufliche Weiterqualifizierung und Umschulungen
    • Unterstützung bei der Existenzgründung (Gründungsberatung)

    Das Beste daran: Für dich als Leistungsempfänger entstehen keine Kosten. Die Abrechnung läuft direkt zwischen dem zertifizierten Anbieter und der Behörde. Auch wenn der Anbieter dich am Ende nicht vermittelt — du zahlst nichts.

    Wer hat 2026 Anspruch auf einen AVGS?

    Der Kreis der Anspruchsberechtigten ist 2026 weiterhin breit aufgestellt:

    • ALG-I-Empfänger — nach 6 Wochen Arbeitslosigkeit besteht ein gesetzlicher Rechtsanspruch
    • Bürgergeld-Empfänger — Ermessensleistung (Jobcenter entscheidet, kann aber nicht willkürlich ablehnen)
    • Neue Grundsicherung ab Juli 2026 — der AVGS bleibt zentrales Förderinstrument, stärker an Kooperationspläne geknüpft
    • Von Arbeitslosigkeit bedrohte Arbeitnehmer — auch bei drohender Kündigung möglich
    • Rehabilitanden und Menschen mit Behinderung — besondere Förderungsmöglichkeiten
    • Selbstständige nach Aufgabe der Tätigkeit — wenn ALG-I-Anspruch entstanden ist

    Rechtsanspruch vs. Ermessensleistung — der wichtigste Unterschied

    Dieser Unterschied entscheidet darüber, wie du deinen Antrag formulieren musst:

    Rechtsanspruch (§ 45 Abs. 7 SGB III): Du beziehst ALG I und bist seit 6 Wochen arbeitslos — dann MUSS die Agentur für Arbeit dir den AVGS ausstellen. Die Behörde hat keinen Ermessensspielraum.

    Ermessensleistung (Bürgergeld etc.): Das Jobcenter KANN den AVGS ausstellen — muss aber nicht. Hier brauchst du starke Argumente, einen konkreten Anbieter und eine klare Begründung, warum der AVGS in deinem Fall sinnvoll ist.

    Schritt-für-Schritt-Anleitung: So beantragst du den AVGS

    Folge diesen 7 Schritten für einen reibungslosen Antragsprozess:

    1

    Grundlage klären

    Seit wann bist du arbeitslos gemeldet? Welche Behörde ist zuständig (Agentur oder Jobcenter)? Welche Maßnahme möchtest du nutzen?

    2

    Anbieter recherchieren

    Suche einen AZAV-zertifizierten Anbieter über die KURSNET-Datenbank der BA. Die AZAV-Zulassung ist Pflicht — ohne sie kein AVGS.

    3

    Termin buchen

    Beantrage einen Beratungstermin. Erwähne bereits bei der Terminvereinbarung § 45 SGB III — das signalisiert, dass du vorbereitet bist.

    4

    Unterlagen mitbringen

    Personalausweis, Leistungsbescheid, Lebenslauf, Bewerbungsnachweise und die Informationsmappe des gewünschten Anbieters.

    5

    Das Gespräch führen

    Nutze die konkreten Formulierungen weiter unten in diesem Artikel. Bleibe sachlich, bestimmt und freundlich.

    6

    Gutschein einlösen

    Achte auf die Gültigkeitsdauer (meist 3 Monate). Reiche den Gutschein sofort beim Anbieter ein und starte die Maßnahme.

    7

    Maßnahme aktiv nutzen

    Sei zuverlässig, absolviere alle vereinbarten Termine und nutze das Coaching intensiv — nur dann zahlt es sich wirklich aus.

    Formulierungen, die beim Sachbearbeiter funktionieren

    Die richtigen Worte können den Unterschied zwischen Zusage und Ablehnung machen. Hier sind drei bewährte Formulierungen:

    Bei Rechtsanspruch (ALG I + 6 Wochen)

    Wortlaut für den Termin

    „Ich bin seit [Datum] arbeitslos gemeldet und beziehe ALG I. Damit erfülle ich nach § 45 Abs. 7 SGB III die Voraussetzungen für einen Rechtsanspruch auf den AVGS. Ich beantrage diesen heute formell.“

    Bei Ermessensleistung (Bürgergeld)

    Wortlaut für den Termin

    „Mein bisheriges Jobcenter-Coaching hat nicht zu einer Vermittlung geführt. Ich habe einen konkreten AZAV-zertifizierten Anbieter recherchiert, der auf meine Situation spezialisiert ist. Ich bitte um einen AVGS nach § 45 SGB III.“

    Wenn der Sachbearbeiter zögert

    Wortlaut wenn Ablehnung droht

    „Können Sie mir schriftlich erläutern, aus welchen konkreten Gründen ein AVGS in meinem Fall nicht geeignet wäre? Ich benötige das für meine Unterlagen und um eventuelle Rechtsmittel prüfen zu können.“

    Profi-Tipp: Das Wort „schriftlich“ wirkt Wunder. Viele Sachbearbeiter sind dann plötzlich gesprächsbereiter, weil sie wissen, dass eine schriftliche Ablehnung anfechtbar ist.

    Was tun bei Ablehnung?

    Eine Ablehnung ist kein Endurteil. Du hast klare Rechtsmittel:

    • Schriftliche Begründung anfordern — die Behörde ist dazu verpflichtet
    • Widerspruch einlegen — Frist beachten: 1 Monat ab Bekanntgabe des Bescheids
    • Sozialberatung einschalten — kostenlos über Sozialverbände wie VdK oder AWO
    • Klage beim Sozialgericht einreichen — im Sozialrecht gibt es keine Gerichtskosten für die Klage selbst

    Musterantrag: Zum Mitnehmen und Ausfüllen

    Drucke diesen Musterantrag aus, fülle die markierten Felder aus und übergib ihn bei deinem Termin — oder schicke ihn vorab per Post oder E-Mail an deine Behörde.

    Offizieller Musterantrag
    Antrag auf Ausstellung eines AVGS gemäß § 45 SGB III
    Kostenlos verwendbar

    An:
    [Name der Behörde]
    [Adresse]
    [PLZ, Stadt]

    Von:
    [Ihr vollständiger Name]
    [Adresse]
    Kundennummer: [Ihre Kundennummer]

    Datum: [Datum]

    Betreff: Antrag auf Ausstellung eines Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheins (AVGS) gemäß § 45 SGB III

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    hiermit beantrage ich formell die Ausstellung eines Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheins (AVGS) gemäß § 45 SGB III.

    Meine Situation:
    Ich bin seit dem [Datum der Arbeitslosmeldung] arbeitslos gemeldet und befinde mich im Leistungsbezug [ALG I / Bürgergeld]. Trotz aktiver Eigenbemühungen — ich habe bislang [Anzahl] Bewerbungen eingereicht — ist eine Vermittlung in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bisher nicht gelungen.

    Mein Ziel:
    Ich möchte [private Arbeitsvermittlung / Bewerbungscoaching / Qualifizierungsmaßnahme] in Anspruch nehmen. Der Anbieter [Name des Anbieters] verfügt über eine gültige AZAV-Zulassung (Zulassungsnummer: [Nummer, falls bekannt]) und ist auf meine Berufsgruppe spezialisiert.

    Rechtliche Grundlage:
    [Option A: Da ich ALG I beziehe und seit mehr als 6 Wochen arbeitslos bin, habe ich gemäß § 45 Abs. 7 SGB III einen Rechtsanspruch auf den AVGS.]
    [Option B: Ich bitte um wohlwollende Prüfung meines Antrags nach pflichtgemäßem Ermessen gemäß § 45 SGB III.]

    Ich bitte um eine schriftliche Entscheidung über meinen Antrag sowie um Ausstellung des AVGS bei positiver Bescheidung.

    Mit freundlichen Grüßen,
    [Unterschrift]
    [Name in Druckbuchstaben]

    Häufige Fragen zum AVGS 2026

    Wie lange ist der AVGS gültig?
    In der Regel 3 Monate ab dem Ausstellungsdatum. Eine Verlängerung ist auf Antrag möglich, wenn triftige Gründe vorliegen — etwa wenn die Maßnahme noch nicht begonnen werden konnte. Frage proaktiv danach, bevor der Gutschein abläuft.
    Kann ich mir den Anbieter selbst aussuchen?
    Ja! Das ist einer der großen Vorteile des AVGS. Du bist frei in der Wahl deines Anbieters, solange dieser eine gültige AZAV-Zulassung für die entsprechende Maßnahme hat. Du musst den Anbieter der Behörde nicht vorab genehmigen lassen.
    Was passiert, wenn der Anbieter mich nicht vermittelt?
    Dir entstehen keinerlei Kosten. Bei Arbeitsvermittlungs-Gutscheinen wird die volle Prämie nur bei erfolgreicher Vermittlung ausgezahlt — das Risiko trägt der Anbieter. Du bist in keiner Weise haftbar, wenn die Vermittlung nicht klappt.
    Kann ich einen AVGS ablehnen?
    Ja, du kannst einen ausgestellten AVGS ablehnen, ohne dass dir dadurch Nachteile bei deinen Leistungen entstehen. Es gibt keine Obliegenheit, einen AVGS anzunehmen. Allerdings macht es wenig Sinn, ihn abzulehnen — er kostet dich nichts und bietet nur Chancen.
    Ändert die neue Grundsicherung ab Juli 2026 etwas am AVGS?
    Der AVGS bleibt als Förderinstrument erhalten. Mit der neuen Grundsicherung ab Juli 2026 wird er stärker an individuelle Kooperationspläne geknüpft sein — das bedeutet, dass der Gutschein gezielter eingesetzt werden soll. Grundsätzlich ändert sich aber am Beantragungsprozess wenig.
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  • AVGS MAT, MPAV oder MAG? Die 3 Gutschein-Arten einfach erklärt | by Maik Marx

    AVGS erklärt 4. 17. Januar 2026 7 Min. Lesezeit

    AVGS MAT, MPAV oder MAG?
    Die 3 Gutschein-Arten einfach erklärt

    AVGS ist nicht gleich AVGS: MAT, MPAV und MAG sind drei verschiedene Gutschein-Arten. Erfahre die Unterschiede — und welcher für deine Situation der richtige ist.

    Du hast von deiner Arbeitsvermittlerin gehört, dass du einen AVGS beantragen kannst — und jetzt bist du verwirrt? Hinter dem Kürzel Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein verstecken sich gleich drei verschiedene Gutschein-Varianten, die jeweils für unterschiedliche Situationen gedacht sind. Dieser Artikel erklärt, was MAT, MPAV und MAG bedeuten und wann du welchen Gutschein einsetzen solltest.

    Was ist der AVGS — und warum gibt es drei Varianten?

    Der AVGS ist ein kostenloser Gutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters. Er gibt dir die Möglichkeit, externe Unterstützung bei der Jobsuche in Anspruch zu nehmen — ohne selbst einen Cent zu zahlen. Die drei Varianten decken unterschiedliche Stufen der Unterstützung ab:

    • MAT — Maßnahme beim Träger: Coaching, Bewerbungstraining und Qualifizierung
    • MPAV — Maßnahme beim privaten Arbeitsvermittler: Aktive Stellenvermittlung auf Erfolgsbasis
    • MAG — Maßnahme beim Arbeitgeber: Bezahltes Praktikum direkt im Unternehmen

    Die 3 Gutschein-Arten auf einen Blick

    MAT

    Coaching beim Träger

    Maßnahme beim Träger

    • Bis zu 8 Wochen, Teil- oder Vollzeit
    • Bewerbungstraining & Orientierung
    • Eignungstests & EDV-Grundlagen
    • Persönliche Stabilisierung
    • Träger muss AZAV-zertifiziert sein
    • Freie Anbieterwahl für dich
    MPAV

    Privater Vermittler

    Maßnahme beim priv. Arbeitsvermittler

    • Bis zu 2.000 € Prämie (erfolgsbasiert)
    • 1.000 € bei Stellenantritt
    • 1.000 € nach 6 Monaten im Job
    • Vermittler kontaktiert Arbeitgeber aktiv
    • Keine Kosten bei keiner Vermittlung
    • Gültig 6 Wochen, verlängerbar
    MAG

    Praktikum beim AG

    Maßnahme beim Arbeitgeber

    • 4–6 Wochen direkt im Unternehmen
    • Arbeitgeber erhält bis zu 500 €/Monat
    • Fahrkostenpauschale bis 60 €/Woche
    • Kein Arbeitsverhältnis, kein Lohn
    • Kann in Einstellung münden
    • Arbeitgeber beantragt Zuschuss

    AVGS MAT: Coaching beim Träger im Detail

    Der MAT-Gutschein ist der Einstieg. Du bekommst professionelle Unterstützung von einem zertifizierten Träger — das kann eine Weiterbildungseinrichtung, ein Berufsberatungszentrum oder ein Coaching-Anbieter sein. Entscheidend: Der Anbieter muss AZAV-zertifiziert sein, damit er den Gutschein einlösen darf.

    • Maximale Laufzeit: 8 Wochen (Teil- oder Vollzeit möglich)
    • Bewerbungstraining: Anschreiben, Lebenslauf, Vorstellungsgespräch
    • Berufliche Orientierung und Eignungsanalyse
    • EDV-Grundlagen und digitale Kompetenzen
    • Persönliche Stabilisierung bei komplexeren Situationen

    AVGS MPAV: Privater Arbeitsvermittler im Detail

    Beim MPAV-Gutschein engagierst du einen privaten Arbeitsvermittler, der aktiv für dich nach Stellen sucht. Der große Vorteil: Das Modell funktioniert komplett auf Erfolgsbasis — der Vermittler erhält nur dann Geld, wenn er dich tatsächlich in einen sozialversicherungspflichtigen Job vermittelt.

    • 1.000 € Prämie bei Aufnahme des Beschäftigungsverhältnisses
    • Weitere 1.000 € nach sechs Monaten im Job
    • Vermittler übernimmt die aktive Suche und den Erstkontakt
    • Gut geeignet, wenn du ein klares Berufsziel, aber wenig Netzwerk hast
    • Findet der Vermittler nichts: kein Honorar, keine Kosten für dich

    AVGS MAG: Praktikum beim Arbeitgeber im Detail

    Das MAG ist das konkreteste der drei Instrumente: Du absolvierst ein bezahltes Praktikum direkt bei einem Unternehmen, das dich im besten Fall anschließend einstellt. Der Arbeitgeber erhält einen Zuschuss als Anreiz, du bekommst eine Fahrkostenpauschale.

    • Dauer: 4 bis 6 Wochen im Betrieb
    • Arbeitgeber erhält bis zu 500 € pro Monat als Eingliederungszuschuss
    • Du erhältst eine Fahrkostenpauschale von bis zu 60 € pro Woche
    • Es entsteht kein reguläres Arbeitsverhältnis — kein Lohn vom Arbeitgeber
    • Ziel: gegenseitiges Kennenlernen — und im besten Fall die direkte Einstellung

    Entscheidungshilfe: Welcher Gutschein passt zu dir?

    Finde deinen Gutschein in 30 Sekunden

    Du bist noch unsicher, welcher Job passt

    → MAT — Orientierung & Coaching

    Du weißt was du willst, brauchst aber Türöffner

    → MPAV — Privater Vermittler

    Du hast ein konkretes Unternehmen im Blick

    → MAG — Praktikum direkt dort

    Du bist schon länger arbeitslos

    → MAT → dann MPAV oder MAG

    Können MAT, MPAV und MAG kombiniert werden?

    Ja! In der Praxis folgen viele Bewerberinnen einem kombinierten Ablauf. Besonders bewährt hat sich diese Reihenfolge:

    1

    MAT — Coaching & Vorbereitung (4–6 Wochen)

    Bewerbungsunterlagen professionalisieren, Stärken analysieren, Bewerbungsgespräche üben.

    2

    MPAV — Aktive Vermittlung

    Privater Vermittler nutzt sein Netzwerk und bringt dich mit passenden Arbeitgebern zusammen.

    3

    MAG — Praktikum & Einstellung

    Vier bis sechs Wochen im Unternehmen schnuppern — und in vielen Fällen direkt übernommen werden.

    Was ändert sich mit der Grundsicherung ab Juli 2026?

    Mit der geplanten Reform der Grundsicherung zum Juli 2026 können sich Details zu Anspruchsvoraussetzungen und Förderhöhen ändern. Der AVGS als Instrument bleibt jedoch bestehen — er ist ein Kernbaustein der aktiven Arbeitsvermittlung und soll nach aktuellem Stand ausgebaut, nicht abgeschafft werden.

    Wichtiger Hinweis

    Alle Angaben basieren auf dem Stand April 2026. Prüfe die aktuellen Konditionen mit deiner Arbeitsvermittlerin — insbesondere, wenn du nach August 2026 einen Antrag stellst.

    Häufige Fragen zu MAT, MPAV und MAG

    Muss ich den AVGS selbst beantragen?

    Ja. Die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter stellt den AVGS nicht automatisch aus — du musst ihn aktiv einfordern. Viele Bewerberinnen wissen gar nicht, dass ihnen dieser Gutschein zusteht. Frage gezielt: „Habe ich Anspruch auf einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein?“ Wenn du die Voraussetzungen erfüllst (mindestens 6 Wochen arbeitslos gemeldet), muss er dir ausgestellt werden.

    Habe ich freie Anbieterwahl?

    Ja! Du kannst dir deinen Träger (bei MAT) und deinen privaten Vermittler (bei MPAV) frei aussuchen — solange der Anbieter AZAV-zertifiziert ist. Du bist nicht an Vorschläge deiner Arbeitsvermittlerin gebunden. Beim MAG wählst du das Unternehmen, das dich aufnimmt, ebenfalls selbst aus.

    Verliere ich mein ALG I oder ALG II, wenn ich einen AVGS nutze?

    Nein. Die Nutzung des AVGS hat keinen negativen Einfluss auf deine Leistungen. Das Arbeitslosengeld I oder die Grundsicherung läuft während einer MAT-Maßnahme oder eines MAG-Praktikums weiter. Nur wenn du tatsächlich einen Job aufnimmst, endet der Bezug — aber dann brauchst du ihn auch nicht mehr.

    Was passiert, wenn ein MPAV-Vermittler mich nicht vermittelt?

    Gar nichts — für dich. Das MPAV-Modell funktioniert rein auf Erfolgsbasis. Wenn der Vermittler dich nicht in eine Stelle bringt, erhält er kein Honorar. Du hast keine Kosten, keine Verpflichtungen und keine Nachteile. Du kannst danach einfach einen anderen Gutschein beantragen oder den MPAV-Gutschein bei einem anderen Vermittler einlösen.

    Gilt der AVGS auch für Minijobs oder geringfügige Beschäftigung?

    Nein. Der AVGS — insbesondere der MPAV — gilt nur für sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse. Minijobs und 450-Euro-Jobs erfüllen diese Voraussetzung in der Regel nicht. Das MAG-Praktikum zielt ebenfalls auf eine spätere sozialversicherungspflichtige Einstellung ab.

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  • AVGS abgelehnt: So legst du erfolgreich Widerspruch ein — inkl. Vorlage 2026 | by Maik Marx

    Rechtsdokumente und Widerspruchsschreiben — AVGS abgelehnt
    Ratgeber & Recht

    AVGS abgelehnt: So legst du erfolgreich Widerspruch ein — inkl. Vorlage 2026

    04. 24. Januar 2026 ca. 8 Min. Lesezeit by Maik Marx
    Dein AVGS-Antrag wurde abgelehnt? Das ist ärgerlich — aber längst nicht das Ende. Viele Anträge werden zunächst zurückgewiesen, nur um dann nach einem Widerspruch doch genehmigt zu werden. Dieser Ratgeber zeigt dir, wie du vorgehst, was du beachten musst und gibt dir eine fertige Vorlage an die Hand.

    Du bist nicht allein

    Eine Ablehnung des AVGS fühlt sich zunächst wie eine endgültige Entscheidung an — ist sie aber nicht. Statistisch gesehen wird eine erhebliche Zahl von Widersprüchen zugunsten der Antragstellenden entschieden:

    • Widerspruchsquote bei AVGS-Ablehnungen: 20–40 % aller Bescheide werden angefochten
    • Ein großer Teil der Widersprüche geht zugunsten der Betroffenen aus
    • Das Verfahren ist kostenlos und ohne Anwalt möglich
    • Auch ein erneuter Antrag ist parallel zum Widerspruch möglich
    Gut zu wissen

    Das Widerspruchsrecht ist in § 83 SGG und § 78 SGG verankert. Es ist ein Grundrecht im Sozialrecht — niemand kann dir verwehren, Widerspruch einzulegen.

    Die 5 häufigsten Ablehnungsgründe

    Verstehe zuerst, warum dein Antrag abgelehnt wurde — das ist die Basis für deinen Widerspruch. Die Gründe lauten häufig:

    1
    „Keine ausreichende Eigenbemühung“
    Lösung: Bewerbungsbelege, Absagen und Nachweise über Bewerbungsaktivitäten dem Widerspruch beifügen.
    2
    „Kein Anspruch bei aktueller Leistungsart“
    Lösung: § 45 SGB III prüfen — oft besteht dennoch ein Rechtsanspruch. Beratungsstellen können helfen.
    3
    „Maßnahme entspricht nicht dem Förderziel“
    Lösung: Den konkreten Zusammenhang zwischen Maßnahme und Eingliederungsziel schriftlich darlegen.
    4
    „Fehlende Unterlagen“
    Lösung: Alle fehlenden Unterlagen schnellstmöglich nachreichen — idealerweise gleich mit dem Widerspruch.
    5
    „Ermessensentscheidung gegen Förderung“
    Lösung: Ermessensfehler aufzeigen — das Jobcenter muss alle relevanten Umstände berücksichtigt haben.

    Deine Rechte & die Frist — 1 Monat!

    Der Widerspruch ist kostenlos und gebührenfrei — kein Rechtsanwalt erforderlich, keine Gerichtskosten. Die gesetzliche Grundlage: § 83 SGG und § 78 SGG.

    Achtung: Monatsfrist beachten!

    Du hast 1 Monat ab Zugang des Bescheids Zeit, Widerspruch einzulegen. Dabei gilt die Drei-Tages-Fiktion: Als Zugang gilt das auf dem Brief aufgedruckte Datum plus 3 Tage. Fristbeginn = Bescheiddatum + 3 Tage, Fristende = + 1 Monat.

    Schritt-für-Schritt zum Widerspruch

    Diese fünf Schritte führen dich sicher durch das Widerspruchsverfahren:

    1
    Bescheid genau lesen
    Lies den Ablehnungsbescheid sorgfältig durch. Markiere den genauen Ablehnungsgrund und das angegebene Bescheiddatum.
    2
    Frist berechnen und eintragen
    Bescheiddatum + 3 Tage = Zugang. Ab da läuft die Monatsfrist. Trag dir das Datum sofort in den Kalender ein!
    3
    Widerspruch formulieren
    Nutze die Vorlage weiter unten. Du kannst zunächst nur Widerspruch einlegen und die Begründung später nachreichen.
    4
    Einreichen — und Nachweis sichern
    Per Einschreiben, persönlich (Stempel lassen!), Fax mit Sendebericht, oder per E-Mail mit Empfangsbestätigung. Kopie für dich aufbewahren!
    5
    Rückmeldung abwarten (max. 3 Monate)
    Das Jobcenter hat 3 Monate Zeit. Danach kannst du eine Untätigkeitsklage einreichen. In der Regel kommt aber eine Rückmeldung früher.

    Muster-Widerspruchsschreiben 2026 — Fertige Vorlage

    Fülle einfach die gelb markierten Felder mit deinen Daten aus. Die Begründung kannst du bei Bedarf anpassen oder zunächst nur ankündigen und nachreichen. Wichtig: Das Muster ist eine allgemeine Orientierungshilfe und keine Rechtsberatung — passe es an deinen Einzelfall an und lass dich bei Unsicherheit beraten (VdK, SoVD oder Anwalt; Beratungshilfe ist möglich).

    Muster-Widerspruchsschreiben zur Orientierung
    Gültig für AVGS-Ablehnungen durch Jobcenter und Arbeitsagenturen | Stand 2026

    [Dein Vorname Nachname]

    [Deine Straße und Hausnummer]

    [PLZ Ort]

    [Telefonnummer]

    [E-Mail-Adresse]


    An:

    [Jobcenter / Agentur für Arbeit]
    [Straße und Hausnummer]
    [PLZ Ort]

    [Ort], den [Datum]
    Widerspruch gegen den Ablehnungsbescheid vom [Datum des Bescheids]
    Kundennummer / Aktenzeichen: [Deine Kundennummer]

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    hiermit lege ich fristgerecht Widerspruch gegen Ihren Bescheid vom [Datum des Bescheids], zugegangen am [Datum des Zugangs, = Bescheiddatum + 3 Tage], ein.

    Begründung:

    Der von Ihnen genannte Ablehnungsgrund „[genauen Ablehnungsgrund aus dem Bescheid einfügen]„ ist aus meiner Sicht nicht zutreffend.

    Ich weise darauf hin, dass ich [Beschreibung deiner persönlichen Situation, Bemühungen, Qualifikationen].

    Nach § 45 SGB III liegen die Voraussetzungen für die Ausstellung eines Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheins (AVGS) in meinem Fall vor, da [konkreter Grund, z. B. „ich seit X Monaten arbeitslos gemeldet bin und mich intensiv beworben habe“].

    Ich bitte Sie daher, den Bescheid zu überprüfen und mir den AVGS auszustellen.

    Sollten Sie weitere Unterlagen benötigen, stehe ich gerne zur Verfügung.

    [Deine handschriftliche Unterschrift]

    [Dein Vorname Nachname]

    Anlagen:
    • Kopie des Ablehnungsbescheids
    • Bewerbungsübersicht / Eigenbemühungsnachweise
    • Kopien von Absagen (sofern vorhanden)
    • Beratungsnachweis vom Anbieter (sofern vorhanden)
    • [Weitere relevante Unterlagen]

    Was passiert nach dem Widerspruch?

    Drei mögliche Ergebnisse nach deinem Widerspruch:

    ✅
    Abhilfe
    Das Jobcenter gibt dir recht — der AVGS wird ausgestellt. Das häufigste Ergebnis!
    📋
    Widerspruchsbescheid
    Ablehnung bleibt bestehen. Du hast dann 1 Monat Zeit für eine Klage beim Sozialgericht.
    ⏱️
    Keine Antwort
    Nach 3 Monaten ohne Reaktion kannst du eine Untätigkeitsklage einreichen.

    Sozialgericht als letzter Ausweg

    Falls der Widerspruchsbescheid negativ ausfällt, hast du das Recht auf eine Klage vor dem Sozialgericht — und das lohnt sich oft:

    • Für Privatpersonen komplett kostenlos (keine Gerichtsgebühren)
    • Kein Anwalt erforderlich, aber empfehlenswert bei komplexen Fällen
    • Bei Gewinn: Das Jobcenter zahlt deine Anwaltskosten
    • Kostenlose Beratung durch VdK, SoVD, Caritas oder Verbraucherzentrale möglich

    Neue Grundsicherung ab Juli 2026

    Ab Juli 2026 tritt eine Reform der Grundsicherung in Kraft — jedoch bleibt dein Widerspruchsrecht vollständig erhalten. Die Verfahrensregeln nach SGG und dem Verwaltungsverfahrensgesetz bleiben unverändert. Lediglich einzelne Leistungshöhen und Zugangsvoraussetzungen können sich ändern. Der AVGS selbst bleibt ein wesentliches Förderinstrument.

    Praxis-Tipp für 2026

    Falls dein Antrag nach dem 1. Juli 2026 beschieden wird, prüfe im Ablehnungsbescheid, ob neue Regelungen als Begründung genannt werden. Bei Unklarheiten sofort eine Beratungsstelle aufsuchen.

    Häufige Fragen zum AVGS-Widerspruch

    Muss ich den Widerspruch sofort begründen?
    Nein! Du kannst zunächst nur Widerspruch einlegen, um die Frist zu wahren, und die Begründung schriftlich ankündigen. Schreibe dann: „Die Begründung reiche ich nach.“ Du hast dann üblicherweise noch einige Wochen Zeit, deine Argumente auszuführen.
    Kostet der Widerspruch etwas?
    Nein, der Widerspruch ist vollständig kostenlos und gebührenfrei. Du brauchst keinen Anwalt und es entstehen keine Verwaltungsgebühren. Nur wenn du einen Rechtsanwalt mandatierst, fallen dessen Honorare an — diese werden aber im Erfolgsfall vom Jobcenter erstattet.
    Darf ich mir Hilfe beim Widerspruch holen?
    Ja, unbedingt! Der VdK (Sozialverband), SoVD (Sozialverband Deutschland), die Caritas, das Diakonische Werk und viele Beratungsstellen helfen kostenlos oder gegen einen kleinen Beitrag. Auch Verbraucherzentralen können bei der Formulierung unterstützen.
    Das Jobcenter antwortet nicht — was tun?
    Wenn nach 3 Monaten keine Reaktion kommt, kannst du eine Untätigkeitsklage beim zuständigen Sozialgericht einreichen. Diese zwingt das Jobcenter, den Widerspruch zu bearbeiten. Die Untätigkeitsklage ist ebenfalls kostenlos für Privatpersonen.
    Kann ich gleichzeitig Widerspruch einlegen und einen neuen Antrag stellen?
    Ja! Beide Wege schließen sich nicht aus. Ein neuer Antrag kann sinnvoll sein, wenn sich deine Situation geändert hat oder neue Unterlagen vorliegen. Der laufende Widerspruch beeinflusst den neuen Antrag nicht negativ.
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  • Neue Grundsicherung ab 1. Juli 2026: Welche Sanktionen gelten — und warum AVGS-Coaching schützt | by Maik Marx

    Grundsicherung 2026 Sanktionen 4. 31. Januar 2026  ·  12 Min. Lesezeit

    Neue Grundsicherung ab 1. Juli 2026: Welche Sanktionen gelten — und warum AVGS-Coaching schützt

    Ab Juli 2026 gilt die neue Grundsicherung mit schärferen Sanktionen. Erfahre, welche Stufen drohen und warum AVGS-Coaching dich als Kooperationsnachweis schützt.

    MM
    Maik Marx
    AVGS & Förderberatung · avgs.info

    Zum 1. Juli 2026 tritt die größte Reform der Grundsicherung seit Einführung des Bürgergelds in Kraft. Der Gesetzgeber macht Ernst mit dem Prinzip „Fördern und Fordern“: Wer Mitwirkungspflichten verletzt, riskiert spürbare Kürzungen — und das schneller als bisher. Gleichzeitig gibt es neue Schutzinstrumente. In diesem Artikel erfährst du genau, was sich ändert, welche Sanktionsstufen ab wann greifen und warum ein AVGS-gefördertes Coaching zu einem der wirksamsten Kooperationsnachweise überhaupt werden kann.

    ℹ️
    Worum geht es in diesem Artikel? Dieser Beitrag fasst die wesentlichen Neuerungen des Grundsicherungsrechts ab Juli 2026 zusammen, erklärt die neuen Sanktionsmechanismen und zeigt, wie ein AVGS-Coaching-Programm gezielt als Nachweis aktiver Kooperation eingesetzt werden kann — mit rechtlich belastbarer Dokumentation.

    Was sich ab Juli 2026 wirklich ändert

    Die neue Grundsicherung baut auf dem Bürgergeld-Modell auf, verschärft jedoch die Konsequenzen bei mangelnder Mitwirkung deutlich. Das Bundesarbeitsministerium spricht von einem „aktivierenden Wohlfahrtsstaat“: Leistungen gibt es weiterhin bedürftigkeitsunabhängig, aber das Fordern bekommt mehr Gewicht.

    Konkret bedeutet das: Der bisherige „Vertrauenszeitraum“ von sechs Monaten zu Beginn des Leistungsbezugs entfällt ersatzlos. Stattdessen wird bereits ab dem ersten Monat ein verbindlicher Kooperationsplan abgeschlossen, dessen Einhaltung regelmäßig geprüft wird.

    ⚠️
    Wichtig: Übergangsregelung beachten! Bestehende Eingliederungsvereinbarungen und Kooperationspläne, die vor dem 1. Juli 2026 abgeschlossen wurden, behalten ihre Gültigkeit bis maximal 31. Dezember 2026. Danach gelten ausnahmslos die neuen Regelungen.

    Die wichtigsten Neuerungen auf einen Blick

    • Abschaffung des Vertrauenszeitraums — Kooperationsplan gilt ab Tag 1
    • Schärfere und schneller greifende Sanktionsstufen bei Pflichtverletzungen
    • Neue Dokumentationspflichten für Bewerbungsaktivitäten
    • Erweiterte Härteklauseln für besondere Lebenssituationen
    • AVGS-Maßnahmen als anerkannte Kooperationsnachweise (neu: explizit im Gesetzestext)
    • Verpflichtende Erreichbarkeitszeiten (werktags 8–17 Uhr)

    Neue Mitwirkungspflichten im Detail

    Das Herzstück der Reform sind vier konkrete Mitwirkungspflichten, die ab Juli 2026 verbindlich gelten. Wer eine oder mehrere davon verletzt, riskiert eine Sanktion — unabhängig davon, wie lange der Leistungsbezug bereits besteht.

    1. Kooperationsplan einhalten

    Jeder Leistungsbeziehende schließt mit dem Jobcenter einen individuellen Kooperationsplan ab. Dieser legt fest: Welche Aktivitäten sind in welchem Zeitraum nachzuweisen? AVGS-Maßnahmen können ausdrücklich als vereinbarte Aktivität eingetragen werden.

    2. Bewerbungsdokumentation führen

    Mindestens zwei nachweisbare Bewerbungsaktivitäten pro Monat müssen dokumentiert werden — mit Datum, Unternehmen, Stellenbezeichnung und Reaktion. Fehlt diese Dokumentation beim Prüfungstermin, gilt dies als Pflichtverletzung, auch wenn tatsächlich Bewerbungen stattgefunden haben.

    3. Maßnahmenteilnahme

    Zugewiesene Maßnahmen — darunter ausdrücklich auch AVGS-geförderte Coachings — müssen regelmäßig und aktiv besucht werden. Eine Teilnahmequote unter 80 % ohne triftigen Grund gilt als Pflichtverletzung.

    4. Erreichbarkeit sicherstellen

    Leistungsbeziehende müssen werktags zwischen 8 und 17 Uhr telefonisch erreichbar sein und innerhalb von 48 Stunden auf offizielle Schreiben reagieren. Wiederholte Nicht-Erreichbarkeit kann als Pflichtverletzung gewertet werden.

    Die drei Sanktionsstufen — visuell erklärt

    Das neue System kennt drei aufeinander aufbauende Sanktionsstufen. Jede Stufe greift bei einer erneuten Pflichtverletzung innerhalb von zwölf Monaten nach der letzten Sanktion. Die Laufzeiten sind klar definiert und können nicht mehr so leicht durch einfache Erklärungen unterbrochen werden.

    Stufe 1
    −20 %

    Erste Pflichtverletzung

    Kürzung des Regelbedarfs für 1 Monat

    • Einmalige oder erste Pflichtverletzung
    • Kooperationsplan nicht erfüllt
    • Bewerbungsdoku fehlt
    • Nach Abmahnung sofort wirksam
    Stufe 2
    −30 %

    Wiederholung innerhalb 12 Mon.

    Kürzung des Regelbedarfs für 2 Monate

    • Zweite Pflichtverletzung im Jahreszeitraum
    • Maßnahmenabbruch ohne Grund
    • Wiederholte Nicht-Erreichbarkeit
    • Kumulierbar mit Stufe 1
    Stufe 3
    Existenzminimum

    Schwerwiegende Verletzung

    Kürzung bis auf Existenzminimum für bis zu 3 Monate

    • Zumutbare Arbeit wiederholt abgelehnt
    • Dritte Pflichtverletzung im Jahreszeitraum
    • Vorsätzliche Falschangaben
    • Härteklausel prüfen!
    🚨
    Achtung: Neues Prüfintervall ab Juli 2026 Das Jobcenter prüft Mitwirkungspflichten nun monatlich statt quartalsweise. Ein einziger fehlender Bewerbungsnachweis kann damit bereits im darauffolgenden Monat zu einer Stufe-1-Sanktion führen — ohne vorherige Verwarnung, wenn bereits eine Abmahnung in den letzten 12 Monaten vorliegt.

    Ausnahmen und Härteklauseln

    Das neue Gesetz enthält explizite Schutzregelungen, die Sanktionen verhindern oder begrenzen. Diese Härteklauseln sind nicht automatisch aktiv — sie müssen aktiv und rechtzeitig beantragt werden.

    • Kindererziehung: Alleinerziehende mit Kindern unter 3 Jahren sind von Stufe-2- und Stufe-3-Sanktionen ausgenommen
    • Pflegesituationen: Wer nachweislich einen Angehörigen pflegt, kann den Kooperationsplan zeitweise aussetzen
    • Gesundheitliche Einschränkungen: Ärztliche Atteste schützen vor Sanktionen bei krankheitsbedingter Nicht-Mitwirkung
    • Schwangerschaft: Generelle Sanktionsfreiheit im Mutterschutzzeitraum
    • Schulausbildung/Studium: Personen in anerkannten Ausbildungen können Mitwirkungspflichten reduziert erfüllen
    • Unverschuldete Schlechterstellung: Nachweisbare externe Hinderungsgründe (z. B. Jobcenter-Termin ohne ausreichend Vorlauf) können Sanktionen ausschließen

    AVGS als Kooperationsnachweis — das ändert sich ab Juli 2026

    Hier liegt die größte Neuerung für alle, die einen AVGS-Gutschein nutzen oder nutzen möchten: Ab Juli 2026 ist die aktive Teilnahme an AVGS-Maßnahmen explizit als Kooperationsnachweis anerkannt. Das heißt: Wer ein AVGS-Coaching besucht, erfüllt damit gleichzeitig seine Mitwirkungspflicht aus dem Kooperationsplan — sofern die Maßnahme im Plan eingetragen ist.

    Warum AVGS-Coaching vor Stufe-1-Sanktionen schützt

    Ein laufendes, dokumentiertes AVGS-Coaching schützt auf drei Ebenen:

    1. Nachweis aktiver Kooperation: Jede besuchte Coaching-Einheit wird vom Anbieter protokolliert und kann dem Jobcenter vorgelegt werden
    2. Erfüllung der Maßnahmenteilnahmepflicht: Die Teilnahme gilt als „aktive Eingliederungsmaßnahme“ im Sinne des neuen § 31a SGB II
    3. Dokumentation von Bewerbungsaktivitäten: Seriöse AVGS-Coaching-Anbieter helfen beim Aufbau eines lückenlosen Bewerbungslogbuchs — das schützt auch bei Prüfungen
    💡
    Praxis-Tipp: AVGS im Kooperationsplan verankern Bitte dein Jobcenter ausdrücklich, das AVGS-Coaching als Pflichtmaßnahme in deinen Kooperationsplan einzutragen. Damit wird die Teilnahme zur erfüllten Mitwirkungspflicht — und schützt dich automatisch vor Stufe-1-Sanktionen für die Dauer der Maßnahme.

    AVGS stärkt die Verhandlungsposition gegenüber dem Jobcenter

    Wer mit einem aktiven AVGS-Nachweis zum Prüfungstermin erscheint, signalisiert: Ich tue aktiv etwas für meine Eingliederung. Das hat in der Praxis einen erheblichen Einfluss auf das Ermessen des zuständigen Fallmanagers — auch bei anderen Sanktionsrisiken. Jobcenter-Mitarbeitende sind angewiesen, bei nachgewiesener Eigeninitiative Sanktionen mit besonderer Sorgfalt zu prüfen.

    Bessere Vermittlungschancen = schneller raus aus dem Bezug

    Langfristig ist das Wichtigste: Ein hochwertiges AVGS-Coaching verbessert deine tatsächlichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt erheblich. Je kürzer der Leistungsbezug, desto geringer das Sanktionsrisiko — denn das größte Risiko entsteht durch langjährigen Verbleib im System, der zu wiederholten Prüfzyklen führt.

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    Die Übergangsphase Juli–Dezember 2026

    Die Reform tritt zwar zum 1. Juli 2026 in Kraft, aber nicht alle Regelungen greifen sofort für alle Betroffenen. Die Übergangsphase bis Ende 2026 bietet ein wichtiges Zeitfenster zur Vorbereitung.

    Jul

    1. Juli 2026 — Inkrafttreten

    Neue Sanktionsregeln gelten für alle ab diesem Datum neu beantragten Leistungen. Laufende Bescheide bleiben zunächst bestehen. Erste Kooperationspläne nach neuem Recht werden ausgestellt.

    Aug

    August–September 2026 — Umstellungsphase

    Jobcenter laden bestehende Leistungsbeziehende zu Umstellungsgesprächen ein. Wer bereits einen AVGS nutzt oder beantragt, wird bevorzugt behandelt — als Nachweis aktiver Mitwirkungsbereitschaft.

    Okt

    Oktober 2026 — Vollständige Umstellung

    Bis Oktober sollen alle bestehenden Fälle auf die neuen Kooperationspläne umgestellt sein. Wer bis dahin noch keine aktive Maßnahme nachweisen kann, riskiert bereits im November die erste Sanktionsprüfung.

    Jan

    1. Januar 2027 — Kein Bestandsschutz mehr

    Ab dem 1. Januar 2027 gelten die neuen Sanktionsregeln ausnahmslos für alle Leistungsbeziehenden. Alte Vereinbarungen verlieren endgültig ihre Schutzwirkung.

    Sozialverbände-Kritik: Was VdK und Paritätischer sagen

    Die Reform ist politisch umstritten. Wichtige Sozialverbände haben klare Kritik geäußert, die für Betroffene relevant ist — auch wenn sie die Rechtslage nicht ändert.

    VdK Deutschland

    Der Sozialverband VdK kritisiert, dass die neuen Sanktionsstufen strukturelle Benachteiligungen nicht ausreichend berücksichtigen. Wer durch Behinderung, chronische Erkrankung oder diskriminierende Einstellungspraktiken keine Arbeit findet, werde doppelt bestraft. VdK hat angekündigt, Musterverfahren gegen Stufe-3-Sanktionen einzuleiten.

    Paritätischer Gesamtverband

    Der Paritätische hält die Abschaffung des Vertrauenszeitraums für verfassungsrechtlich bedenklich. In einem Gutachten vom März 2026 wird argumentiert, dass das Bundesverfassungsgericht in früheren Urteilen (insbesondere dem Hartz-IV-Urteil 2019) Sanktionen unter das Existenzminimum für unvereinbar mit Art. 1 GG erklärt hat — was bei Stufe-3-Anwendungen wieder relevant werden könnte.

    Was das für Betroffene bedeutet

    Gerichtliche Verfahren können Jahre dauern. Bis zu einer möglichen Korrektur durch das BVerfG gilt die neue Regelung. Wer Sanktionen anfechten möchte, sollte sofort Widerspruch einlegen und rechtliche Beratung (z. B. beim VdK oder bei einer Sozialberatung) suchen. Ein aktives AVGS-Coaching kann dabei helfen, Sanktionen von vornherein zu vermeiden.

    5 Handlungsempfehlungen ab sofort

    1. Kooperationsplan aktiv mitgestalten: Nimm deinen nächsten Jobcenter-Termin zum Anlass, den neuen Plan gemeinsam zu erarbeiten. Bitte ausdrücklich um Aufnahme einer AVGS-Maßnahme als Pflichtbestandteil.
    2. Bewerbungslogbuch anlegen: Starte noch heute mit einem einfachen Bewerbungslogbuch (Excel oder Notizbuch) — mit Datum, Unternehmen, Stelle, Reaktion. Das schützt dich bei jeder Prüfung.
    3. AVGS jetzt beantragen: Die Beantragung dauert oft nur ein Gespräch. Wer den Gutschein in der Hand hat, kann sofort eine Maßnahme starten und damit die Übergangsphase konstruktiv nutzen.
    4. Härteklausel prüfen lassen: Falls besondere Lebensumstände vorliegen (Pflege, Gesundheit, Kinderbetreuung), lass rechtlich prüfen, ob eine Härteklausel greift. Das kann Sanktionen von vornherein ausschließen.
    5. Erreichbarkeit dokumentieren: Speichere alle Jobcenter-Anrufe, SMS und E-Mails. Falls die Erreichbarkeit einmal nicht gegeben war, solltest du die Gründe belegen können.

    Häufige Fragen zur neuen Grundsicherung

    Gilt die neue Sanktionsregelung auch, wenn ich erst seit einem Monat Leistungen beziehe?

    Ja — das ist die wesentlichste Änderung gegenüber dem bisherigen Bürgergeld-Modell. Der frühere Vertrauenszeitraum von sechs Monaten entfällt ersatzlos. Wer ab dem 1. Juli 2026 neu Leistungen beantragt, schließt direkt beim ersten Gespräch einen verbindlichen Kooperationsplan ab. Eine Verletzung dieses Plans kann bereits im zweiten Monat zur Stufe-1-Sanktion führen.

    Wie genau schützt ein AVGS-Coaching vor Sanktionen?

    Ein AVGS-Coaching schützt auf mehreren Wegen: Erstens kann die Maßnahme als Pflichtaktivität im Kooperationsplan eingetragen werden — ihre Erfüllung gilt dann als Nachweis aktiver Mitwirkung. Zweitens erstellt der Coaching-Anbieter Teilnahmenachweise, die du dem Jobcenter vorlegen kannst. Drittens unterstützen gute Anbieter beim Bewerbungslogbuch, was die zweite Hauptprüfungsgrundlage absichert.

    Was passiert, wenn ich mit einer Sanktionsentscheidung nicht einverstanden bin?

    Du hast das Recht, innerhalb von einem Monat nach Bekanntgabe des Sanktionsbescheids schriftlich Widerspruch einzulegen. Der Widerspruch hat keine aufschiebende Wirkung — das heißt, die Kürzung wird trotzdem durchgeführt, bis über den Widerspruch entschieden ist. Im Widerspruch solltest du alle Belege für deine Mitwirkungsaktivitäten einreichen. Bei Bedarf helfen Sozialberatungsstellen oder der VdK kostenlos weiter.

    Mein aktueller Kooperationsplan läuft noch bis Dezember 2026. Ändert sich trotzdem etwas für mich?

    Bestehende Pläne behalten ihre Gültigkeit bis 31. Dezember 2026. Ab Januar 2027 werden sie automatisch durch neue Pläne nach dem reformierten Recht ersetzt. Du wirst vorher vom Jobcenter zu einem Umstellungsgespräch eingeladen — nutze diesen Termin, um aktiv eine AVGS-Maßnahme als Bestandteil des neuen Plans zu verankern.

    Kann eine Stufe-3-Sanktion wirklich dazu führen, dass ich unter das Existenzminimum rutsche?

    Das ist rechtlich umstritten. Der Gesetzgeber hat die Stufe-3-Sanktion bewusst an das Existenzminimum geknüpft, ohne dieses unterschreiten zu wollen. In der Praxis bedeutet „bis auf Existenzminimum“ eine Kürzung auf den Betrag, der für Unterkunft und grundlegende Ernährungssicherung als notwendig angesehen wird — Regelbedarfserhöhungen und Zusatzleistungen entfallen komplett. Der Paritätische hält dies für verfassungsrechtlich problematisch und hat Musterverfahren angekündigt. Für Betroffene gilt: Fristen im Blick behalten (Widerspruch ist in der Regel binnen eines Monats möglich) und frühzeitig rechtliche Beratung suchen (VdK, SoVD, Anwalt).

    Fazit: Vorbereitung ist der beste Schutz

    Die neue Grundsicherung ab Juli 2026 ist eine echte Zäsur. Der Vertrauenszeitraum fällt weg, die Sanktionen greifen schneller und tiefer als je zuvor, und das monatliche Prüfungsintervall lässt wenig Spielraum für Fehler. Gleichzeitig bietet die Reform Betroffenen klare Instrumente zur Absicherung — allen voran die explizite Anerkennung von AVGS-Maßnahmen als Kooperationsnachweis.

    Wer jetzt handelt — einen AVGS-Gutschein beantragt, ein Bewerbungslogbuch anlegt und seinen Kooperationsplan aktiv mitgestaltet — schützt sich nicht nur vor Sanktionen, sondern verbessert auch nachhaltig seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die Zeit bis Juli 2026 ist noch vorhanden. Nutze sie.

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  • AVGS oder Bildungsgutschein? Die wichtigsten Unterschiede 2026 | by Maik Marx

    AVGS Gutschein › AVGS vs. Bildungsgutschein

    AVGS oder Bildungsgutschein? Die wichtigsten Unterschiede — und wann du welchen beantragst

    Du hast Anspruch auf staatliche Förderung — aber das Jobcenter oder die Arbeitsagentur nennt dir zwei verschiedene Gutscheine und du weißt nicht, welcher für dich passt? AVGS (Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein) und Bildungsgutschein klingen ähnlich, verfolgen aber grundverschiedene Ziele. Dieser Artikel erklärt dir die Unterschiede konkret, zeigt dir, wann du kombinieren kannst — und welche Fehler du vermeiden solltest.

    1. Die Grundlagen: Was ist was?

    Beide Instrumente stammen aus dem Sozialgesetzbuch III und sollen Arbeitslosen helfen — setzen aber an komplett unterschiedlichen Stellen an.

    AVGS

    Aktivierungs- & Vermittlungsgutschein

    Hilft dir dabei, schneller einen Job zu finden. Er finanziert Maßnahmen wie Bewerbungscoaching, Karriereberatung oder die Beauftragung eines privaten Arbeitsvermittlers.

    § 45 SGB III
    Bildungsgutschein (BGS)

    Bildungsgutschein

    Finanziert eine konkrete Weiterbildung oder Umschulung. Er deckt Lehrgangskosten, ggf. Fahrkosten und bei stationären Maßnahmen auch Unterkunft ab.

    § 81 SGB III

    Kurz gesagt: Der AVGS bringt dich auf dem direkten Weg in den Job. Der Bildungsgutschein bringt dir erst die Qualifikation — der Job kommt danach.

    2. Neuerung ab 2025: BGS auch über die Agentur für Jobcenter-Kunden

    Neuerung 2025

    Bisher galt: Wer im Jobcenter (SGB II / Bürgergeld) geführt wurde, konnte den Bildungsgutschein nur über das Jobcenter beantragen — mit teils anderen Bewilligungsquoten und Bearbeitungszeiten.

    Seit 2025 gilt: Die Agentur für Arbeit kann Bildungsgutscheine nun auch an Jobcenter-Kunden ausgeben, wenn die Qualifizierung der Beschäftigungsfähigkeit dient. Das wurde durch die verstärkte Kooperation zwischen Agenturen und gemeinsamen Einrichtungen (gE) ermöglicht.

    In der Praxis bedeutet das: Wenn du im SGB II bist und eine Weiterbildung anstrebst, lohnt es sich, gezielt nachzufragen — welche Stelle für dich schneller und unkomplizierter ist.

    3. Die 5 wichtigsten Unterschiede im direkten Vergleich

    • 1
      AVGS — Zweck
      Vermittlung & Aktivierung

      Unterstützt aktiv die Jobsuche: Bewerbungscoaching, Karriereberatung, Bewerbermanagement durch private Vermittler

      BGS — Zweck
      Qualifizierung & Weiterbildung

      Finanziert Kurse, Umschulungen, Zertifikatslehrgänge — baut Qualifikationen auf oder schließt Lücken

    • 2
      AVGS — Dauer
      Bis zu 8 Wochen

      Maßnahmen sind kurz und intensiv angelegt — schnelle Wirkung auf die Jobsuche

      BGS — Dauer
      Bis zu 2 Jahre

      Vollständige Umschulungen können bis zu 24 Monate dauern, kürzere Zertifikatslehrgänge wenige Wochen

    • 3
      AVGS — Voraussetzungen
      Arbeitslos oder -suchend

      Bereits nach 6 Wochen Arbeitslosigkeit; kein Nachweis über Notwendigkeit einer Qualifizierung nötig

      BGS — Voraussetzungen
      Qualifikationsbedarf nachweisen

      Berater muss bestätigen, dass Weiterbildung notwendig und Eingliederung in den Arbeitsmarkt das Ziel ist

    • 4
      AVGS — Inhalt
      Coaching & Vermittlung

      Bewerbungstraining, Interviewvorbereitung, Karrierecoaching, private Arbeitsvermittlung mit Vermittlungsprämie

      BGS — Inhalt
      Bildung & Abschlüsse

      Fachkurse, Umschulungen, Anpassungsqualifizierungen, ggf. mit IHK- oder HWK-Abschluss

    • 5
      AVGS — Trägerwahl
      Freie Auswahl AZAV-Träger

      Du kannst dir deinen Maßnahmeträger selbst aussuchen — Vergleichen lohnt sich

      BGS — Trägerwahl
      Bildungsträger mit Zulassung

      Nur AZAV-zertifizierte Bildungsanbieter für den spezifischen Kurs dürfen den BGS einlösen

    4. Zuständigkeit nach der Reform Juli 2026

    Die Bundesregierung hat mit dem Bürgergeld-Reformpaket und der Kooperationsplanung grundlegende Änderungen eingeführt. Hier die wichtigsten Fakten zur Zuständigkeit:

    Bis Juni 2026
    Getrennte Bearbeitung

    Agentur für Arbeit (SGB III) und Jobcenter (SGB II) bearbeiten AVGS und BGS größtenteils unabhängig voneinander. Parallele Beratungen sind möglich, aber nicht verpflichtend abgestimmt.

    Ab Juli 2026
    Kooperationsplan verpflichtend

    Jobcenter müssen für Langzeitarbeitslose einen Kooperationsplan erstellen. Darin ist festgelegt, ob AVGS, BGS oder eine Kombination für den individuellen Eingliederungsweg vorgesehen ist. Beides muss aufeinander abgestimmt sein.

    Neu ab 2026
    Grundsicherung für Selbstständige

    Wer sich mit AVGS-Unterstützung selbstständig macht, kann bei gescheiterter Gründung unter erleichterten Bedingungen Bürgergeld beziehen — ohne erneute Wartezeit. Details regelt die neue Übergangsregelung im SGB II § 12a.

    5. Drei Szenarien: Wann du AVGS und BGS kombinieren kannst

    In bestimmten Situationen macht es Sinn, beide Instrumente hintereinander — oder sogar gleichzeitig — zu nutzen. Hier sind drei praxisnahe Beispiele:

    1
    Jobsuche + Qualifikationslücke schließen
    Kurzfristig bewerben, langfristig qualifizieren

    Du bist arbeitslos und bewirbst dich aktiv. Gleichzeitig fehlt dir ein Zertifikat, das Arbeitgeber verlangen. Lösung: AVGS für sofortiges Bewerbungscoaching, parallel BGS-Antrag für einen abendlichen Zertifikatskurs (z. B. Project Management, Excel-Spezialist). Beide Maßnahmen schließen sich nicht aus, solange der Zeitplan stimmt.

    AVGS aktiv BGS parallel Zertifikatskurs
    2
    Gründung + Zusatzzertifizierung
    AVGS für Gründungscoaching, BGS für fachliche Qualifizierung

    Du willst dich selbstständig machen. Der AVGS (Abschnitt Existenzgründung) finanziert ein Gründungscoaching, Businessplan-Erstellung und Mentoring. Der BGS finanziert gleichzeitig oder im Anschluss eine branchenspezifische Qualifizierung, die dein Angebot professionalisiert — z. B. einen Marketing-Kurs oder eine Fachweiterbildung in deinem Kernbereich.

    Gründungscoaching BGS Fachkurs Selbstständigkeit
    3
    Wiedereinstieg nach langer Pause
    BGS zuerst, AVGS für den finalen Schritt

    Nach Elternzeit oder längerer Krankheit fehlen aktuelle Kenntnisse und Marktzugang. Strategie: Zuerst BGS für eine Auffrischungsqualifizierung (z. B. digitale Tools, neue Software), danach AVGS für intensives Bewerbungscoaching mit einem spezialisierten Karriereberater, der Kontakte in die Zielbranche hat.

    BGS zuerst AVGS danach Wiedereinstieg

    6. Die 4 häufigsten Fehler — und wie du sie vermeidest

    • ✗
      Den falschen Gutschein beantragen

      Wer einen Job sucht, aber einen BGS für eine lange Umschulung beantragt, verliert Monate. Wer qualifizieren will, aber nur einen AVGS bekommt, finanziert keine echte Weiterbildung. Kläre vor dem Gespräch: Brauche ich primär einen Job jetzt — oder fehlt mir eine Qualifikation?

    • ✗
      Keinen Träger vor der Bewilligung kontaktieren

      Viele fragen erst nach dem Gutschein nach Trägern — und stellen dann fest, dass der gewünschte Kurs bereits voll oder der Anbieter gar nicht zugelassen ist. Besser: Vorher beim Wunschträger anfragen, ob Plätze frei sind und der Kurs AZAV-zertifiziert für deinen Gutscheintyp gilt.

    • ✗
      Ablaufdatum verpassen

      Beide Gutscheine haben eine Gültigkeitsdauer (AVGS in der Regel 3 Monate, BGS oft 3–6 Monate je nach Bescheid). Wer zu lange wartet, muss neu beantragen. Im Zweifelsfall: Verlängerung proaktiv vor Ablauf beantragen — das ist möglich und oft unbürokratisch.

    • ✗
      Keinen schriftlichen Bescheid abwarten

      Eine mündliche Zusage im Beratungsgespräch ist kein Gutschein. Erst wenn du den schriftlichen Bewilligungsbescheid hast, darfst du die Maßnahme buchen. Früher anfangen kann dazu führen, dass die Kosten nicht übernommen werden.

    7. Neue Grundsicherung und der Kooperationsplan

    Was ändert sich mit dem neuen Kooperationsplan?

    Im Rahmen der Bürgergeld-Reform müssen Jobcenter für Langzeitarbeitslose ab 2026 einen verbindlichen Kooperationsplan erstellen. Dieser Plan ersetzt die bisherigen Eingliederungsvereinbarungen und ist rechtlich bindend für beide Seiten.

    Was das konkret für AVGS und BGS bedeutet:

    • Der Kooperationsplan legt fest, ob AVGS oder BGS (oder beide) eingesetzt werden
    • Zeitplan und Maßnahmenziel werden schriftlich vereinbart
    • Du hast ein stärkeres Recht auf Förderung, wenn die Maßnahme im Plan steht
    • Jobcenter muss begründen, wenn es die Förderung ablehnt

    Für dich bedeutet das: Bestehe auf Aufnahme von AVGS oder BGS in deinen Kooperationsplan — dann bist du rechtlich besser abgesichert, wenn ein Antrag abgelehnt wird.

    Neue Grundsicherung ab 2026

    Die überarbeiteten Regeln zur Grundsicherung (SGB II) sehen vor, dass Personen, die über AVGS gefördert werden und sich in einer Qualifizierungsmaßnahme befinden, keine Sanktionen mehr wegen mangelnder Eigenbemühungen erhalten, sofern sie aktiv an der Maßnahme teilnehmen.

    Das nimmt den Druck, parallel zur Maßnahme täglich Bewerbungen schreiben zu müssen — und ermöglicht eine konzentriertere Teilnahme am Coaching.

    8. Häufige Fragen (FAQ)

    • Kann ich AVGS und Bildungsgutschein gleichzeitig haben?

      Grundsätzlich ja — aber die Maßnahmen dürfen sich zeitlich nicht überschneiden. Das heißt: Wenn du gerade an einer AVGS-Maßnahme (z. B. 4-wöchiges Bewerbungscoaching) teilnimmst, kann der BGS-Kurs erst danach starten. In Ausnahmefällen (z. B. Abendkurs + Tagescoaching) ist eine Überschneidung möglich, muss aber vorher mit dem Berater abgestimmt werden.

    • Was passiert, wenn ich nach dem AVGS einen Job finde und dann wieder arbeitslos werde?

      Du kannst erneut einen AVGS beantragen. Es gibt keine Sperrfrist nach einem abgeschlossenen AVGS. Wenn du dann eine Qualifikationslücke erkennst, die zur erneuten Arbeitslosigkeit beigetragen hat, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, auch den Bildungsgutschein zu beantragen.

    • Kann ich mir den Träger für den Bildungsgutschein selbst aussuchen?

      Ja. Der Bildungsgutschein ist trägerunabhängig — du kannst jeden AZAV-zertifizierten Bildungsanbieter wählen, der den gewünschten Kurs anbietet. Du bist nicht an Empfehlungen des Jobcenters oder der Agentur gebunden. Vergleiche Bewertungen, Abschlüsse und Praxisrelevanz der Kurse, bevor du dich entscheidest.

    • Gilt der AVGS auch für Online-Coaching?

      Ja, ausdrücklich. Seit 2020 werden Online-Maßnahmen gleichgestellt. Viele AZAV-zertifizierte Träger bieten vollständig digitale Bewerbungscoachings und Karriereberatungen an. Das ist besonders für Menschen ohne Auto oder in ländlichen Gebieten praktisch. Achte darauf, dass der Anbieter eine gültige AZAV-Zertifizierung für Online-Maßnahmen hat.

    • Was ist, wenn mein Antrag abgelehnt wird?

      Du hast ein Widerspruchsrecht innerhalb von einem Monat nach Bescheiddatum. Formuliere den Widerspruch schriftlich und begründe, warum die Maßnahme für deine Eingliederung notwendig ist. Häufige Ablehnungsgründe sind fehlende Nachweise über die Notwendigkeit — das lässt sich oft durch ein ergänzendes Attest oder eine schriftliche Stellungnahme des Trägers beheben.

      • Widerspruchsfrist: 1 Monat
      • Einreichung: Schriftlich per Einschreiben
      • Kostenlose Beratung: Verbraucherzentrale oder Sozialverbände
    • Bekomme ich während einer BGS-Maßnahme weiter Arbeitslosengeld?

      Ja. Die Teilnahme an einer mit dem Bildungsgutschein geförderten Maßnahme unterbricht weder den ALG-I- noch den Bürgergeld-Bezug. Im Gegenteil: Wenn du während einer Vollzeit-BGS-Maßnahme Fahrt- oder Kinderbetreuungskosten hast, kann die Agentur zusätzliche Begleitmaßnahmen finanzieren. Kläre das vorab mit deinem Berater.

    9. Fazit

    Die Kurzversion für alle, die keine Zeit haben

    AVGS ist dein Instrument, wenn du jetzt einen Job brauchst: Er zahlt Coaching, Bewerbungsbegleitung und private Vermittler.

    Bildungsgutschein ist dein Instrument, wenn dir eine Qualifikation fehlt: Er finanziert Kurse, Umschulungen und Abschlüsse.

    Beide schließen sich nicht aus — im Gegenteil: Wer strategisch vorgeht, nutzt erst den BGS für eine gezielt ausgewählte Qualifizierung und dann den AVGS, um danach zügig in den Markt einzusteigen. Oder umgekehrt: AVGS sofort für schnelle Vermittlungsunterstützung, BGS parallel für eine langfristige Weiterbildung.

    Ab Juli 2026 gilt: Bestehe darauf, dass dein Kooperationsplan konkret festhält, welcher Gutschein wann zum Einsatz kommt — das gibt dir rechtliche Sicherheit und erhöht die Chance auf Bewilligung.

    Noch Fragen? Wir helfen kostenlos weiter.

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  • AVGS für Menschen aus der Ukraine: Wer hat 2026 noch Anspruch? | by Maik Marx

    AVGS & Migration

    AVGS für Menschen aus der Ukraine: Wer hat 2026 noch Anspruch? | by Maik Marx

    4. 28. Februar 2026 Maik Marx ca. 9 Min. Lesezeit

    Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 haben Hunderttausende Menschen aus der Ukraine in Deutschland Schutz gesucht. Viele von ihnen wollen hier arbeiten, sich qualifizieren und ein neues Leben aufbauen. Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) kann dabei ein wertvolles Instrument sein — aber die Rechtslage hat sich in den vergangenen Jahren mehrfach verändert. Dieser Artikel erklärt dir genau, wer 2026 noch Anspruch hat, was die neuen Regelungen bedeuten und wie du trotz Sprachbarrieren dein Recht bekommst.

    1,1 Mio.
    ukrainische Geflüchtete registriert in Deutschland (2025)
    ~40%
    davon im erwerbsfähigen Alter mit Qualifikationen
    3.200 €
    max. AVGS-Wert beim Vermittlungsgutschein

    Rechtliche Grundlage seit 2022: Die Entwicklung im Überblick

    Unmittelbar nach Kriegsausbruch erhielten ukrainische Staatsangehörige über die sogenannte EU-Massenzustromrichtlinie (TPD) und später die §§ 24 AufenthG einen besonderen Schutzstatus in Deutschland. Dieser Aufenthaltsstatus eröffnete ihnen den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt — und damit auch zu den Leistungen der Bundesagentur für Arbeit, darunter der AVGS.

    Im Gegensatz zu Asylbewerbern hatten Schutzberechtigte nach § 24 AufenthG von Beginn an vollen Arbeitsmarktzugang sowie Anspruch auf Bürgergeld nach SGB II (statt auf die eingeschränkten Leistungen des Asylbewerberleistungsgesetzes). Das war ein entscheidender Unterschied: Er bedeutete auch vollen AVGS-Zugang.

    Wichtig: Der AVGS ist kein Sonderprogramm für Geflüchtete — er steht allen Arbeitslosen und von Arbeitslosigkeit Bedrohten offen, die die allgemeinen Voraussetzungen erfüllen. Der § 24 AufenthG-Status hat diese Voraussetzungen für ukrainische Geflüchtete geschaffen.

    Was sich ab April 2025 änderte: Wechsel ins AsylbLG für Neuankömmlinge

    Im Zuge der politischen Debatten über eine stärkere Differenzierung im Aufenthaltsrecht beschlossen Bundesregierung und Bundestag Ende 2024 eine wesentliche Änderung: Neu ankommende ukrainische Geflüchtete (Einreise ab bestimmten Stichtagen) werden nicht mehr automatisch dem SGB-II-System zugeordnet, sondern zunächst im Rahmen des Asylbewerberleistungsgesetzes (AsylbLG) versorgt.

    Das hat direkte Folgen für den AVGS-Zugang:

    • Personen im AsylbLG erhalten keine AVGS-Leistungen der Bundesagentur für Arbeit
    • Der Arbeitsmarktzugang ist eingeschränkt — Arbeitserlaubnispflicht greift
    • Maßnahmen der Jobcenter (SGB II) stehen nicht zur Verfügung
    • Länder- und kommunale Programme können teilweise Lücken füllen

    Achtung: Wenn du nach dem 01.04.2025 nach Deutschland eingereist bist und noch keinen § 24-Status erteilt bekommen hast, solltest du umgehend anwaltliche oder behördliche Beratung suchen. Die genaue Einordnung hängt vom jeweiligen Bescheid ab.

    Wer hat 2026 noch AVGS-Anspruch? Die Kriterienübersicht

    Die gute Nachricht: Die große Mehrheit der bereits in Deutschland lebenden ukrainischen Geflüchteten ist weiterhin anspruchsberechtigt. Hier ist eine klare Übersicht:

    • § 24 AufenthG-Status + Bürgergeld (SGB II) — voller AVGS-Zugang über das Jobcenter
    • Erwerbstätig mit Aufenthaltserlaubnis zum Zweck der Arbeit — AVGS über die Agentur für Arbeit möglich, wenn mindestens 15 Wochen arbeitslos oder kurzfristig angemeldet
    • Langzeitarbeitslose mit gültigem Aufenthaltstitel — AVGS nach § 45 SGB III (Aktivierungsgutschein) sehr wahrscheinlich
    • Rentennahe Altersgruppen (55+) — spezielle Förderprogramme ergänzend zum AVGS prüfen
    • Alleinerziehende mit Kindern — häufig bevorzugter Zugang zu Maßnahmen nach SGB II

    Faustregel 2026: Wer Bürgergeld bezieht und einen regulären Aufenthaltstitel hat, hat auch AVGS-Anspruch. Der Status des Aufenthaltstitels (§ 24, Niederlassungserlaubnis, Arbeitsvisum) beeinflusst, ob das Jobcenter oder die Agentur für Arbeit zuständig ist — nicht ob der AVGS grundsätzlich infrage kommt.

    Die neue Grundsicherung ab Juli 2026: Was ändert sich für Geflüchtete?

    Das geplante Reformpaket Grundsicherung 2026 sieht ab Juli 2026 strukturelle Änderungen am SGB-II-System vor. Für ukrainische Geflüchtete sind dabei folgende Punkte relevant:

    • Stärkere Mitwirkungspflichten bei Qualifizierungsmaßnahmen — wer AVGS-Angebote ohne triftigen Grund ablehnt, riskiert Kürzungen
    • Neue Integrationsvereinbarungen mit verbindlichem Charakter: Sprachnachweise werden stärker gewichtet
    • Priorisierung von Maßnahmen mit Beschäftigungsgarantie — staatlich geförderte AVGS-Anbieter müssen Vermittlungsquoten nachweisen
    • Vereinfachte Anerkennungsverfahren für Auslandsabschlüsse sollen in das AVGS-System integriert werden
    • Mehr Flexibilität bei Online-Coaching-Maßnahmen — relevant für Menschen mit Kinderbetreuungspflichten

    Im Kern bedeutet das: Der AVGS bleibt erhalten und wird sogar gestärkt — aber die Anforderungen an aktive Mitarbeit steigen. Wer als ukrainische Person in Deutschland bleiben und sich integrieren möchte, sollte den AVGS aktiv nutzen und nicht passiv abwarten.

    5 praktische Tipps: Sprachbarrieren beim Jobcenter überwinden

    Eine der größten Hürden für ukrainische Geflüchtete ist die Kommunikation mit deutschen Behörden. Diese fünf Tipps helfen dir, trotz Sprachbarriere zu deinem Recht zu kommen:

    Tipp 01

    Dolmetscher aktiv einfordern

    Das Jobcenter ist gesetzlich verpflichtet, für ein Mindestmaß an Verständigung zu sorgen. Fordere schriftlich (per E-Mail) einen ukrainisch- oder russischsprachigen Dolmetscher für deinen Termin an. Viele Jobcenter arbeiten mit Sprachmittlerdiensten zusammen — frag explizit danach. Notfalls darf ein Freund oder eine Vertrauensperson als informeller Dolmetscher mitkommen.

    Tipp 02

    Schriftliche Kommunikation bevorzugen

    Stelle Anträge und Fragen immer schriftlich per E-Mail oder Brief. So hast du einerseits Nachweise über deine Anfragen, andererseits kannst du Texte in aller Ruhe übersetzen. Nutze DeepL oder Google Translate als erste Orientierung — aber lass wichtige Dokumente durch eine Beratungsstelle gegenlesen, bevor du sie einreichst.

    Tipp 03

    Beratungsstellen für Geflüchtete nutzen

    In fast jeder deutschen Großstadt gibt es kostenlose Migrationsberatungsstellen (z.B. von AWO, Caritas, Diakonie oder der Wohlfahrtsverbände), die häufig Mitarbeitende mit ukrainischen oder russischen Sprachkenntnissen haben. Diese können dich zu Beratungsgesprächen begleiten, Formulare erklären und dich auf deine Rechte hinweisen. Suche gezielt nach „Migrationsberatung + deine Stadt“.

    Tipp 04

    Auf Coaches mit Russisch/Ukrainisch setzen

    Wenn du einen Aktivierungsgutschein bekommst, hast du in vielen Fällen die freie Wahl des Anbieters. Suche gezielt nach AZAV-zertifizierten Coaching-Anbietern, die über muttersprachliche Coaches verfügen. In Berlin, Hamburg, München und anderen Großstädten gibt es spezialisierte Anbieter für ukrainische und russischsprachige Klienten. Frage beim Jobcenter explizit nach einer Liste solcher Anbieter oder recherchiere über die KURSNET-Datenbank der BA.

    Tipp 05

    Widerspruchsrecht kennen und nutzen

    Wenn dein AVGS-Antrag abgelehnt wird, hast du das Recht auf Widerspruch — in der Regel innerhalb eines Monats nach Bescheiddatum. Ein Widerspruch muss schriftlich eingereicht werden. Für ukrainische Geflüchtete bieten viele Beratungsstellen kostenlose Unterstützung bei Widerspruchsschreiben an. Lass dich nicht durch einen Ablehnungsbescheid entmutigen: Viele Widersprüche sind erfolgreich.

    Coaches mit russisch-/ukrainischsprachigem Support finden

    Seit 2022 hat sich ein wachsendes Netzwerk an Karrierecoaches und Beratungseinrichtungen entwickelt, die speziell auf die Bedürfnisse ukrainischer Geflüchteter ausgerichtet sind. Hier sind die besten Anlaufstellen:

    • KURSNET der Bundesagentur für Arbeit — Datenbank für alle AZAV-zertifizierten Anbieter, filterbar nach Region und Sprache
    • Faire Integration (faire-integration.de) — kostenlose Beratung für Geflüchtete in vielen Sprachen
    • Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) — Integrationskurse und Beratungsnetzwerk
    • Ukraine Hilfe Deutschland e.V. — lokale Netzwerke mit Coaching-Angeboten
    • LinkedIn-Gruppen für ukrainische Fachkräfte in Deutschland — Empfehlungen aus der Community sind Gold wert
    • Facebook-Gruppen „Ukrainer in [Stadt]“ — sehr aktive Communities mit Erfahrungsberichten zu Jobcentern und Coaches

    Tipp: Frage beim AVGS-Anbieter vor der Buchung explizit: „Gibt es bei Ihnen Coaches, die auf Ukrainisch oder Russisch kommunizieren können?“ Viele Anbieter haben das, bewerben es aber nicht aktiv nach außen.

    Den Lebenslauf Deutschland-kompatibel machen

    Ein ukrainischer Lebenslauf unterscheidet sich strukturell deutlich von dem, was deutsche Arbeitgeber erwarten. Mit einem AVGS-Coaching kannst du genau daran arbeiten. Die wichtigsten Unterschiede:

    • Kein Foto bei Online-Bewerbungen großer Konzerne — wird in Deutschland zunehmend optional
    • Rückwärtschronologische Reihenfolge: Aktuellste Stelle zuerst (in der Ukraine oft anders)
    • Lücken erklären: Fluchterfahrung ist in Deutschland ein akzeptierter Lückengrund — klar und kurz benennen
    • Ehrenamtliches Engagement gleichwertig aufführen — wird in Deutschland sehr geschätzt
    • Sprache anpassen: B2-Deutschkenntnisse offen kommunizieren — viele Arbeitgeber schätzen Ehrlichkeit mehr als Übertreibungen
    • Anschreiben: In Deutschland erwartet, in der Ukraine weniger üblich — muss auf die Stelle zugeschnitten sein

    Anerkennung ausländischer Abschlüsse: So funktioniert es 2026

    Viele ukrainische Geflüchtete haben hervorragende Qualifikationen — als Ärztinnen, Ingenieure, Lehrerinnen, IT-Fachleute. Ohne Anerkennung des Abschlusses bleibt das Potenzial jedoch ungenutzt. Die wichtigsten Schritte:

    • Anabin-Datenbank der KMK prüfen: Erste Anlaufstelle für die Anerkennung von Hochschulabschlüssen aus der Ukraine
    • BIBB-Anerkennungsportal (anerkennung-in-deutschland.de) nutzen: Berufsbildungsabschlüsse, klare Schritt-für-Schritt-Anleitung auf Ukrainisch verfügbar
    • Qualifikationsanalyse beantragen: Wenn Dokumente im Krieg verloren gingen, gibt es die Möglichkeit, Kompetenzen auch ohne Papiere nachzuweisen
    • AVGS für Anpassungsqualifizierungen nutzen: Wenn du 70–80% der deutschen Anforderungen erfüllst, kann eine Brückenmaßnahme über den AVGS finanziert werden
    • Anerkennungsberatung (IQ-Netzwerk) in Anspruch nehmen — kostenlos und in vielen Sprachen

    Der AVGS ist besonders wertvoll als Brückeninstrument: Er finanziert Coachings und Qualifizierungen, die dabei helfen, Lücken zwischen ukrainischer und deutscher Qualifikation zu schließen — und so den Weg zur vollständigen Anerkennung zu ebnen.

    Karriereberatung & Coaching

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    Häufige Fragen (FAQ)

    Kann ich den AVGS auch beantragen, wenn ich nur wenig Deutsch spreche?

    Ja, Sprachkenntnisse sind keine formale Voraussetzung für den AVGS-Antrag. Das Jobcenter ist verpflichtet, für Verständigung zu sorgen. Du kannst einen schriftlichen Antrag auf Ukrainisch oder Russisch einreichen und gleichzeitig um einen Dolmetscher für das Beratungsgespräch bitten. Viele AVGS-Anbieter bieten zudem Coaching auf Russisch oder Ukrainisch an.

    Gilt mein AVGS auch für Online-Coaching-Angebote?

    Ja, seit der Digitalisierungsoffensive der Bundesagentur für Arbeit (2020/2021) sind Online-Maßnahmen beim AVGS explizit zugelassen — vorausgesetzt, der Anbieter ist AZAV-zertifiziert. Online-Coaching ist gerade für Geflüchtete mit Kinderbetreuungspflichten besonders vorteilhaft, da Termine flexibel von zu Hause aus wahrgenommen werden können.

    Was passiert mit meinem AVGS, wenn ich von § 24 AufenthG auf eine reguläre Aufenthaltserlaubnis wechsle?

    Ein Statuswechsel ändert in der Regel nichts an deinem laufenden AVGS. Wenn du einen bereits ausgestellten Gutschein hast, kannst du ihn weiterhin nutzen. Bei Neuanträgen nach dem Statuswechsel bist du je nach neuer Aufenthaltserlaubnis weiterhin anspruchsberechtigt, sobald du die allgemeinen Kriterien erfüllst (z.B. mindestens 15 Wochen beim Arbeitgeber). Lass dich im Zweifelsfall von deinem Jobcenter oder der Agentur für Arbeit beraten.

    Mein AVGS-Antrag wurde abgelehnt — was kann ich tun?

    Zunächst: Nicht entmutigen lassen. Du hast das gesetzliche Recht auf Widerspruch innerhalb von einem Monat nach Erhalt des Ablehnungsbescheids. Lasse den Bescheid von einer kostenlosen Beratungsstelle (z.B. Migrationsberatung, Sozialdienst) prüfen. Viele Ablehnungen sind formale Fehler oder basieren auf falschen Voraussetzungsannahmen, die sich im Widerspruchsverfahren korrigieren lassen.

    Kann ich den AVGS auch nutzen, um eine Umschulung zu finanzieren?

    Für längere Umschulungen (mehr als 6 Monate) ist der AVGS allein in der Regel nicht ausreichend. Hier kommen andere Instrumente wie der Bildungsgutschein (BGS) ins Spiel, der für umfangreichere Weiterbildungen konzipiert ist. Der AVGS eignet sich hingegen gut für kurzfristige Qualifizierungen, Coachings (Bewerbung, Gründung, Karriere) und die Vorbereitung auf Anerkennungsprüfungen. Sprich mit deinem Fallmanager über die beste Kombination beider Instrumente.

    Gibt es spezielle AVGS-Programme, die nur für ukrainische Geflüchtete sind?

    Den klassischen AVGS als solchen gibt es nicht in einer „ukrainischen Variante“ — er ist ein allgemeines Förderinstrument. Allerdings haben viele Bundesländer seit 2022 ergänzende Sonderprogramme aufgelegt, die sich speziell an ukrainische Geflüchtete richten und parallel zum AVGS genutzt werden können. Informiere dich bei deinem Jobcenter, dem BAMF oder der Migrationsberatung in deiner Stadt über solche Landesprogramme.

    AVGS jetzt beantragen — wir helfen dir dabei

    Du weißt nicht, wie du den AVGS beantragen sollst? Unsere kostenlose Erstberatung führt dich Schritt für Schritt durch den Prozess — auch mit Sprachunterstützung.

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    Fazit: AVGS 2026 für ukrainische Geflüchtete — aktiv nutzen

    Die Rechtslage für ukrainische Geflüchtete ist 2026 differenzierter als noch 2022/2023 — aber die Kernbotschaft bleibt: Wer in Deutschland Bürgergeld bezieht und einen gültigen Aufenthaltstitel hat, hat in aller Regel auch AVGS-Anspruch. Die Änderungen ab April 2025 betreffen vor allem Neuankömmlinge, nicht die bereits integrierten Geflüchteten.

    Nutze den AVGS aktiv, um deinen Lebenslauf zu optimieren, deine Sprachkenntnisse zu verbessern, Abschlüsse anerkennen zu lassen oder den Weg in die Selbstständigkeit zu planen. Die Werkzeuge sind vorhanden — du musst sie nur einfordern.

  • Rechtsanspruch auf den AVGS: Wann das Jobcenter nicht ablehnen kann | by Maik Marx

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    Rechtsanspruch auf den AVGS: Wann das Jobcenter nicht ablehnen kann

    Rechtsanspruch auf AVGS Gutschein durchsetzen

    Der AVGS – Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein – wird von vielen Arbeitslosen als freiwillige Leistung des Jobcenters oder der Arbeitsagentur betrachtet. Dieses Missverständnis ist teuer: Wer länger als sechs Wochen arbeitslos ist, hat unter bestimmten Voraussetzungen einen gesetzlichen Anspruch auf den Gutschein. Dieser Artikel erklärt dir genau, wann das Recht entsteht, wie du es durchsetzt – und was du tun kannst, wenn das Jobcenter trotzdem ablehnt.

    § 45 Abs. 7 SGB III – Die gesetzliche Grundlage

    „Die Agentur für Arbeit soll Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nach einer Arbeitslosigkeit von längstens sechs Wochen einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein ausstellen.“ Das Wort „soll“ bedeutet im juristischen Sinne: Es besteht ein Rechtsanspruch, von dem nur in begründeten Ausnahmefällen abgewichen werden darf.

    „Soll“ ist kein „Kann“ – der Unterschied im Gesetz

    Im deutschen Verwaltungsrecht gibt es eine klare Hierarchie: „Kann“ bedeutet Ermessen, „Soll“ bedeutet gebundenes Ermessen mit Ausnahmöffnung, und „Muss“ bedeutet vollständige Pflicht. Der AVGS-Anspruch nach § 45 Abs. 7 SGB III ist ein Soll-Anspruch.

    Das bedeutet konkret: Das Jobcenter hat grundsätzlich den Gutschein auszustellen, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Es darf nur dann abweichen, wenn im Einzelfall besondere, sachlich begründete Umstände dagegensprechen. Eine pauschale Ablehnung ohne Begründung ist rechtlich angreifbar – Behörden müssen ihre Entscheidungen begründen (§ 35 SGB X); ob ein Bescheid im Einzelfall rechtswidrig ist, klärt eine rechtliche Prüfung.

    Ermessen vs. Rechtsanspruch – Kurzüberblick

    Ermessen („kann“): Die Behörde entscheidet frei, du hast keinen Anspruch.
    Gebundenes Ermessen („soll“): Die Behörde muss handeln – Abweichung nur mit besonderer Begründung.
    Pflicht („muss“): Kein Spielraum, die Behörde muss handeln.

    Wann entsteht der Rechtsanspruch?

    Damit du dich auf § 45 Abs. 7 SGB III berufen kannst, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

    • Du bist bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter arbeitslos gemeldet
    • Die Arbeitslosigkeit dauert mindestens sechs Wochen an (nicht Arbeitssuchendmeldung, sondern tatsächliche Arbeitslosigkeit)
    • Du hast keine Leistungssperre oder Sperrzeit, die den Bezug aktiver Förderleistungen ausschließt
    • Ein Maßnahmeträger ist bereit, die gewünschte Maßnahme mit AVGS-Zulassung (AZAV) durchzuführen
    • Die gewünschte Maßnahme ist förderfähig gemäß § 45 SGB III (z.B. Bewerbungscoaching, Qualifizierung, Vermittlung)
    Wichtige Unterscheidung: Jobcenter vs. Arbeitsagentur

    Bist du ALG I-Empfänger, ist die Agentur für Arbeit zuständig. Empfängst du Bürgergeld (früher Hartz IV), ist das Jobcenter zuständig. Beide unterliegen § 45 SGB III, aber die Ansprechpartner und Zuständigkeiten sind verschieden. Den Antrag musst du beim richtigen Träger stellen.

    Wann darf das Jobcenter ablehnen?

    Das Jobcenter hat trotz des Soll-Anspruchs begrenzte Möglichkeiten zur Ablehnung. Diese sind im Gesetz und in der Rechtsprechung anerkannt:

    Legitime Ablehnungsgründe

    • Die Maßnahme ist nicht geeignet, die Beschäftigungschancen zu verbessern (müssen konkret begründet werden)
    • Der Anbieter ist nicht AZAV-zertifiziert für die gewünschte Maßnahme
    • Es liegen bereits laufende Fördermaßnahmen vor, die vorrangig sind
    • Die beantragte Maßnahme ist nicht nach § 45 SGB III förderfähig (z.B. reine Berufsausbildung)
    • Es besteht eine aktive Sperrzeit wegen Eigenkündigung oder Meldeversäumnis

    Ablehnungsgründe, die du hinterfragen kannst

    • „Wir haben kein Budget“ – Haushaltsmittel gelten bei einem Rechtsanspruch grundsätzlich nicht als tragfähige Begründung – im Zweifel rechtlich prüfen lassen
    • „Sie finden bestimmt selbst einen Job“ – Pauschalurteile ohne Einzelfallprüfung
    • „Das bearbeiten wir gerade nicht“ – Verwaltungsengpässe
    • „Das ist nur bei längerer Arbeitslosigkeit sinnvoll“ – nach sechs Wochen greift der Anspruch
    • Mündliche Ablehnungen ohne schriftlichen Bescheid
    Bundessozialgericht bestätigt

    Das Bundessozialgericht (BSG) hat mehrfach bestätigt, dass haushaltstechnische Engpässe oder interne Prioritätssetzungen keine ausreichenden Gründe sind, einen AVGS-Anspruch abzulehnen. Wer sechs Wochen wartet, hat nach § 45 Abs. 4 SGB III einen Rechtsanspruch – ob und wie er sich im Einzelfall durchsetzen lässt, klärst du am besten mit rechtlicher Beratung (VdK, SoVD, Anwalt).

    Richtige Kommunikation: Bestimmt, aber nicht aggressiv

    Der Ton macht die Musik – auch beim Jobcenter. Aggressives Auftreten bringt selten Erfolg und kann die Zusammenarbeit belasten. Besser: sachlich, konkret und auf der Grundlage der Rechtslage formulieren. Zeige, dass du vorbereitet bist, ohne zu drohen.

    Formulierungsbeispiel – Im Gespräch

    „Ich bin seit [Datum] arbeitslos gemeldet, das sind jetzt über sechs Wochen. Nach § 45 Abs. 7 SGB III möchte ich einen Aktivierungsgutschein beantragen für [konkrete Maßnahme] beim Anbieter [Name], der AZAV-zertifiziert ist. Ich bitte um schriftliche Ausstellung oder, falls Sie ablehnen, um einen begründeten schriftlichen Bescheid.“

    Mit dieser Formulierung erreichst du mehrere Dinge gleichzeitig: Du demonstrierst Rechtskenntnisse, du dokumentierst deinen Antrag faktisch, und du stellst klar, dass du eine mögliche Ablehnung anfechten wirst – ohne es direkt auszusprechen.

    Formulierungsbeispiel – Per E-Mail oder Brief

    „Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit beantrage ich gemäß § 45 Abs. 7 SGB III die Ausstellung eines Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheins (AVGS). Meine Arbeitslosigkeit besteht seit [Datum], somit sind die Voraussetzungen der Norm erfüllt. Ich bitte um schriftliche Bearbeitung meines Antrags innerhalb von zwei Wochen. Bei Ablehnung erbitte ich einen mit Rechtsbehelfsbelehrung versehenen Bescheid. Mit freundlichen Grüßen, [Ihr Name]“

    4-Schritte-Plan bei Ablehnung

    Wenn das Jobcenter deinen Antrag ablehnt oder gar nicht bearbeitet, gibt es einen klaren Weg, den du gehen kannst. Wichtig: Fristen beachten! Widerspruch muss in der Regel innerhalb eines Monats nach Zugang des Bescheids eingelegt werden.

    1
    Schritt 1 – Sofort

    Schriftlichen Bescheid anfordern
    Verlange immer einen formellen schriftlichen Bescheid mit Rechtsbehelfsbelehrung. Eine mündliche Ablehnung oder ein informeller Brief reicht nicht. Ohne schriftlichen Bescheid beginnt keine Widerspruchsfrist – du hast theoretisch unbegrenzt Zeit. Formuliere die Anforderung schriftlich (E-Mail mit Lesebtätigung oder Brief per Einschreiben).

    2
    Schritt 2 – Binnen 1 Monat

    Widerspruch einlegen
    Der Widerspruch muss innerhalb eines Monats nach Zugang des Bescheids schriftlich bei der ausstellenden Behörde eingehen. Begründe ihn mit § 45 Abs. 7 SGB III, der Dauer deiner Arbeitslosigkeit und der Eignung der gewünschten Maßnahme. Der Widerspruch hat in der Regel aufschiebende Wirkung – die Ablehnung wird vorläufig ausgesetzt.

    3
    Schritt 3 – Parallel

    Kostenlose Rechtsberatung suchen
    Gleichzeitig empfehle ich, kostenlose Beratung zu holen: Sozialrechtsverbände (VdK, SoVD), Verbraucherzentrale, Gewerkschaft oder spezialisierte Sozialrechtsanwälte bieten oft kostenfreie Erstberatung. Viele Rechtsschutzversicherungen decken auch Sozialrechtssachen ab. Im besten Fall bestätigt die Beratung deine Position – und du weißt, ob es sinnvoll ist, weiter zu kämpfen.

    4
    Schritt 4 – Letzter Ausweg

    Klage beim Sozialgericht
    Wird auch der Widerspruch abgelehnt, kannst du Klage beim zuständigen Sozialgericht einreichen. Sozialgerichtsverfahren sind für Kläger in der Regel kostenlos (keine Gerichts- und Anwaltskosten im ersten Rechtszug). Viele Fälle werden bereits durch die Klagedrohung gelöst – das Jobcenter lenkt ein, bevor es zum Prozess kommt. Die Aussichten bei klarer Rechtsgrundlage wie § 45 Abs. 7 SGB III sind oft gut.

    Neue Lage durch das Bürgergeld-Gesetz

    Mit der Einführung des Bürgergelds zum 1. Januar 2023 hat sich einiges verändert. Die Reform setzt stärker auf Freiwilligkeit und langfristige Qualifizierung statt kurzfristige Arbeitsvermittlung. Für den AVGS-Anspruch bedeutet das:

    • Die sogenannte Vertrauenszeit (erste 6 Monate) schränkt Sanktionen ein – nicht aber den Anspruch auf Fördermittel wie den AVGS
    • Ganzheitliche Betreuung und individuelle Förderpläne sollen AVGS-Maßnahmen besser in den Gesamtplan einbetten
    • Der Bürgergeldbonus (monatliche Prämie für Weiterbildung) kann zusätzlich zum AVGS genutzt werden
    • Potenzialanalysen werden stärker betont – du kannst dies nutzen, um die Eignung deiner AVGS-Maßnahme zu belegen
    Tipp: Eingliederungsvereinbarung nutzen

    Im Bürgergeldsystem wird die Eingliederungsvereinbarung (jetzt „Kooperationsplan“) stärker betont. Lass darin explizit den AVGS als Fördermittel festschreiben – das stärkt deine Position erheblich und erschwert spätere Ablehnungen.

    Bürgergeld vs. ALG I: Gilt der Anspruch für beide?

    Ja – § 45 SGB III gilt für alle Arbeitslosen unabhängig davon, ob sie ALG I (Arbeitslosengeld I) oder Bürgergeld erhalten. Allerdings gibt es praktische Unterschiede:

    • ALG I (Arbeitsagentur): Tendentiell höhere Eigeninitiative möglich, Fallmanager mit größerem Handlungsspielraum, AVGS oft zügiger ausgestellt
    • Bürgergeld (Jobcenter): Höhere Fallzahlen pro Betreuer, AVGS manchmal schlechter bekannt oder weniger priorisiert – umso wichtiger, den Anspruch aktiv einzufordern
    • Bei Aufstocker-Verhältnissen (Teilzeit + Bürgergeld): Zuständigkeit liegt beim Jobcenter, auch hier gilt § 45 Abs. 7 SGB III
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    Häufige Fragen zum AVGS-Rechtsanspruch

    Kann ich den AVGS auch ohne Zustimmung des Jobcenters einlösen?

    Nein. Der AVGS muss vom Jobcenter oder der Arbeitsagentur offiziell ausgestellt werden, bevor du ihn bei einem Anbieter einlösen kannst. Erst mit dem schriftlichen Gutschein kannst du beim zertifizierten Anbieter starten. Ein mündliches „ok“ oder eine informelle Zusage genügt nicht – darauf solltest du dich niemals verlassen.

    Was passiert, wenn das Jobcenter meinen Antrag einfach ignoriert?

    Wird dein Antrag nicht bearbeitet, spricht man von einer „Unterlassung“. Du kannst nach drei Monaten ohne Bescheid eine Untentätigkeitsklage beim Sozialgericht einreichen (§ 88 SGG). Vorher empfehle ich, deinen Antrag schriftlich nachzuhaken und eine konkrete Bearbeitungsfrist zu setzen. Dokumentiere alles sorgfältig mit Datum und Eingangsbeleg.

    Muss ich beim Widerspruch einen Anwalt haben?

    Nein – im Widerspruchsverfahren und auch im ersten Rechtszug vor dem Sozialgericht besteht kein Anwaltszwang. Du kannst dich selbst vertreten. Allerdings kann ein Sozialrechtsanwalt die Erfolgsaussichten deutlich erhöhen, besonders wenn die Sach- und Rechtslage komplexer wird. Viele Sozialrechtsanwälte bieten kostenfreie Erstberatung an – nutze das.

    Kann das Jobcenter den AVGS rückwirkend ablehnen, nachdem ich die Maßnahme begonnen habe?

    Grundsätzlich gilt: Hast du den AVGS ordnungsgemäß erhalten und die Maßnahme begonnen, kann das Jobcenter ihn nicht einfach rückwirkend entziehen, solange du die Maßnahme ordnungsgemäß absolvierst. Eine nachträgliche Stornierung ist nur bei arglistiger Täuschung oder einer wesentlichen Änderung deiner Situation möglich (z.B. Arbeitsaufnahme während der Maßnahme).

    Ich bin nur kurz arbeitslos – kann ich den AVGS trotzdem bekommen?

    Vor Ablauf der sechs Wochen besteht kein Rechtsanspruch nach § 45 Abs. 7 SGB III. Das Jobcenter kann in dieser Zeit dennoch einen AVGS ausstellen (Ermessen), ist aber nicht dazu verpflichtet. Wenn dein Arbeitsvermögen oder besondere Umstände (z.B. drohende Langzeitarbeitslosigkeit) es begründen, ist ein frühzeitiger Antrag mit entsprechender Begründung sinnvoll.

    Zählt die Sperrzeit bei der 6-Wochen-Frist mit?

    Nein. Sperrzeiten – etwa nach einer Eigenkündigung – pausieren aktive Fördermöglichkeiten. Während einer Sperrzeit entsteht kein Anspruch auf aktive Förderleistungen wie den AVGS. Die 6-Wochen-Frist beginnt erst nach Ablauf der Sperrzeit neu zu laufen, soweit das ALG-Bezugsrecht nicht erloschen ist.

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    Kenne deine Rechte beim AVGS – und hol dir die richtige Unterstützung

    Wir beantworten deine Fragen rund um AVGS-Antrag und Coaching. Die rechtliche Prüfung und Durchsetzung deines Anspruchs gehört in die Hände von Sozialverbänden (VdK, SoVD) oder Anwälten – wir zeigen dir gern, wo du diese Hilfe findest.

  • Dunkle Seite des AVGS: Warum manche Jobcenter systematisch ablehnen | by Maik Marx

    Bürokratie und Protest — AVGS Jobcenter Ablehnungen
    AVGS Kritik & Recht

    Dunkle Seite des AVGS: Warum manche Jobcenter systematisch ablehnen | by Maik Marx

    Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) klingt auf dem Papier unkompliziert: Du beantragst ihn, das Jobcenter genehmigt ihn, du wählst einen zertifizierten Träger. Doch die Realität sieht für Zehntausende Betroffene anders aus. Ablehnungen ohne nachvollziehbare Begründung, Sachbearbeiter die widersprüchliche Auskünfte geben, und regionale Unterschiede, die an Zufälligkeit grenzen — das AVGS-System hat eine dunkle Seite, über die kaum gesprochen wird.

    Dieser Artikel bricht das Schweigen. Er zeigt, wie strukturell das Problem ist, warum manche Jobcenter systematisch ablehnen — und was du konkret dagegen tun kannst.


    Das Ermessensproblem — wenn Recht zu Willkür wird

    Der AVGS ist keine Pflichtleistung, sondern eine Ermessensleistung nach § 45 SGB III. Das bedeutet: Das Jobcenter kann ihn bewilligen — muss es aber nicht. Theoretisch soll das Ermessen sachgerecht und einzelfallbezogen ausgeübt werden. Praktisch schafft es einen Einfallstor für willkürliche Entscheidungen.

    ⚠️
    Rechtliche Realität: Ermessen ≠ Beliebigkeit

    Ermessen muss nach § 39 SGB I pflichtgemäß ausgeübt werden. Eine Ablehnung ohne sachlichen Grund ist rechtswidrig — auch wenn sie in der Praxis schwer anfechtbar erscheint. Das BSG (Bundessozialgericht) hat mehrfach bestätigt, dass ermessensfehlerhafte Bescheide aufzuheben sind.

    Das Kernproblem: Jobcenter und Agenturen für Arbeit haben interne Handlungsanweisungen und Budgetvorgaben, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Wenn das Jahresbudget für Aktivierungsmaßnahmen im Oktober aufgebraucht ist, werden Anträge mit formalem Verweis auf fehlende Eingliederungsnotwendigkeit abgelehnt — obwohl die Rechtslage eigentlich anders aussieht.

    Typische Ablehnungsgründe — und was dahintersteckt

    • „Keine Fördernotwendigkeit festgestellt“ — Oft budgetbegründet, nicht sachlich begründet.
    • „Eigenbemühungen ausreichend“ — Sachbearbeiter hält es für zumutbar, sich allein zu bewerben. Kein objektiver Maßstab.
    • „Maßnahme nicht arbeitsmarktlich notwendig“ — Verweis auf offene Stellen in der Region, die oft gar nicht zur Qualifikation passen.
    • „Kein geeigneter Träger verfügbar“ — Manchmal vorgeschoben, wenn der gewünschte Träger nicht im Systemkatalog gelistet ist.
    • „Priorität für andere Förderinstrumente“ — Steuerung in günstigere oder intern bevorzugte Maßnahmen.
    ~35%
    Erstablehnungsquote (Schätzung Sozialverbände)
    68%
    Widersprüche erfolgreich oder teilweise erfolgreich
    § 45
    SGB III — Rechtsgrundlage AVGS
    3 Mo.
    Frist für Widerspruch nach Ablehnung

    Regionale Ablehnungsquoten: Ein Flickenteppich

    Deutschland hat 303 Jobcenter-Standorte und 156 Agenturen für Arbeit — und jeder Standort entwickelt über die Jahre eine eigene Praxis. Was in Hamburg fast routinemäßig genehmigt wird, scheitert in manchen strukturschwachen Regionen Ostdeutschlands oder in überlasteten Großstadtjobcentern regelmäßig. Eine bundesweite Transparenzpflicht für Bewilligungsquoten gibt es nicht.

    Region / TypTendenz BewilligungBekannte Probleme
    Hamburg, München, FrankfurtEher gutGut ausgebautes Trägernetz, höheres Budget
    Berlin (Mitte, Neukölln)ProblematischÜberlastung, hohe Fallzahlen pro SB, lange Wartezeiten
    Ruhrgebiet (Essen, Duisburg)DurchwachsenBudgetprobleme, aber erfahrene Sozialberatung verfügbar
    Strukturschwache Regionen OstHäufig ablehnendGeringes Trägernetz, Sachbearbeiter ohne Fortbildung
    Ländliche Bayern/BaWüVariabelStarke Standortunterschiede, oft Vermittlungsgutschein bevorzugt
    Kleinstädte < 50.000 EWTendenziell kritischWenig Träger, persönliche Bekanntheit beeinflusst Entscheidung
    ℹ️
    Wichtig: Keine offiziellen Quoten verfügbar

    Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht keine standortgenauen AVGS-Bewilligungsquoten. Die Angaben in dieser Tabelle basieren auf Berichten von Sozialverbänden, Rechtsberatungsstellen und Forenerfahrungen — sie sind indikativ, nicht statistisch belastbar.

    Warum gibt es keine einheitliche Praxis?

    Das liegt am dezentralen System: Jobcenter sind eigenständige Einrichtungen mit eigenem Budget, eigenen Zielvereinbarungen und eigenem Personal. Die Bundesagentur gibt Rahmenvorgaben heraus, doch ihre Umsetzung variiert erheblich. Dazu kommt: Sachbearbeiter wechseln häufig, Fortbildungen zum AVGS sind nicht standardisiert, und die Rechtspraxis wird intern durch Kollegengespräche statt durch einheitliche Leitlinien geprägt.


    Was Betroffene berichten — Forumsstimmen

    In Foren wie arbeitslosenselbsthilfe.de, hartz4.org, sozialrechtsexperte.de und der Facebook-Gruppe „AVGS Deutschland“ häufen sich gleichartige Berichte. Wir haben typische Muster zusammengestellt — verändert und anonymisiert, repräsentativ für häufige Schilderungen.

    „Meine Sachbearbeiterin hat mir einfach gesagt, dass sie das nicht genehmigen kann und mir empfohlen, mich bei der Bundesagentur zu beschweren — beim nächsten Gespräch war plötzlich eine andere Sachbearbeiterin zuständig, die von nichts wusste.“

    — Nutzer, Forum arbeitslosenselbsthilfe.de (2025, sinngemäß rekonstruiert)

    „Drei Monate lang habe ich auf die Entscheidung zu meinem AVGS-Antrag gewartet. Als der Bescheid kam, stand nur drin ‚Förderung nicht notwendig‘. Auf meine Nachfrage, warum, bekam ich keine Antwort. Der Widerspruch war dann erfolgreich — aber erst nach weiteren vier Monaten.“

    — Erfahrungsbericht, Rechtsberatungsstelle Berlin (2025, anonymisiert)

    „Das Jobcenter hat mir einen Gutschein nur für Träger aus ihrem eigenen Liste ausgestellt — aber keiner davon bot meinen gewünschten IT-Kurs an. Als ich fragte, ob ein externer AZAV-zertifizierter Träger möglich sei, hieß es ‚das geht nicht‘. Das stimmt so nicht.“

    — Kommentar, Facebook-Gruppe AVGS Deutschland (2026, anonymisiert)

    Wiederkehrende Muster in den Berichten: fehlende schriftliche Begründungen, widersprüchliche Auskünfte an einem einzigen Standort, lange Bearbeitungszeiten, und systematische Steuerung zu bestimmten (günstigeren) Trägern. Das deutet weniger auf Einzelfälle hin als auf strukturelle Probleme.


    Sozialverbände schlagen Alarm

    Die drei großen deutschen Sozialverbände — VdK, DGB und der Paritätische Gesamtverband — haben in den vergangenen Jahren wiederholt die Praxis bei AVGS-Entscheidungen kritisiert. Ihre Kernkritikpunkte:

    VdK: Beratungsdefizit und Informationsasymmetrie

    Der Sozialverband VdK bemängelt, dass Betroffene systematisch zu wenig über ihre Rechte informiert werden. In seiner Stellungnahme zur Grundsicherungsreform 2024/2025 forderte der VdK eine Pflicht zur schriftlichen, begründeten Ablehnung bei AVGS-Anträgen sowie eine kostenfreie Erstberatung bei Widerspruch. Der VdK dokumentiert in seiner Beratungspraxis, dass vor allem ältere Arbeitslose (50+), Migrantinnen und Migranten sowie Menschen mit Behinderung überproportional häufig Ablehnungen erhalten.

    DGB: Budgetsteuerung statt Bedarfsorientierung

    Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisiert in seinem Arbeitsmarktbericht 2025 eine zunehmende „Budgetsteuerung“ statt echter Bedarfsorientierung. Jobcenter würden AVGS-Ausgaben intern deckeln, ohne dies nach außen zu kommunizieren. Besonders in der zweiten Jahreshälfte, wenn Jahresbudgets ausgeschöpft seien, sinke die Bewilligungsrate messbar. Der DGB fordert mehr Transparenz bei der Budgetverteilung und eine stärkere parlamentarische Kontrolle der BA.

    Der Paritätische: Qualitätssicherung fehlt

    Der Paritätische Gesamtverband weist auf ein Qualitätsproblem hin: Nicht die Ablehnung an sich sei das größte Problem, sondern die fehlende Qualitätssicherung bei Bewilligungen. Viele Jobcenter genehmigten AVGS-Maßnahmen für Träger, die zwar AZAV-zertifiziert seien, deren Maßnahmenqualität aber stark schwanke. Gleichzeitig würden hochwertige, aber teurere Träger systematisch benachteiligt. Das führe zu einem Race-to-the-Bottom bei Qualitätsstandards.

    ✅
    Kostenfreie Unterstützung durch Sozialverbände

    VdK, DGB-Mitgliederberatung, Sozialberatungsstellen des Paritätischen und die Verbraucherzentrale bieten kostenfreie oder kostengünstige Unterstützung beim AVGS-Widerspruch. Eine Mitgliedschaft im VdK (ab ca. 5 € / Monat) kann sich bei einem Rechtsstreit schnell rechnen.


    Neue Grundsicherungs-Regeln 2026 — was sich ändert (und was nicht)

    Mit dem Bürgergeld-Nachfolgesystem (Grundsicherung für Arbeit, beschlossen 2025, in Kraft seit Januar 2026) wurden mehrere Parameter für Förderleistungen neu geregelt. Für AVGS-Antragsteller sind folgende Änderungen relevant:

    Was sich 2026 ändert

    • Erhöhte Regelsätze (+2,8 % gegenüber 2025) — kein direkter Einfluss auf AVGS, aber bessere finanzielle Stabilität während der Maßnahme.
    • Stärkerer Fokus auf Weiterbildung — Die neue Grundsicherungslogik setzt explizit auf Qualifikationssteigerung, was AVGS-Anträge für Weiterbildungsmaßnahmen formal stärken sollte.
    • Schriftlichkeitspflicht — Ablehnungen müssen ab 2026 in Widerspruchsfällen schriftlich und mit Begründung ergehen. Dies war bisher nicht einheitlich geregelt.
    • Erweiterter Ermessensrahmen für digitale Maßnahmen — Online-Coaching und digitale Qualifizierung sind explizit als förderfähig anerkannt.

    Was sich NICHT ändert

    • Der Ermessenscharakter des AVGS bleibt bestehen — es gibt keinen Rechtsanspruch.
    • Keine bundesweit einheitlichen Bewilligungskriterien oder transparente Quoten.
    • Budgethoheit verbleibt bei den lokalen Jobcentern.
    • Die AZAV-Zertifizierungspflicht für Träger bleibt unverändert.
    • Die 3-Monatsfrist für den Widerspruch bleibt erhalten.
    ℹ️
    Neue Schriftlichkeitspflicht ab 2026 nutzen

    Wenn dein Jobcenter eine Ablehnung nicht schriftlich begründet, ist das ab 2026 ein eigenständiger Verfahrensfehler. Verlange aktiv eine schriftliche Begründung — das stärkt deine Position beim Widerspruch erheblich.


    5 konkrete Schritte, wenn dein AVGS-Antrag abgelehnt wird

    Eine Ablehnung ist kein endgültiges Urteil. Erfahrungsgemäß sind rund zwei Drittel aller Widersprüche erfolgreich oder führen zu einer einvernehmlichen Lösung. Hier ist dein Handlungsplan:

    • 1

      Schriftliche Begründung verlangen

      Fordere umgehend eine schriftliche Begründung des Ablehnungsbescheids an — per E-Mail oder Posteingang mit Eingangsbestätigung. Notiere Datum und Uhrzeit des Gesprächs, den Namen des Sachbearbeiters. Ohne Begründung kannst du keinen fundierten Widerspruch formulieren.

    • 2

      Frist im Blick behalten (3 Monate)

      Der Widerspruch muss innerhalb von 3 Monaten nach Bekanntgabe des Bescheids eingelegt werden (§ 84 SGG). Warte nicht ab. Lege notfalls einen Widerspruch „ohne Begründung“ ein, um die Frist zu wahren, und reiche die Begründung nach.

    • 3

      Widerspruch schriftlich und begründet einlegen

      Beziehe dich konkret auf § 45 SGB III, auf deine individuelle Situation (Dauer der Arbeitslosigkeit, Qualifikationslücken, Bewerbermarkt), und auf die Ermessensfehlerhaftigkeit der Begründung. Nutze Vorlagen von VdK oder Sozialberatungsstellen. Sende den Widerspruch per Einschreiben.

    • 4

      Sozialberatung oder Anwalt einschalten

      VdK, AWO, Caritas, Diakonie und die Verbraucherzentrale bieten Beratung an. Bei komplexeren Fällen lohnt sich ein auf Sozialrecht spezialisierter Anwalt — die erste Beratung ist oft kostenarm. Prozesskostenhilfe ist möglich, wenn das Einkommen unter der Grenze liegt.

    • 5

      Klage vor dem Sozialgericht als letztes Mittel

      Wenn der Widerspruch abgewiesen wird, bleibt die Klage beim Sozialgericht (SG). Das Verfahren ist gebührenfrei für Antragsteller. Sozialgerichte urteilen bundesweit häufig zugunsten von Klägern bei nachgewiesenen Ermessensfehlern. Die Erfolgsquote bei anwaltlich vertretenen Klagen liegt laut Studien deutlich höher.

    ⚠️
    Während des Widerspruchs: Kommunikation dokumentieren

    Schreibe nach jedem Gespräch eine kurze Gesprächsnotiz (Datum, Uhrzeit, Name des Sachbearbeiters, Kernaussagen). Diese Dokumentation ist im Widerspruchs- und Klageverfahren wertvolles Beweismittel.

    Selbstständig werden statt Jobcenter-Stress?

    Wenn du genug von Ablehnungen hast und lieber dein eigenes Ding aufbauen möchtest: plangenial.de zeigt dir, wie du mit einem AVGS oder ESF-Gründungszuschuss in die Selbstständigkeit starten kannst — strukturiert, finanziert, ohne Risiko.

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    6 häufige Fragen zur AVGS-Ablehnung

    Kann ein Jobcenter den AVGS ohne Begründung ablehnen?

    Formal nein — § 35 SGB X verpflichtet Behörden, Verwaltungsakte zu begründen. In der Praxis werden Ablehnungen jedoch oft mit pauschalen Floskeln begründet, die keine echte Auseinandersetzung mit dem Einzelfall zeigen. Ab 2026 gilt eine verschärfte Schriftlichkeitspflicht. Verlange eine konkrete, schriftliche Begründung — das ist dein Recht.

    Lohnt sich ein Widerspruch wirklich?

    Ja, absolut. Nach Erfahrung von Sozialberatungsstellen werden rund 60–70 % der AVGS-Widersprüche ganz oder teilweise erfolgreich abgeschlossen. Oft zieht das Jobcenter die Ablehnung bereits nach dem Widerspruch zurück, ohne dass es zu einem Klageverfahren kommt. Der Aufwand ist überschaubar — ein klares, sachliches Schreiben mit Bezug auf die Rechtsgrundlage reicht als Einstieg.

    Was tun, wenn der Widerspruch auch abgelehnt wird?

    Dann bleibt die Klage beim zuständigen Sozialgericht. Das Verfahren ist für Kläger im SGB-II/III-Bereich grundsätzlich kostenfrei. Du kannst Prozesskostenhilfe beantragen. Viele Sozialgerichte urteilen zugunsten der Kläger, wenn das Jobcenter keine dokumentierten, sachlichen Gründe für die Ablehnung vorlegen kann. Suche dir anwaltliche Unterstützung — die erhöht die Erfolgsquote messbar.

    Darf ich mir einen anderen Sachbearbeiter wünschen?

    Formal nicht — Sachbearbeiter sind nach internen Geschäftsverteilungsplänen zuständig. Du kannst jedoch eine Befangenheit geltend machen, wenn du nachweisen kannst, dass ein Sachbearbeiter sachfremde Motive verfolgt oder dich falsch informiert hat. In der Praxis ist ein freundliches Gespräch mit dem Team- oder Abteilungsleiter oft wirkungsvoller. Verlangt weniger Nerven und führt häufig zur internen Umverteilung des Vorgangs.

    Kann ich den AVGS erneut beantragen nach einer Ablehnung?

    Ja. Eine Ablehnung schließt einen neuen Antrag nicht aus, wenn sich die Umstände geändert haben — zum Beispiel neue Qualifikationslücken, längere Dauer der Arbeitslosigkeit oder ein neues Berufsfeld. Formuliere den Neuantrag anders als den ersten und betone veränderte Ausgangslage. Gleichzeitig solltest du den Widerspruch gegen die erste Ablehnung parallel weiterverfolgen.

    Gibt es einen AVGS-Ombudsmann oder eine Beschwerdestelle?

    Nicht im klassischen Sinne. Die Bundesagentur für Arbeit hat jedoch eine interne Beschwerdestelle („Ombudsmann der BA“), die du bei schwerem Fehlverhalten kontaktieren kannst. Darüber hinaus kannst du dich an den Petitionsausschuss des Bundestags wenden, wenn du eine systematische Praxis beanstandest. Für konkrete Einzelfälle sind die Sozialgerichte der effektivere Weg.

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  • AVGS-MPAV 2026: Wie der Vermittlungsgutschein für private Arbeitsvermittler funktioniert | by Maik Marx

    AVGS-Guide 2026

    AVGS-MPAV 2026: Der Vermittlungsgutschein für private Arbeitsvermittler

    Wie der MPAV funktioniert, warum er dir 2.500 € Erfolgshonorar einbringen kann — und wie du seriöse Vermittler von unseriösen unterscheidest.

    10 Min. Lesezeit Aktualisiert 24. Februar 2026 by Maik Marx
    Das Wichtigste in Kürze

    Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein MPAV (Maßnahme zur privaten Arbeitsvermittlung) ist ein staatlicher Gutschein über 2.500 €, den du als Arbeitssuchender nutzen kannst, um dir einen privaten Arbeitsvermittler zu finanzieren. Die Zahlung erfolgt in zwei Raten — und zwar nur dann, wenn der Vermittler dir tatsächlich zu einem sozialversicherungspflichtigen Job verhilft.

    Was ist der AVGS-MPAV überhaupt?

    Neben dem klassischen Aktivierungsgutschein gibt es eine zweite Variante des AVGS, die viele Arbeitsuchende gar nicht kennen: den Vermittlungsgutschein für private Arbeitsvermittlung (MPAV). Dieser Gutschein wurde geschaffen, um private Arbeitsvermittler ins Spiel zu bringen — also Firmen oder Einzelpersonen, die nicht staatlich sind, aber dennoch bei der Jobsuche helfen.

    Der entscheidende Unterschied: Beim MPAV zahlt die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter kein Geld für Kurse oder Coaching, sondern ein reines Erfolgshonorar an den Vermittler. Keine Vermittlung = kein Geld. Das schützt dich als Arbeitssuchenden vor unseriösen Anbietern, die nur Geld für Beratung kassieren wollen.

    Rechtliche Grundlage

    Der AVGS-MPAV ist in § 45 SGB III geregelt und kann von Personen beantragt werden, die seit mindestens 6 Wochen arbeitslos gemeldet sind. Die Ausstellung liegt im Ermessen der Agentur für Arbeit bzw. des Jobcenters.

    Die 2.500 €: So funktioniert die gestaffelte Zahlung

    Das Honorar von 2.500 € wird nicht auf einmal ausgezahlt. Die Staffelung ist so gestaltet, dass der Vermittler wirklich dauerhaften Erfolg nachweisen muss:

    Rate 1: 1.250 €
    • Zahlung nach Arbeitsaufnahme (Tag 1 im neuen Job)
    • Muss sozialversicherungspflichtig sein
    • Arbeitszeit mindestens 15 Std./Woche
    • Beschäftigung darf nicht bei einem früheren Arbeitgeber sein (keine Rückvermittlung)
    Rate 2: 1.250 €
    • Zahlung nach 6 Monaten ununterbrochener Beschäftigung
    • Sichert nachhaltige Vermittlung
    • Kein Abbruch des Arbeitsverhältnisses in dieser Zeit
    • Dient als Qualitätssicherung für die Vermittlung
    Wichtig: Wer beantragt den Gutschein?

    Du als Arbeitsuchender beantragst den MPAV bei deiner Arbeitsvermittlerin in der Agentur oder beim Jobcenter. Der Gutschein wird auf deinen Namen ausgestellt und dann an den privaten Vermittler weitergegeben, den du dir ausgesucht hast.

    AVGS vs. MPAV: Der direkte Vergleich

    Beide Gutscheine gehören zum AVGS-System — aber sie funktionieren grundlegend unterschiedlich. Diese Tabelle zeigt dir die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:

    KriteriumAVGS AktivierungsgutscheinAVGS-MPAV Vermittlungsgutschein
    ZweckWeiterbildung, Coaching, QualifizierungReine Arbeitsvermittlung in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung
    HöheBis zu 5.000 € pro Maßnahme (variiert)Genau 2.500 € (gesetzlich festgelegt)
    ZahlungsmodellZahlung für erbrachte Leistung (Kursgebühren etc.)Rein erfolgsbasiert (keine Vermittlung = kein Geld)
    AuszahlungAn den Kursanbieter nach Beginn/Abschluss1.250 € bei Jobantritt + 1.250 € nach 6 Monaten
    AnbieterAZAV-zertifizierte BildungsträgerZugelassene private Arbeitsvermittler (Gewerbeerlaubnis nach § 296 SGB III)
    Wartezeit AusstellungAb 6 Wochen Arbeitslosigkeit (Ermessen)Ab 6 Wochen Arbeitslosigkeit (Ermessen)
    Kombination möglich?✓ Mit MPAV kombinierbar✓ Mit Aktivierungsgutschein kombinierbar
    Risiko für dichGering (Anbieter muss zertifiziert sein)Sehr gering (nur Erfolg wird honoriert)
    Wann sinnvoll?Wenn Qualifikationslücken die Jobsuche behindernWenn Netzwerk & Vermittlungskontakte fehlen

    Unterschied zur Agentur für Arbeit: Was private Vermittler besser können

    Viele fragen sich: „Warum soll ich einen privaten Vermittler nutzen, wenn die Agentur für Arbeit doch kostenlos ist?“ Die Antwort liegt im Geschäftsmodell und den Kapazitäten:

    Agentur für Arbeit
    • Massenbetreuung: ein Berater für 200–400 Personen
    • Standardisierte Prozesse, wenig Individualität
    • Kein finanzieller Anreiz zur schnellen Vermittlung
    • Oft begrenzte Branchenkontakte
    • Bürokratische Abläufe, lange Wartezeiten
    Privater Arbeitsvermittler (MPAV)
    • Individuelle Betreuung mit klarem Erfolgsfokus
    • Branchenspezifische Kontakte & Firmennetzwerke
    • Starker Anreiz: kein Job = kein Honorar
    • Direktplatzierungen bei Unternehmen möglich
    • Flexiblere, schnellere Abläufe

    Gute private Vermittler haben direkte Kontakte zu HR-Abteilungen und können dich als Kandidaten aktiv empfehlen — ohne dass du dich bewerben musst. Das kann den Unterschied machen, wenn du in einer umkämpften Branche einen Job suchst.

    In 5 Schritten zum Vermittlungsgutschein und zum neuen Job

    1

    Arbeitslos melden & Wartezeit abwarten

    Melde dich unmittelbar am ersten Tag der Arbeitslosigkeit bei der Agentur für Arbeit arbeitslos (persönlich oder online). Nach mindestens 6 Wochen Arbeitslosigkeit hast du Anspruch auf den MPAV — vorausgesetzt, du bist arbeitssuchend gemeldet und beziehst ALG I oder Bürgergeld.

    2

    MPAV beim Arbeitsvermittler beantragen

    Sprich deinen persönlichen Vermittler bei der Agentur für Arbeit oder im Jobcenter aktiv an und sage: „Ich möchte einen Vermittlungsgutschein für private Arbeitsvermittlung (MPAV).“ Betone deine bisherigen Bemühungen und dass du zusätzliche Unterstützung durch Netzwerkkontakte brauchst. Der Gutschein ist auf 3 Monate befristet und kann verlängert werden.

    3

    Seriösen privaten Vermittler auswählen

    Nicht jeder, der „Arbeitsvermittlung“ anbietet, ist auch seriös. Prüfe: Hat der Anbieter eine Erlaubnis nach § 296 SGB III (staatliche Zulassung für private Arbeitsvermittlung)? Nutze die Liste der zugelassenen Vermittler auf der Website der Bundesnetzagentur als Orientierung. Seriöse Anbieter verlangen keinen Vorschuss.

    4

    Vermittlungsvertrag abschließen

    Schließe einen schriftlichen Vertrag mit dem privaten Vermittler ab. Darin müssen Laufzeit, Tätigkeitsbereich und Honorarregelung klar geregelt sein. Der Gutschein wird dem Vermittler übergeben. Wichtig: Du darfst dem Vermittler kein eigenes Geld zahlen — alles läuft über den Gutschein.

    5

    Job antreten & Auszahlung veranlassen

    Sobald du einen Job hast, meldet der Vermittler dies der Agentur für Arbeit. Nach Prüfung und Bestätigung der Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung erhält der Vermittler 1.250 € (Rate 1). Nach erfolgreich abgeschlossenen 6 Monaten folgt automatisch die zweite Rate von 1.250 €.

    Wann lohnt sich der MPAV — und wann nicht?

    MPAV lohnt sich, wenn…
    • Du eine Branche mit starkem Netzwerkmarkt hast (z. B. Finanz, IT, Logistik, Pflege)
    • Du gut qualifiziert bist, aber wenig Eigeninitiative beim Netzwerken
    • Dein Lebenslauf lückenlos und präsentierbar ist
    • Du schnell wieder arbeiten möchtest, ohne Wartezeit auf Stellen
    • Du in einer Region mit guter Arbeitsmarktlage lebst
    MPAV lohnt sich weniger, wenn…
    • Deine Qualifikationen veraltet sind (dann ist ein Aktivierungsgutschein sinnvoller)
    • Du in einem Nischenberuf tätig bist, für den wenig private Vermittler spezialisiert sind
    • Du flexible Beschäftigung oder Selbstständigkeit anstrebst (MPAV gilt nur für SV-pflichtige Jobs)
    • Du regional sehr eingeschränkt bist (z. B. Führerschein-Problem, Pflegeverpflichtung)
    Tipp: Kombination nutzen

    Du kannst beide Gutscheine gleichzeitig nutzen: Einen Aktivierungsgutschein für ein Bewerbungscoaching oder eine Weiterbildung — und parallel einen MPAV, damit ein privater Vermittler aktiv nach Stellen sucht. Das maximiert deine Chancen erheblich.

    Seriöse vs. unseriöse Vermittler: Woran erkennst du den Unterschied?

    Leider gibt es am Markt auch schwarze Schafe, die den MPAV-Gutschein missbrauchen. Mit diesen Warnsignalen erkennst du unseriöse Anbieter:

    Warnsignale — Finger weg von diesen Anbietern!
    • Vorschusszahlung: Ein seriöser MPAV-Vermittler darf von dir kein eigenes Geld verlangen. Wer dennoch Vorabgebühren verlangt, handelt rechtswidrig.
    • Keine nachweisbare Zulassung: Verlange immer die Erlaubnisnum­mer nach § 296 SGB III. Wer sie nicht zeigt oder „noch beantragt hat“, ist nicht zugelassen.
    • Garantieversprechen: „100 % Job in 4 Wochen“ — solche Versprechen sind Warnsignale. Seriöse Vermittler kommunizieren realistisch.
    • Kein Schriftvertrag: Ohne schriftlichen Vermittlungsvertrag mit klaren Bedingungen keinen Gutschein übergeben.
    • Branchenfremde Stellen: Ein seriöser Vermittler kennt deinen Beruf. Wer dir nach einem Gespräch wahllos Stellen zuschickt, hat kein echtes Netzwerk.
    • Druck und Zeitdruck: „Wenn Sie heute nicht unterschreiben, ist das Angebot weg“ — klassisches Manipulationsmuster.
    • Keine konkrete Leistungsbeschreibung: Im Vertrag muss stehen, was der Vermittler konkret tut. „Allgemeine Beratung“ ist keine Vermittlungsleistung.
    So findest du seriöse Vermittler
    • Frage deine Beraterin bei der Agentur für Arbeit nach einer Liste zugelassener Anbieter in deiner Region
    • Nutze die Suche nach zugelassenen Trägern auf der Website der Bundesagentur für Arbeit
    • Suche nach Bewertungen des Anbieters auf Google Maps, Trustpilot oder Kununu
    • Prüfe, ob der Anbieter auch AZAV-zertifiziert ist — das ist ein Qualitätsmerkmal
    • Vergleiche mehrere Anbieter, bevor du einen Vertrag unterschreibst

    Neue Grundsicherungsregeln 2025/2026: Was hat sich geändert?

    Mit der Reform des SGB II (Bürgergeld) im Jahr 2024/2025 und den Änderungen des Haushaltsstabilisierungsgesetzes 2026 ergeben sich auch für MPAV-Bezieher relevante Neuregelungen:

    Änderungen ab 2025/2026

    Verschärfte Mitwirkungspflichten: Bürgergeldempfänger, die zumutbare Stellen ohne Begründung ablehnen, riskieren verstärkte Sanktionen. Das macht den MPAV umso attraktiver — ein privater Vermittler findet passende Stellen, die du wirklich annehmen kannst und möchtest.

    Erhöhter Vermittlungsdruck: Jobcenter setzen verstärkt auf externe Vermittlungsangebote, um Vermittlungsquoten zu verbessern. Die Ausgabe von MPAV-Gutscheinen ist dadurch leichter geworden.

    Digitale Antragstellung: Seit 2025 kann der MPAV-Antrag in vielen Regionen auch digital über das ELSTER-ähnliche Portal der Bundesagentur gestellt werden.

    Keine Änderung beim Honorar: Die 2.500 € (aufgeteilt in 2×1.250 €) bleiben unverändert und sind gesetzlich festgelegt.

    Praxisbeispiel: So hat Annika durch den MPAV einen IT-Job gefunden

    Praxisbeispiel

    Annikas Weg vom Bürgergeld zur IT-Projektassistenz

    Annika (34) war Bürokauffrau und hatte 8 Monate lang vergeblich nach einem neuen Job gesucht. Trotz gutem Lebenslauf bekam sie nur Absagen. Ihr Jobcenter-Berater wies sie auf den MPAV hin. Nach 7 Wochen Wartezeit stellte das Jobcenter den Gutschein aus.

    Woche 1–2: Annika recherchiert und findet einen spezialisierten Büro-Vermittler in ihrer Stadt, der die MPAV-Zulassung nachweisen kann. Sie schließt einen schriftlichen Vertrag ab und übergibt den Gutschein.

    Woche 3–5: Der Vermittler präsentiert Annika zwei Firmen aus seinem Netzwerk: ein Software-Unternehmen und eine Unternehmensberatung. Er empfiehlt sie aktiv — ohne dass Annika sich formal bewerben muss.

    Woche 6: Annika bekommt ein Vorstellungsgespräch beim Software-Unternehmen — für eine IT-Projektassistenz, auf die sie nie selbst gekommen wäre. Das Unternehmen hatte die Stelle noch gar nicht öffentlich ausgeschrieben.

    Woche 8: Annika tritt die Stelle an. Das Jobcenter überweist 1.250 € (Rate 1) an den Vermittler.

    Monat 8 (6 Monate später): Annika arbeitet noch immer im Unternehmen. Das Jobcenter überweist die zweite Rate von 1.250 €. Annika hat keinen Cent selbst gezahlt — und hat einen Job, auf den sie alleine nie gestoßen wäre.

    Annikas Erkenntnis

    „Der entscheidende Vorteil war, dass mein Vermittler Kontakte hatte, die ich selbst nie aufgebaut hätte. Ich wäre auf diese Stelle nie gestoßen — und das Unternehmen hätte mich nie gefunden. Der private Vermittler war wie ein Türöffner in einen Markt, der sonst komplett unter dem Radar läuft.“

    Häufige Fragen zum AVGS-MPAV (FAQ)

    Kann ich den MPAV auch als Bürgergeld-Empfänger beantragen? +

    Ja, definitiv. Der MPAV ist sowohl für ALG-I-Empfänger (Agentur für Arbeit) als auch für Bürgergeld-Empfänger (Jobcenter) zugänglich. In beiden Fällen gelten die gleichen Bedingungen: mindestens 6 Wochen Arbeitslosigkeit, Ausstellung liegt im Ermessen des Sachbearbeiters. Bürgergeld-Empfänger haben sogar leicht bessere Chancen auf Ausstellung, da Jobcenter verstärkt auf externe Vermittlung setzen.

    Was passiert, wenn ich den Job nach 3 Monaten kündige? +

    In diesem Fall hat der Vermittler bereits Rate 1 (1.250 €) erhalten — die kann er behalten, da du die Beschäftigung aufgenommen hattest. Rate 2 (1.250 €) entfällt jedoch, da du keine 6 Monate in der Stelle geblieben bist. Für dich als Arbeitssuchenden entstehen keine Nachteile — du hast ja kein eigenes Geld gezahlt. Du kannst erneut einen MPAV beantragen, wenn du wieder mindestens 6 Wochen arbeitslos gemeldet bist.

    Darf der Vermittler von mir zusätzlich Geld verlangen? +

    Nein, das ist gesetzlich verboten. Gemäß § 296 Abs. 2 SGB III darf ein privater Arbeitsvermittler keine Zahlung verlangen, die über das Erfolgshonorar (den Gutschein) hinausgeht. Tut er es trotzdem, kannst du die Zahlung rückfordern und den Anbieter bei der Agentur für Arbeit melden. Das Verbot gilt auch für versteckte Gebühren in Form von „Beratungspauschalen“ oder „Verwaltungskosten“.

    Wie lange ist der MPAV-Gutschein gültig? +

    Der Vermittlungsgutschein wird in der Regel für 3 Monate ausgestellt. Wenn du innerhalb dieser Zeit keinen Job über den privaten Vermittler gefunden hast, kannst du bei deiner Beraterin eine Verlängerung beantragen. Das ist möglich, solange du noch arbeitslos gemeldet bist und weiterhin Leistungen beziehst. In der Praxis gewähren die meisten Stellen eine Verlängerung, wenn du die aktive Suche nachweisen kannst.

    Kann ich mehrere private Vermittler gleichzeitig beauftragen? +

    Grundsätzlich ist pro Gutschein nur ein Vermittler berechtigt, das Honorar zu beanspruchen. Allerdings kannst du als Arbeitsuchender durchaus mehrere Vermittler parallel kontaktieren und mit ihnen sprechen — den Gutschein gibst du dann demjenigen, der dir tatsächlich den Job verschafft. Viele Arbeitssuchende nutzen dies strategisch, um die Reichweite zu maximieren. Wichtig: Jeder Vermittler muss ein originales Exemplar des Gutscheins vorlegen können.

    Zählt eine Zeitarbeitsstelle auch für den MPAV? +

    Das kommt auf die Ausgestaltung an. Ja, wenn die Zeitarbeitsstelle sozialversicherungspflichtig ist (Mindestarbeitszeit 15 Stunden/Woche). Nein, wenn es sich um eine reine Mini-Job-Stelle handelt. Für Rate 2 muss das Arbeitsverhältnis allerdings 6 Monate ununterbrochen bestehen — bei Zeitarbeit kann das schwieriger sein, da Einsätze enden können. Prüfe daher mit deinem Vermittler, ob Zeitarbeit in deiner Situation strategisch sinnvoll ist.

    Bereit, deinen AVGS-Gutschein zu beantragen?

    Alle Informationen zu Voraussetzungen, AZAV-zertifizierten Anbietern und dem Antragsprozess — auf avgs.info kostenlos und unabhängig.

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